Schulkinder laufen in einer Gruppe an einer Bushaltestelle vorbei. | dpa

Analyse des RKI Schulen sind eher keine Pandemie-Treiber

Stand: 25.02.2021 16:00 Uhr

Tragen Schulen in besonderem Maße zur Verbreitung des Coronavirus bei? Über diese Frage wird auch in Fachkreisen seit Beginn der Pandemie gestritten. Das Robert Koch-Institut hat nun eine große Datenanalyse veröffentlicht.

Das Robert Koch-Institut (RKI) ist der hoch umstrittenen Frage nach dem Beitrag von Schulen zur Pandemie in Deutschland nachgegangen. Eine Analyse von Meldedaten und Studien lege nahe, dass Schülerinnen und Schüler "eher nicht als 'Motor' eine größere Rolle spielen", aber dass es auch bei ihnen zu Übertragungen komme und Ausbrüche verhindert werden müssten. So schreibt es das RKI in einer neuen Online-Publikation.

Coronavirus-Ausbrüche in Schulen stehen laut der Untersuchung in engem Zusammenhang mit der Inzidenz (Fallzahlen auf 100.000 Einwohner) in der Bevölkerung. Die Ausbrüche seien im Regelfall klein und beschränkten sich auf einzelne Jahrgänge oder Klassen. Größere Ausbrüche - in einem Fall mit 55 Fällen - kämen zwar vor, seien aber "insgesamt ein seltenes Ereignis". Der Hauptfokus der Untersuchung lag auf Daten, die zwischen Anfang August und Mitte Dezember des vergangenen Jahres an das RKI gemeldet wurden.

Lehrer spielen wichtigere Rolle als Schüler

Nach Einschätzung der Forscher spielen Lehrkräfte "eine vielleicht wichtigere Rolle" beim Infektionsgeschehen als Schüler. Es sei anzunehmen, dass sich ihr Kontaktmuster von dem der Schüler unterscheide, etwa durch Begegnungen im Kollegium und mit Eltern. Von den Schülern wiederum seien grundsätzlich alle Altersgruppen in den gemeldeten Coronavirus-Ausbrüchen vertreten.

Die Autoren der RKI-Publikation merken an, dass Schulen bei einer Ausbreitung ansteckenderer Virusvarianten einen größeren Beitrag zum Infektionsgeschehen leisten könnten. Seit Wochen wird in Deutschland ein Anstieg des Anteils der in Großbritannien entdeckten Mutante B.1.1.7 an positiven Corona-Proben beobachtet.

Untersuchung hat methodische Probleme

Die Autoren berücksichtigen in ihrer Analyse vor allem Meldedaten, die auf laborbestätigten Corona-Fällen beruhen. Sie weisen selbst auf eine Reihe von damit verbundenen Einschränkungen hin: Insbesondere Grundschüler wiesen relativ häufig keine Symptome auf oder der Beginn der Erkrankung lasse sich schwer zuordnen. Möglicherweise werde eine "größere Anzahl" asymptomatischer Infizierter nicht erfasst und die Größe von Ausbrüchen unterschätzt. Anhand einer österreichischen Studie könne aber angenommen werden, "dass dieser Fehler vermutlich nicht substanziell groß ist".

Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité hatte sich Anfang Februar im NDR-Podcast "Coronavirus-Update" zum wiederholten Mal zu der Frage geäußert, ob Kinder oder Schulen denn nun Treiber der Pandemie seien. Er forderte, sich "von dieser blöden Idee" zu verabschieden, dass irgendeine Gruppe der spezielle Treiber des Geschehens sei. "Wir leisten alle den gleichen Beitrag zu diesem Problem", sagte Drosten. Der Vergleich zwischen der Pandemie, bei der alle empfänglich seien für das neue Virus, und der Grippewelle hinke. Bei Influenza gelten Kinder tatsächlich als Treiber von Ansteckungen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. Februar 2021 um 10:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 25.02.2021 • 20:30 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation