Kampagne "Dritte Option" | Bildquelle: picture alliance / dpa

Abstimmung im Bundestag "Divers" ist dritte Geschlechtsoption

Stand: 14.12.2018 01:59 Uhr

Neben "männlich" und "weiblich" kann künftig im Geburtenregister auch "divers" gewählt werden. Mit dem Beschluss setzt der Bundestag eine Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts um.

Als drittes Geschlecht kann künftig "divers" in das Geburtenregister eingetragen werden. Der Bundestag hat am späten Donnerstagabend eine entsprechende Gesetzesänderung beschlossen. Bisher gibt es die Möglichkeiten, "weiblich", "männlich", und "ohne Angaben" zu wählen.

Die Neuerung zielt auf intersexuelle Menschen, deren Körper weibliche und männliche Merkmale aufweisen. Wenn ein Kind nach der Geburt weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden kann, und auch die weitere Geschlechtsentwicklung dies nicht ermöglicht, soll der Eintrag im Geburtenregister zu einem späteren Zeitpunkt geändert werden können.

Streit um Forderung nach ärztlicher Bescheinigung

Das gilt dem Gesetzentwurf zufolge auch in Fällen, in denen nach der Geburt ein falsches Geschlecht gewählt wurde. In diesen Fällen wird es auch möglich sein, den Vornamen des Betroffenen zu ändern. Für diese späteren Änderungen muss eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt werden. Dies kritisierten die Grünen im Verlauf der parlamentarischen Beratungen.

Der Lesben- und Schwulenverband teilte die Ablehnung. "Änderungen des Vornamens und des rechtlichen Geschlechts müssen auf Antrag beim Standesamt möglich sein", erklärte die Organisation. "Entwürdigende Begutachtungen und Pathologisierungen müssen abgeschafft werden."

Der CDU-Abgeordnete Marc Henrichmann verwies hingegen auf das staatliche Interesse an einem Personenstandsregister mit Beweiskraft. Dies lasse keine Selbsteinschätzung nach subjektiven Empfindungen zu. Noch deutlicher wandte sich die AfD gegen eine solche Möglichkeit. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Beatrix von Storch betonte: "Die Geschlechtszugehörigkeit ist seit Bestehen der Menschheit ein objektives Faktum - so wie Alter und Körpergröße auch."

Das Bundesverfassungsgericht hatte im Herbst 2017 entschieden, dass die bisherige Rechtslage gegen das allgemeine Persönlichkeitsrecht verstoße. Die Richter verlangten eine Neuregelung bis Ende dieses Jahres.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Dezember 2018 um 04:56 Uhr.

Darstellung: