Corona-Schnelltest an einer Apotheke in Nordrhein-Westfalen | dpa

Corona-Tests in Firmen Spitzengespräch mit Wirtschaft abgesagt

Stand: 05.03.2021 15:17 Uhr

Auch in Unternehmen soll künftig auf Corona getestet und möglicherweise gegen das Virus geimpft werden. Doch Beratungen über das Wann und Wie wurden nun verschoben. Einige Konzerne planen trotzdem schon im Voraus.

Testen, testen, testen - diese Strategie beschwören Bundesregierung und Gesundheitsexperten neben dem Impfen bei der Bewältigung der Corona-Pandemie. Fehlte es über Monaten an solchen Tests und an ihrer Zulassung, so sollen nun genügend vorhanden sein. Vor allem Schnelltests sollen helfen, die Ausbreitung des Virus einzudämmen - auch in der Wirtschaft.

Das Testen in Unternehmen sollte heute Thema einer digitalen Konferenz von Bundesregierung und Wirtschafts- sowie Gewerkschaftsvertretern sein. Doch das Treffen wurde abgesagt. Warum genau, sagte der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, nicht. Er führte noch offene Fragen und weitere nötige Vorbereitungen an. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Industrie geht es dabei vor allem um rechtliche und logistische Fragen, beispielsweise inwiefern Unternehmen die Testergebnisse ans Gesundheitsamt melden sollen und dürfen. Ein neuer Termin für die Beratungen steht noch nicht fest.

Testen als "gesamtgesellschaftlicher Beitrag"

Erst am Mittwoch hatten sich Bund und Länder darauf geeinigt, dass Betriebe für ihre Mitarbeiter einmal pro Woche einen kostenlosen Schnelltest anbieten sollen. Als "gesamtgesellschaftlichen Beitrag", wie es in der Beschlussvorlage formuliert wurde.

Es sei wichtig, dass Beschäftigte in Unternehmen ein Testangebot bekämen, betonte auch Seibert erneut. Und das sei auch "absolut möglich", immerhin setzten einige Betriebe das schon um.

Impfen beim Betriebsarzt?

Ein zweites Thema der nun verschobenen Konferenz sollte auch das Impfen in Unternehmen sein. "Zu gegebener Zeit" könne die Wirtschaft beim Impfen eine wichtige Rolle spielen, so Seibert, etwa durch den Einsatz der Betriebsärzte. Doch die wichtigste Voraussetzung dafür sei, dass auch genügend Impfstoff vorhanden ist. Es dürfe nicht passieren, dass den Risikogruppen der Impfstoff weggenommen werde.

Impfungen über Belegschaft hinaus geplant

Mehrere große Konzerne wie die Allianz, Adidas, die Deutsche Post oder die Deutsche Telekom hatten bereits angekündigt, die eigene Belegschaft impfen zu wollen, um zum schnelleren Abarbeiten des nationalen Impfprogramms beizutragen. Das berichtete die Zeitung "Welt".

Einige Betriebe erwägen dem Bericht zufolge sogar, die Impfungen über die eigene Belegschaft hinaus auszuweiten. "Wir wollen pragmatisch dazu beitragen, so schnell wie möglich Herdenimmunität in Deutschland zu erreichen", sagte der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing. "Wir sind deshalb grundsätzlich bereit, Menschen eine Impfung zu ermöglichen, auch wenn sie nicht für uns arbeiten."

Ähnlich äußerte sich Mathias Döpfner, Chef von Axel Springer: "Unsere Betriebsärzte könnten im Einklang mit der vorgesehenen Impfreihenfolge sowohl unsere Mitarbeiter als auch perspektivisch deren Familienangehörige, soweit sie im selben Hausstand leben, impfen." Und die Allianz habe angekündigt, an ihren Standorten 25 sogenannte Impfstraßen einrichten zu wollen, um schnelles Impfen zu ermöglichen.

Nächste Woche - Schnelltest für jeden

Ab der kommenden Woche wollen Bund und Länder das breite Testen in der Bevölkerung weiter vorantreiben: Jedem Bürger soll ein wöchentlicher, kostenfreier Test angeboten werden.

Genügend Tests gebe es dafür, versicherte am Morgen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Die Lager der Hersteller seien voll. Trotzdem könne es teilweise Anlaufschwierigkeiten geben, räumte Spahn ein. Die Auslieferung der Tests und die Anwendung müssten mancherorts noch organisiert werden. Für das Einrichten der Teststellen etwa in Zentren oder Apotheken sind die Länder zuständig.

Auch fehle teilweise noch das nötige geschulte Personal, das die Tests durchführen könne, hieß es von Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. März 2021 um 15:30 Uhr.