Horst Seehofer | Bildquelle: dpa

Seehofer und der Datendiebstahl Aufklärungsversuche und weitere Kritik

Stand: 07.01.2019 07:46 Uhr

Wer wusste wann was zum Datendiebstahl? Darüber berät Innenminister Seehofer heute mit den Chefs von BKA und BSI. Die Kritik an seiner Informationspolitik hält an. Grünen-Chef Habeck forderte in der ARD eine Cyberpolizei.

Wie konnte es zu dem massiven Datendiebstahl kommen, bei dem Informationen von Politikern und Prominenten veröffentlicht wurden? Mit dieser Frage beschäftigt sich heute Bundesinnenminister Horst Seehofer. Er trifft die Chefs des Bundeskriminalamts (BKA) und des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Holger Münch und Arne Schönbohm.

"So gut wie nichts zu hören"

Seehofer steht wegen seiner Informationspolitik in der Kritik: "Ich bin irritiert, vom zuständigen Bundesinnenminister, der sonst keine Gelegenheit auslässt, sich zu allem und jedem zu Wort zu melden, so gut wie nichts zu hören, wenn es um die Cybersicherheit in unserem Land geht", sagte etwa der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Burkhard Lischka. Ähnlich äußerte sich der FDP-Vizevorsitzende Wolfgang Kubicki.

Innenminister Seehofer hatte in einem Interview erklärt, er wolle "die Bevölkerung nur mit belastbaren Fakten und nicht mit Vermutungen informieren". Aufforderung nach Aufklärung durch sein Ministerium wies er zurück. "Das ist eine Selbstverständlichkeit", so Seehofer. Zuvor wolle er aber mit den Verantwortlichen sprechen. Spätestens Mitte der Woche will er die Öffentlichkeit informieren.

Regierung erwägt Gesetzesverschärfung

Digital-Staatssekretärin Dorothee Bär zeigte sich offen für Gesetzesverschärfungen. "Einen derartigen Angriff müssen wir zum Anlass nehmen, sehr genau auszuloten, ob schon alles getan ist, um eine bestmögliche Datensicherheit zu gewährleisten", sagte die CSU-Politikerin dem "Handelsblatt". Die Überlegungen müssten daher in alle Richtungen gehen. "Insofern ist es auch legitim zu prüfen, ob Software-Hersteller und Plattformen stärker in die Pflicht genommen werden müssen, um zu mehr Datensicherheit beizutragen." Ähnlich hatte sich am Wochenende bereits Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) geäußert.

Grünen-Chef Robert Habeck, der von dem Datendiebstahl auch persönlich betroffen war, forderte im ARD-Morgenmagazin eine Cyberpolizei. "Wenn jetzt nichts passiert, wird das eine Ermutigung für andere sein", so Habeck.

Screenshot des inzwischen gesperrten Twitter-Accounts | Bildquelle: dpa
galerie

Auch über einen Twitter-Account wurden wochenlang gestohlene Daten verbreitet. Er wurde am Freitag gesperrt.

50 schwerwiegende Fälle

Die Ermittlungen in dem Fall laufen nach Angaben eines Sprechers der verantwortlichen Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt "mit Hochdruck". Aus ermittlungstaktischen Gründen würden derzeit aber keine weiteren Angaben zu dem Verfahren gemacht.

Nach Angaben aus Sicherheitskreisen sind 994 Personen von dem Online-Angriff betroffen: vor allem Politiker, aber auch Prominente und Journalisten. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden seien, hieß es.

Ein bislang Unbekannter hatte über das inzwischen gesperrt Twitter-Konto @_0rbit im Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht. Manche Informationen hatte er auch schon früher ins Netz gestellt. Das wurde allerdings erst in der Nacht zu Freitag öffentlich - und somit auch vielen Betroffenen - bekannt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Januar 2019 um 07:45 Uhr.

Darstellung: