Ein Landwirt versprüht in Brandenburg Pflanzenschutzmittel auf einem Feld. | Bildquelle: dpa

Deutsche Landwirtschaft Bauern spritzen weniger Pestizide

Stand: 12.08.2020 16:59 Uhr

Im vergangenen Jahr war der Absatz von Unkraut- und Schädlingsgiften in Deutschland so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Das Umweltbundesamt sieht dennoch keinen Grund für Optimismus.

Auf deutschen Äckern kam im letzten Jahr so wenig Pflanzenschutzmittel zum Einsatz wie seit 20 Jahren nicht mehr. Wie Agrarministerin Julia Klöckner mitteilte, sank die verkaufte Menge von Unkraut- und Schädlingsvernichtern im Vergleich zu 2018 um 6,7 Prozent. Die CDU-Politikerin sprach von einem Erfolg. Insgesamt wurden damit laut Industrieverband Agrar (IVA) rund 27.000 Tonnen Pestizide abgesetzt.

Beim besonders im Fokus der Öffentlichkeit stehenden Wirkstoff Glyphosat betrug der Rückgang im Vorjahresvergleich 11,3 Prozent. "Die aktuellen Zahlen und auch der Trend der vergangenen Jahre zeigen, dass wir hier auf einem guten Weg sind", sagte Klöckner. Ganz ohne Pestizide werde es in Zukunft aber nicht funktionieren. "Um Ernten zu sichern, müssten die Pflanzen vor Schädlingen und Pilzen geschützt werden", so Klöckner.

Umweltbundesamt ist wenig optimistisch

Neben der trockenen Witterung, die die Entwicklung begünstigt habe, nannte Klöckner drei Gründe für den anhaltenden Rückgang: Die Züchtung widerstandsfähiger Pflanzen, den verstärkten Einsatz von biologischen und nicht-chemischen Pflanzenmitteln und ein verändertes Bewusstsein der Landwirte.

Weniger optimistisch äußerte sich das Umweltbundesamt (UBA). Ob es sich bei dem verzeichneten Rückgang von Pestiziden tatsächlich um einen langfristigen Trend handele, sei angesichts der von Jahr zu Jahr schwankenden Absatzzahlen noch nicht absehbar. "Auf jeden Fall sehen wir immer noch einen Absatz auf sehr hohem Niveau, auch im Vergleich zu vielen anderen Mitgliedstaaten der EU", sagte UBA-Präsident Dirk Messner. Die bisherigen Maßnahmen reichten nicht. "Die aktuellen Daten zum Inlandsabsatz können deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Landwirtschaft sich noch kaum in Richtung ökologischer Nachhaltigkeit entwickelt hat", so Messner.

Düngeregelungen wurden nachgebessert

Die Umweltverbände schlagen in die gleiche Kerbe. "Die vergangenen beiden Sommer waren heiß und trocken. Daraus ergibt sich eine geringere Nachfrage nach chemischen Pflanzenschutzmitteln", sagte Olaf Bandt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch Greenpeace-Agrarexpertin Christiane Huxdorff mahnte: "Dieser Effekt wird aber verpuffen, sobald wir wieder ein regenreicheres Jahr haben, dann werden auch wieder mehr Schädlinge und Ackerunkräuter auftreten." Der BUND sprach sich unter anderem für ein Verbot von Pestiziden in Schutzgebieten aus. Die Umweltschutzorganisation WWF forderte mehr Transparenz über die konkrete Verwendung verkaufter Pflanzenschutzmittel.

In einem ersten Schritt wurde bei den Düngeregelungen jetzt nachgebessert. Zum besseren Schutz des Grundwassers vor Nitrat, das insbesondere über das Düngen der Felder in die Umwelt gelangt, beschloss das Bundeskabinett eine Vorschrift für einheitliche Kriterien bei der Ausweisung sogenannter roter Gebiete, also besonders belasteter Flächen. Bisher wurde die Ausweisung dieser roten Gebiete von den Ländern aber unterschiedlich gehandhabt. Zudem müssen die Bauern in diesen Gebieten nun strengere Düngeregelungen befolgen.

Nach Angaben des Umweltministeriums droht die EU-Kommission Deutschland mit einer weiteren Klage vor dem Europäischen Gerichtshof, wenn die Ausweisung der belasteten Gebiete nicht bis zum Jahresende 2020 durch die Länder erfolgt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 12. August 2020 um 18:44 Uhr.

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