Logo am Gebäude der Deutschen Welle in Bonn | dpa

Nach Antisemitismus-Vorwürfen Deutsche Welle trennt sich von Mitarbeitern

Stand: 07.02.2022 20:05 Uhr

Über Wochen lief eine externe Untersuchung zur Arabisch-Redaktion der Deutschen Welle. Der Vorwurf, der gegen einige Mitarbeiter im Raum stand: Antisemitismus. Der Sender zieht nun erste Konsequenzen.

Nach Antisemitismus-Vorwürfen gegen Mitarbeiter der Deutschen Welle (DW) hat der deutsche Auslandssender in fünf Fällen ein Trennungsverfahren eingeleitet. Das sagte DW-Intendant Peter Limbourg in einem Pressegespräch. Zu den einzelnen Mitarbeitern wurden keine Angaben gemacht.

Der Sender will zudem eine Antisemitismus-Definition festlegen und diese intern verpflichtend vermitteln. Diese schließe die Anerkennung des Existenzrecht Israels und die Ablehnung von Leugnung und Verharmlosung des Holocaust ein.

Kein struktureller Antisemitismus festgestellt

In den vergangenen Wochen lief eine vom Sender angestoßene externe Untersuchung gegen einige Mitarbeiter der Arabisch-Redaktion sowie freischaffende Mitarbeiter der DW im Ausland. Es war eine Folge von Antisemitismus-Vorwürfen, die durch einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" Ende November öffentlich geworden waren. Es folgten weitere Presseberichte. Die Mitarbeiter wurden für die Zeit der Prüfung freigestellt.

Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Psychologe Ahmad Mansour stellten die Ergebnisse ihrer externen Prüfung vor. Sie betonten, dass es sich um punktuelles Fehlverhalten gehandelt habe. Ein struktureller Antisemitismus in der arabischen Redaktion sei nicht festgestellt worden.

Neben den fünf Trennungsverfahren geht die Deutsche Welle elf weiteren Verdachtsfällen nach, wie Limbourg weiter ausführte. Neben acht Verdachtsfällen, die sich aus der Prüfung ergeben hätten, seien drei weitere Fälle im Zuge eigener DW-Untersuchungen in den vergangenen Wochen entdeckt worden. Eine dieser drei Personen sei nicht mehr bei der DW beschäftigt.

Intendant: "Es tut mir aufrichtig leid"

Zu Beginn seiner Ausführungen betonte Limbourg: "Es tut mir und der Geschäftsleitung aufrichtig leid, dass wir in dieser Situation sind. Allein der Verdacht, dass es in einer deutschen steuerfinanzierten Einrichtung Antisemitismus gibt, muss für Juden in diesem Land und weltweit unerträglich sein." Er sprach von Versäumnissen und Fehlern.

Zentralrat fordert schnelle Umsetzung

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, erklärte zu den Ergebnissen der Prüfung bei der Deutschen Welle: "Der Sender sollte jetzt rasch die Empfehlungen der Gutachter umsetzen. In einem Vierteljahr sollte die Deutsche Welle einen ersten Bericht vorlegen, der über die getroffenen Maßnahmen Auskunft gibt", sagte er.

Auch Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne) unterstrich die besondere Rolle der Deutschen Welle: "Die Deutsche Welle hat in ihren Sendungen die Würde des Menschen zu achten und zu schützen." Zentrale Aufgabe von Intendanz und Geschäftsleitung sei es nun, strukturelle Maßnahmen für Vertrieb, Programm, Akademie und Personalmanagement vorzuschlagen, erklärte sie.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Februar 2022 um 20:00 Uhr.