Demonstranten in Berlin | REUTERS

Bundesweite Nahost-Proteste Ausschreitungen bei Demo in Berlin

Stand: 15.05.2021 18:16 Uhr

Der Nahost-Konflikt hat in Deutschland und anderen europäischen Städten Tausende Demonstranten auf die Straßen gebracht. In Berlin kam es dabei zu massiven Auseinandersetzungen. Zwei Demos wurden aufgelöst.

In mehreren Städten in Deutschland haben Tausende Menschen gegen die Gewalt im Nahen Osten demonstriert. In Berlin und Hamburg mussten einige Demos später aufgelöst werden. Auch in anderen europäischen Metropolen versammelten sich Tausende auf den Straßen.

Bei einer pro-palästinensischen Demonstration in Berlin mit nach Polizeiangaben rund 3500 Teilnehmern kam es zu massiven Ausschreitungen. Aus den Reihen der Demonstranten wurden Steine und Flaschen auf die Polizei geschleudert, auch Feuerwerkskörper flogen gegen die Sicherheitskräfte. Demonstranten schlugen auf Polizisten ein. Die Beamten setzten Pfefferspray ein.

Die Polizei hatte den Protest im Stadtteil Neukölln wegen des Verstoßes gegen die Corona-Hygieneregeln für aufgelöst erklärt. Da sich Demonstrationsteilnehmer nicht an die Anordnung hielten, schritten die Beamten gegen sie ein. Aus der Demonstration wurden Rufe wie "Kindermörder Israel", "Frauenmörder Israel" und "Free Palestine" laut. Zuvor war eine andere Demonstration mit rund 120 Teilnehmern friedlich verlaufen.

Vor dem Hintergrund des eskalierenden Konflikts zwischen Israel und der Hamas forderten die Demonstranten "Freiheit für Palästina" und erinnerten an die "Nakba" (deutsch: Katastrophe). Am 15. Mai gedenken die Palästinenser damit der Vertreibung und Flucht Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948.

Polizei löst Demo in Hamburg auf

Auch in Hamburg solidarisierten sich mehrere Hundert Demonstranten mit den Palästinensern. Auf Transparenten wurden Parolen und die Landkarte Palästinas gezeigt, Palästina-Flaggen wurden geschwenkt. Nach einer friedlichen Kundgebung mit etwa 120 Teilnehmern auf dem Gänsemarkt versammelten sich nach Polizeiangaben 400 bis 500 Demonstranten in Ottensen. Die Stimmung dort sei hoch emotionalisiert gewesen. Die Situation habe sich weiter verschärft, als einige Personen mit Israel-Flaggen erschienen. Die Polizei löste die Versammlung auf.

In Frankfurt am Main versammelten sich rund 1.500 Teilnehmer zu einer israelfeindlichen Demonstration. Der Großteil trug Masken, aber die Abstände seien nicht immer eingehalten worden, sagte ein Polizeisprecher. Auch rund 150 Gegendemonstranten hätten sich eingefunden. Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt das am Freitag von der Stadt verhängte Verbot der "Nakba"-Demonstration aufgehoben.

Friedliche Proteste in Hannover und Leipzig

Begleitet von einem massiven Polizeiaufgebot machten in Hannover unterschiedliche Gruppen auf den Gaza-Konflikt aufmerksam. An den Veranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen nahmen laut Polizei zunächst etwa 800 Personen teil. Viele Demonstranten verurteilten die Militäraktionen Israels im Gaza- Streifen und forderten eine Ende der "Unterdrückung des Palästinensischen Volkes". Am Hauptbahnhof gab es eine Kundgebung unter der Motto "Gegen jeden Antisemitismus - Solidarität mit Israel".

Auch in der Leipziger Innenstadt gingen mehrere hundert Menschen auf die Straße. Nach Polizeiangaben nahmen an einer "Pro-Palästina"-Demonstration zeitweise bis zu 400 Menschen teil. Ihnen standen den Schätzungen zufolge etwa 200 Teilnehmer einer Kundgebung "Pro Israel" gegenüber. Anfangs sei die Stimmung kurz aufgeheizt gewesen, zwischen beiden Seiten hätten sich einige Demonstranten Wortgefechte geliefert, sagte ein Polizeisprecher. Die Situation sei aber nicht weiter eskaliert und habe sich beruhigt.

Demos auch in London, Madrid und Paris

Nicht nur in Deutschland, auch in mehreren Städten Europas protestierten Tausende Menschen aus Solidarität mit den Palästinensern im Konflikt mit Israel. In London forderten Demonstranten die britische Regierung auf, sich für ein Ende der israelischen Luftangriffe auf den Gazastreifen einzusetzen. Palästinensische Flaggen wurden geschwenkt und Schilder hochgehalten, auf denen die "Befreiung" der Palästinensergebiete von der israelischen Besatzung gefordert wurde.

In Madrid gingen laut Polizei etwa 2500 Menschen zur Unterstützung der Palästinenser auf die Straße. "Jerusalem, ewige Hauptstadt der Palästinenser", war auf Transparenten zu lesen. "Das ist kein Krieg, das ist Völkermord!", riefen Demonstranten. Viele junge Leute waren in palästinensische Flaggen eingehüllt. Die Demonstranten riefen die Europäer auf, mit Israel nicht länger zu kooperieren.

In Paris gingen pro-palästinensische Aktivisten trotz eines Demonstrationsverbots auf die Straße. 4200 Polizisten waren im Einsatz. Sie riefen über Lautsprecher zur Auflösung der Versammlungen auf, auch ein Wasserwerfer kam zum Einsatz. Der Präsident der Palästinenservereinigung für die Region Paris, Walid Atallah, warf den Behörden vor, Spannungen durch das kurzfristige Demoverbot zu schüren. Die Sicherheitsbehörden befürchten schwere Ausschreitungen wie 2014, als Synagogen und andere jüdische Einrichtungen zum Ziel wurden.

Trauerzug im Libanon

Im Libanon nahmen Hunderte Menschen an der Trauerfeier für ein Hisbollah-Mitglied teil, das durch israelische Soldaten an der Grenze getötet worden war. Der Sarg des 21-Jährigen wurde von Hisbollah-Mitgliedern in Uniform in dessen Heimatort Adlun durch die Straßen getragen. Die Teilnehmer schwenkten die palästinensische Flagge und skandierten Parolen wie "Tod für Israel". Mohammad Kassem Tahan war am Freitag seinen Verletzungen im Süden des Libanon erlegen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur ANI waren "zwei Geschosse" von der israelischen Armee auf Demonstranten abgefeuert worden, als einige versuchten, die Grenze zu überqueren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Mai 2021 um 20:00 Uhr.