Christian Drosten | dpa

Drosten verteidigt RKI "Das ist der totale Klamauk"

Stand: 13.10.2021 07:26 Uhr

In der Debatte über die Impfquote hat der Virologe Drosten das RKI in Schutz genommen: Die einseitige Schuldzuweisung an das Institut sei nicht gerechtfertigt und die öffentliche Aufregung "komplett umsonst".

Nach der Kritik am Robert Koch-Institut (RKI) wegen unterschiedlicher Angaben zur Impfquote hat der Virologe Christian Drosten das Institut in Schutz genommen. Die einseitige Schuldzuweisung ans RKI und Lothar Wieler halte er so nicht für gerechtfertigt, sagte der Experte von der Berliner Charité im NDR-Podcast "Coronavirus-Update". Das Thema sei auch nicht neu, das RKI weise schon länger auf die Problematik hin.

Hintergrund ist ein vor einer Woche erschienener Bericht zu einer RKI-Impfbefragung. Das RKI erklärt darin, es seien hierzulande vermutlich mehr Erwachsene geimpft als die Daten aus dem Meldesystem nahelegen. Es hieß, dass die Quote bei einmal und vollständig Geimpften ab 18 Jahren bis zu fünf Prozentpunkte höher sein dürfte. Bereits im August hatte das RKI von "gewisser Unsicherheit" bei der Interpretation von Impfquoten-Daten berichtet.

Letztlich sei die öffentliche Aufregung um die Diskrepanz "komplett umsonst", sagte Drosten nun. Die Situation habe sich nicht geändert. "Das ist einfach der totale Klamauk, was da passiert ist." Rechnen müsse man mit der Impfquote der Gesamtbevölkerung (und nicht der Erwachsenen), sagte Drosten. Dabei sei der Unterschied zwischen dem Meldesystem und der RKI-Begleituntersuchung gering und für die Bewertung der Gesamtsituation "irrelevant". Die Begleitstudie, eine Umfrage, weise auch einige Einschränkungen auf.

"Ein Schritt nach dem anderen"

In dem Podcast sprach sich Drosten weiter dafür aus, Corona-Schutzmaßnahmen nur nach und nach zu lockern: "Das Allerwichtigste ist das Schließen der Impflücken. Und dann öffnen wir schrittweise, ein Schritt nach dem anderen." Die Quote solle "so hoch wie es geht" gesteigert werden.

Es war die 100. Folge des Podcasts. Das Format soll in den kommenden Wochen mit kürzeren Folgen als zuletzt fortgesetzt werden. Im Kern halte er sein Projekt der wissenschaftlichen Informationsvermittlung auf diesem Weg jedoch für erledigt, seit Impfstoffe breit verfügbar seien, sagte Drosten. Die Wissenschaft habe geliefert. "Das Ganze ist jetzt Aufgabe der Politik."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Oktober 2021 um 17:00 Uhr.