Ein positiver Corona-Schnelltest liegt auf einem weiteren Schnelltest. | dpa

Coronavirus in Deutschland Omikron-Subvariante BA.5 bei 66 Prozent

Stand: 01.07.2022 08:32 Uhr

Zwei Drittel der Corona-Infektionen gehen inzwischen auf die Omikron-Subvariante BA.5 zurück. Sie ist nach RKI-Angaben auch für zuletzt steigende Inzidenzen und Klinikeinweisungen verantwortlich. Die WHO warnt vor einer Sommerwelle.

Die Verbreitung der seit einiger Zeit in Deutschland bereits dominierenden Omikron-Subvariante BA.5 hat nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) noch einmal zugenommen. Ihr Anteil habe nach neuen Erkenntnissen - einer Stichprobe von vorvergangener Woche - knapp 66 Prozent betragen, wie das RKI im aktuellen Wochenbericht ausweist. In der Vorwoche hatte der Anteil von BA.5 bei etwa 52 Prozent gelegen.

Wie die RKI-Fachleute in dem Bericht schreiben, setzte sich zuletzt auch der Anstieg der Variante BA.4 fort, allerdings weniger stark als in den vorigen Wochen. Er lag demnach bei etwa sieben Prozent. In Deutschland wird jedoch nur bei einem kleinen Teil positiver Proben das Erbgut komplett untersucht.

Steigende Inzidenz, mehr Klinikeinweisungen

Bei der bundesweiten Sieben-Tage-Inzidenz ist nach RKI-Angaben zuletzt ebenfalls ein klarer Anstieg deutlich geworden: Der Wert legte im Vergleich zur Vorwoche um 38 Prozent zu. So liegt die Sieben-Tage-Inzidenz aktuell bei 682,7. Die Gesundheitsämter meldeten zuletzt 113.099 Corona-Neuinfektionen und 84 Todesfälle innerhalb eines Tages. Dem RKI zufolge gab es auch bei der Zahl der Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sowie der Zahl auf Intensivstationen behandelter Menschen mit Covid-19 ein deutliches Plus.

Vor dem Hintergrund wieder steigender Inzidenzen durch die stärkere Verbreitung der Sublinien BA.4 und BA.5 mahnt das RKI dazu, die Maßnahmen zur Infektionsvermeidung weiterhin einzuhalten. Die Fachleute twitterten, dass insbesondere für Menschen mit Booster-Impfung "weiterhin von einem sehr guten Impfschutz gegenüber einer schweren Erkrankung ausgegangen werden" könne.

Lauterbach: Corona-Tests jetzt aussagekräftiger

Nach dem Ende der kostenlosen Corona-Bürgertests geht das Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach davon aus, das die neue Regelung dazu führt, dass die Tests aussagekräftiger seien. "Wenn jeder sich einfach so oft testen lassen kann wie er will, ohne dass es einen Grund dafür gibt, dann sind auch zu viele Tests negativ oder wenn sie positiv sind, dann oft falsch-positiv", sagte der SPD-Politiker bei RTL. "Wir haben das eingeschränkt, sodass die Tests aussagekräftiger sind."

Es werde auch konsequenter gegen Betrug vorgegangen, sagte Lauterbach. Er verteidigte zudem die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an den Kosten: "Wenn ich für drei Euro in einer größeren Gruppe viele Menschen vor der Ansteckung schützen kann, dann ist das gut investiertes Geld."

WHO-Europachef warnt vor Corona-Welle im Sommer

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet derweil mit einer neuen Corona-Welle in diesem Sommer in Europa. Das Coronavirus werde sich voraussichtlich stark verbreiten, da die Länder der gesamten Region ihre bisherigen Schutzmaßnahmen aufgehoben hätten, sagte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge, der Nachrichtenagentur AFP. "Das Virus wird nicht verschwinden, nur weil die Ländern aufhören, es zu überwachen".

Nach Angaben der WHO hat sich die Zahl der Infektionsfälle auf dem europäischen Kontinent durch die Ausbreitung der hochansteckenden Omikron-Subvariante BA.5 binnen weniger Wochen mehr als verdreifacht. Wurden in den 53 Ländern, die zur Europa-Region der WHO zählen, Ende Mai noch etwa 150.000 Infektionsfälle pro Tag registriert, nähert sich die Zahl der täglichen Ansteckungen inzwischen der Marke von 500.000.

Hohe Infektionsraten auch aus Deutschland

Die höchsten Infektionsraten wurden aus Österreich, Zypern, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Luxemburg und Portugal gemeldet. Er hoffe, dass die Impfungen und zahlreichen Infektionen dazu führen werden, dass die Konsequenzen einer Ansteckung in der Regel weniger schwerwiegend sein werden als noch zu Pandemiebeginn, sagte Kluge.

Doch immer noch seien Todesfälle und schwere Verläufe zu beklagen, so Kluge. "Deshalb bleiben wir bei unseren Empfehlungen" zum Schutz gegen das Virus. Die Menschen sollten sich bei Atemwegssymptomen weiter isolieren, ihre Impfungen auf dem neuesten Stand halten und in belebten Orten Mundschutz tragen.

Wichtig sei es auch, das Virus weiter nachzuverfolgen, sonst blieben neue Übertragungsmuster und Mutationen zu lange unentdeckt, sagte Kluge. Er rief zudem die Länder auf, ihre Impfraten weiter zu erhöhen.

Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell am 30. Juni 2022 um 20:07Uhr.