Der digitale Impfausweis ist bei seiner Vorstellung auf einem Smartphone zu sehen

Einfacher reisen Startschuss für den digitalen Impfnachweis

Stand: 10.06.2021 13:23 Uhr

Die Testphase ist vorbei, nun geht es los: Von heute an beginnt die schrittweise Einführung des digitalen Impfnachweises in Deutschland. Laut Gesundheitsminister Spahn soll er bis Ende Juni für alle zur Verfügung stehen.

Der neue digitale Corona-Impfnachweis soll von heute an schrittweise starten. Die Tests seien erfolgreich gewesen, so dass mit dem Roll-Out begonnen werden könne, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Er betonte aber auch, dass alles seine Zeit brauche. Schritt für Schritt würden die Impfzentren und Arztpraxen nun an das System angeschlossen. "Aber nicht alle sind heute oder morgen schon angeschlossen."

Ziel sei, dass bis Ende Juni der sogenannte CovPass "für alle, die wollen, zur Verfügung steht", so der CDU-Politiker. Ebenfalls schrittweise soll die nachträgliche Ausstellung für bereits vollständig Geimpfte beginnen. "Viele Bundesländer werden in diesen Tagen beginnen, postalisch den QR-Code zu versenden", sagte Spahn mit Blick auf Impfungen in Impfzentren.

Es soll drei Anlaufstellen geben, wo sich Bürgerinnen und Bürger den digitalen Impfnachweis besorgen können. Entweder sollen sie sich an das Impfzentrum oder die Arztpraxis wenden, wo sie die Zweitimpfung erhalten haben. Die dritte Möglichkeit soll darin bestehen, den Digital-Pass in einer Apotheke zu erhalten - gegen Vorlage eines Impfnachweises und eines Personalausweises.

Digital-Pass als freiwillige Ergänzung

Der digitale Nachweis ist eine freiwillige Ergänzung - auch der gelbe Impfpass wird seine Gültigkeit behalten. Der Code kann mit dem Smartphone eingescannt werden. Er kann einerseits in die Corona-Warn-App integriert oder in einer eigenen App namens "CovPass" installiert werden. Diese soll für verschiedene Smartphone-Systeme in den kommenden Stunden und Tagen kostenlos zum Download bereit gestellt werden. Bald würden zudem Test- und Geneseneninformationen zu speichern sein, sagte Spahn.

Ab Juli soll der Digital-Pass dann auch für das grenzüberschreitende Reisen in der EU genutzt werden können. "Das Ziel ist, dass auch in Helsinki, Amsterdam und Mallorca dieses Impfzertifikat gelesen werden kann", sagte Spahn. "Damit setzen wir als Europäische Union auch Standards für den internationalen Reiseverkehr."

Deutschland setzt mit dem Nachweis ein Vorhaben der EU um. Dafür wurden einheitliche Details eines Zertifikats vereinbart, mit dem man Impfungen, Tests und überstandene Covid-19-Erkrankungen nachweisen kann. Die App soll als Beleg bei gelockerten Corona-Beschränkungen eingesetzt werden können und zur Sommerferienzeit Reisen in Europa erleichtern. Das EU-Parlament hatte erst kürzlich den Weg für einen in allen EU-Ländern gültigen und anerkannten Corona-Ausweis frei gemacht.

"Wir können wieder mehr Freiheit wagen"

Angesichts der Entwicklung der Corona-Zahlen in Deutschland sprach der Minister von einer "sehr ermutigenden Entwicklung". Dabei bezog er sich auf die "drei I": "Die Infektionszahlen gehen runter, die Intensivstationen leeren sich von Covid-19-Patienten und die Impfzahlen steigen." Damit seien mehr Lockerungen möglich. "Wir können wieder mehr Freiheit, mehr Normalität wagen."

Es gehe nun weiterhin darum, das Erreichte abzusichern und die Zahlen noch weiter herunterzubringen, betonte Spahn. "Umso tiefer wir kommen, desto länger werden wir etwas von diesem Erfolg haben und desto weniger geben wir Mutationen eine Chance, sich zu verbreiten."

"Pandemie ist leider nicht vorbei"

Auch der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, sprach von einer "erfreulichen Entwicklung". Von 412 Landkreisen liege kein einziger mehr über der Inzidenz von 100, nur noch zwölf Landkreise lägen über einem Wert von 50.

"Trotzdem ist die Pandemie leider nicht vorbei", sagte Wieler. So gebe es aktuell noch 40 Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen. Auch seien die Fallzahlen in der Bevölkerung noch vergleichsweise hoch - am Donnerstag lagen sie zehnmal so hoch wie am 10. Juni vergangenen Jahres. Zudem stürben immer noch Menschen an Covid-19. "Das Virus ergreift also jede noch so kleine Chance - die sollten wir ihm nicht geben", sagte Wieler.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juni 2021 um 14:00 Uhr.