"Leopard 2"-Panzer | MDR Mitteldeutscher Rundfunk/MDR/Dirk Reinhardt/obs

Rheinmetall zu Kampfpanzer "Leopard" wäre vor 2024 nicht lieferbar

Stand: 15.01.2023 15:40 Uhr

Der Rüstungskonzern Rheinmetall könnte frühestens 2024 "Leopard"-Kampfpanzer an die Ukraine liefern. So lange würde die Instandsetzung dauern, sagte Vorstandschef Papperger der "Bild am Sonntag".

Der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall hat darauf hingewiesen, dass eine Lieferung von instandgesetzten "Leopard"-Kampfpanzern aus seinen Beständen an die Ukraine Zeit brauche. "Selbst wenn morgen die Entscheidung fällt, dass wir unsere 'Leopard'-Panzer nach Kiew schicken dürfen, dauert die Lieferung bis Anfang nächsten Jahres", sagte Vorstandschef Armin Papperger der "Bild am Sonntag".

Rheinmetall verfügt über 22 Fahrzeuge vom "Leopard 2" und über 88 Exemplare des älteren Modells "Leopard 1", wie die Zeitung unter Berufung auf Papperger berichtete. Der Rheinmetall-Chef sagte, die Reparatur der ausgemusterten Kampfpanzer dauere "ein knappes Jahr". "Die Fahrzeuge werden nicht nur neu lackiert, sondern müssen für einen Kriegseinsatz umgebaut werden. Sie werden komplett auseinandergenommen und dann wieder neu aufgebaut."

Ohne Auftrag keine Aufarbeitung

Die Panzer könne Rheinmetall nicht ohne Auftrag instandsetzen, da die Kosten bei mehreren Hundert Millionen Euro lägen. "Das kann Rheinmetall nicht vorfinanzieren", so Papperger. Der Leopard könne im Krieg eine entscheidende Rolle spielen, sagte der Konzernchef: "Mit Kampfpanzern kann eine Armee die feindlichen Linien durchbrechen und einen längeren Stellungskrieg beenden. Mit dem 'Leopard' können die Soldaten zig Kilometer am Stück vorrücken."

Der Rheinmetall-Vorstandsvorsitzende Armin Papperger | REUTERS

Rheinmetall-Chef Papperger wartet auf eine Entscheidung der Bundesregierung. Bild: REUTERS

Der Druck auf die Bundesregierung zur Lieferung von "Leopard"-Kampfpanzern an die Ukraine war zuletzt weiter gestiegen. Polen hatte sich am Mittwoch bereit erklärt, der Ukraine zusammen mit Bündnispartnern Kampfpanzer vom Typ "Leopard 2" für den Abwehrkampf gegen Russland zu überlassen. Finnland ließ am Donnerstag vorsichtige Bereitschaft für eine Lieferung erkennen.

Großbritannien liefert bereits

Am Samstag schließlich kündigte Großbritannien als erstes Land die Lieferung schwerer Kampfpanzer an Kiew an. Die Bereitstellung der Panzer vom Typ "Challenger 2" sowie zusätzlicher Artilleriesysteme solle der ukrainischen Armee dabei helfen, "die russischen Truppen zurückzudrängen", sagte Großbritanniens Premierminister Rishi Sunak.

Durch die britische Zusage wächst der Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz, ebenfalls Kampfpanzer in die Ukraine zu schicken. Deutschland spielt in der Debatte eine Schlüsselrolle, weil die Panzer in Deutschland entwickelt wurden. In der Regel muss die Weitergabe von Rüstungsgütern aus deutscher Produktion an Dritte genehmigt werden.

Die Bundeswehr hat die meisten ihrer "Leopard"-Panzer älterer Bauart bereits weitgehend abgegeben. Sie wurden in der Vergangenheit zum Beispiel in die Türkei, nach Griechenland oder Dänemark exportiert. Das Heer verfügt noch über gut 300 modernere Exemplare, die sie aber eigentlich selbst braucht. Genauere Angaben zu Stärken, Ausstattungen von Verbänden oder Einheiten will die Bundeswehr nicht nennen.

Rheinmetall will Marder-Panzer liefern

Deutschland hat der Ukraine bisher "Marder"-Schützenpanzer und "Gepard"-Flugabwehrpanzer zugesagt. Papperger sagte, für die Lieferung von 40 "Marder"-Panzern stehe Rheinmetall bereit. Voraussetzung wäre aber, dass Griechenland auf die zweite Tranche seiner Lieferung aus einem Ringtausch vorerst verzichten würde. "Die für Griechenland vorgesehenen übrigen 20 'Marder' könnten wir natürlich zeitnah der Ukraine geben. Weitere Fahrzeuge würden schon im April folgen, denn wir arbeiten unter Hochdruck", sagte Papperger.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2023 um 08:40 Uhr.