Klaus Reinhardt | Bildquelle: dpa

Nach Aussagen zu Alltagsmasken Ärztepräsident Reinhardt rudert zurück

Stand: 23.10.2020 17:34 Uhr

Mit seinen öffentlichen Zweifeln am Nutzen von Alltagsmasken hatte Ärztepräsident Reinhardt viel Widerspruch ausgelöst. Nun rudert er zurück - und spricht von einer "klaren Empfehlung" zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes.

Zwei Tage nach seinen umstrittenen Äußerungen über den Nutzen von Alltagsmasken hat sich der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, von seinen Aussagen distanziert. "Die aktuelle Evidenz aus vielfältigen Studien spricht für einen Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes", teilte er mit. Seine Aussagen hätten zu erheblichen Irritationen geführt, die er sehr bedauere.

Die Studien wiesen darauf hin, dass sowohl die Übertragung auf andere als auch die Selbstansteckung durch Alltagsmasken verringert werde, erklärte er weiter. "Aus diesen Daten resultiert die klare Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes."

Der Ärzte-Chef betonte: "Meine Absicht war zu keinem Zeitpunkt, die Gefahren der Pandemie zu bagatellisieren." Es sei sein "großer Wunsch, dass wir die Corona-Pandemie in Deutschland weiterhin gut bewältigen und dass alle sinnvollen Maßnahmen ergriffen werden, die die Virusverbreitung verlangsamen und vermeidbare Infektionen verhindern. Alle Regeln, die dazu dienen, eine Überlastung unseres Gesundheitswesens abzuwenden, unterstütze ich vorbehaltlos."

Viel Kritik nach Lanz-Auftritt

In der ZDF-Talkshow "Markus Lanz" hatte Reinhardt am Mittwochabend gesagt, dass er das Tragen in manchen Situationen befürworte. Allerdings sei er von den Alltagsmasken nicht überzeugt, "weil es auch keine tatsächliche wissenschaftliche Evidenz darüber gibt, dass die tatsächlich hilfreich sind - schon gar nicht im Selbstschutz und wahrscheinlich auch nur ganz wenig im Schutz, andere anzustecken". An einer Stelle sprach der Ärztekammer-Chef von einem "Vermummungsgebot".

Mit seinen Aussagen stieß er auf viel Kritik. Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, sagte: "Diese persönliche Auffassung des Bundesärztekammer-Präsidenten steht im Widerspruch zur aktuellen Studienlage und ist geeignet, das seit Monaten wirksame und evidenzgestützte Konzept zur Minimierung von Infektionen zu diskreditieren." Für den Verband stehe außer Frage, dass Alltagsmasken das Risiko einer Übertragung reduzieren.

Lauterbach: "Aus meiner Sicht ein Rücktrittsgrund"

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hatte die Wortwahl auf Twitter als "unentschuldbar" für den "ranghöchsten deutschen Ärztefunktionär" bezeichnet. Reinhardt beschädige die Arbeit seiner Kollegen. "Aus meiner Sicht ein Rücktrittsgrund, wenn er das nicht sofort zurücknimmt", schrieb er.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt das Tragen von Alltagsmasken in bestimmten Situationen als Baustein, um Risikogruppen zu schützen und die Ausbreitungsgeschwindigkeit zu reduzieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Oktober 2020 um 17:00 Uhr.

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