Ein Intensivpfleger arbeitet auf der Intensivstation des Krankenhauses Bethel Berlin an einer an Covid-19 erkrankten Patientin. (Archivbild: 20.04.2021) | dpa

Coronavirus in Deutschland Neue Sorge vor Überlastung der Intensivstationen

Stand: 28.10.2021 08:24 Uhr

Mehr als 28.000 Neuinfektionen binnen eines Tages meldet das RKI. Dazu 126 Todesfälle und einen sprunghaften Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz. Angesichts dieses Infektionsgeschehens schauen Ärzte besorgt auf die Lage in den Kliniken.

Die Ansteckungen mit dem Coronavirus nehmen in Deutschland stark zu. Bundesweit meldeten die Gesundheitsämter dem Robert Koch-Institut binnen eines Tages 28.037 Neuinfektionen mit dem Erreger.

Noch vor einer Woche hatte das Institut innerhalb des gleichen Zeitraums fast 12.000 Neuinfektionen weniger gemeldet. Gestern lag die Zahl bei rund 23.200.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 130,2

Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die neuen Ansteckungen unter 100.000 Einwohnern binnen einer Woche - liegt nun bei 130,2 und ist damit sowohl gegenüber Mittwoch als auch gegenüber dem Wert von vergangenem Donnerstag deutlich angestiegen: Am Mittwoch lag sie bei 118,0, vor einer Woche noch bei 85,6.

Drei Bundesländer verzeichnen mittlerweile sogar wieder eine Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 200: Die meisten Neuinfektionen treten laut RKI in Thüringen mit einer Inzidenz von 259,8 auf. Dahinter folgen Sachsen mit 238,6 und Bayern mit 208,7. Den niedrigsten Wert meldet das Saarland mit 69,6.

126 Todesfälle binnen eines Tages

Auch die Zahl der Todesfälle, die nachweislich mit einer Corona-Infektion zusammenhängen, nimmt wieder zu: In den vergangenen 24 Stunden starben laut RKI bundesweit 126 Menschen, die sich zuvor mit dem Erreger angesteckt hatten. Genau vor einer Woche waren es 67 Todesfälle gewesen.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie infizierten sich in Deutschland mehr als 4,5 Millionen Menschen mit dem Virus. Mehr als 4,2 Millionen Betroffene gelten wieder als genesen. Insgesamt starben bislang 95.485 Menschen, die sich mit dem Erreger infiziert hatten.

Ärzte warnen vor Überlastung der Kliniken

Die Hospitalisierungsrate liegt mittlerweile bei 3,31, wie das RKI weiter mitteilte. Am Vortag betrug der Wert 3,07. Die Zahl gibt an, wie viele von 100.000 Menschen innerhalb einer Woche wegen einer Covid-19-Erkrankung zur Behandlung in ein Krankenhaus eingeliefert werden. Allerdings werden die aufgenommenen Patienten von den Kliniken teils mit Verzug gemeldet.

Doch obwohl die Hospitalisierungsrate niedrig erscheint, warnt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, dass binnen einer Woche deutlich mehr Corona-Patienten in Kliniken eingewiesen worden seien. "Wenn diese Entwicklung anhält, haben wir schon in zwei Wochen wieder 3000 Patienten auf Intensivstation", sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Das könnten die Kliniken zwar leisten, jedoch nicht ohne Einschnitte im Regelbetrieb.

Laut dem Register über die bundesweite Belegung der Intensivbetten, welches die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) führt, werden derzeit in deutschen Krankenhäusern etwa 1800 Corona-Patienten auf Intensivstationen und knapp 4300 weitere auf normalen Klinikstationen behandelt. Zum Vergleich: Im Januar hatten etwa 5700 Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung auf der Intensivstation gelegen.

Im ARD-Morgenmagazin kritisierte DIVI-Chef Uwe Janssens, die nun wieder zunehmenden Probleme auf den Intensivstationen seien auch auf die fehlende Verbesserung der Arbeitsbedingungen zurückzuführen. Ebenso lasse eine bessere Bezahlung des Personals weiterhin auf sich warten.

Doch nicht nur in den Kliniken, auch in der Pflegebranche droht sich die Lage mit den steigenden Corona-Zahlen erneut zuzuspitzen. Der Druck auf die Mitarbeiter nehme wieder zu, kritisierte SPD-Gesundheitspolitikerin Claudia Moll, selbst ausgebildete Altenpflegerin, ebenfalls im ARD-Morgenmagazin. Oft funktioniere die Arbeit nur, indem eine Überlastung der Beschäftigten in Kauf genommen werde, die oft früher kämen und länger blieben, um alle Aufgaben bewältigen zu können.

Montgomery drängt auf höhere Impfrate

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, betonte in der "Augsburger Allgemeinen" abermals, dass eine Impfung das Risiko einer solch schweren Erkrankung deutlich minimiere:

Wir müssen alles in unserer Macht Stehende versuchen, um die Impfraten zu erhöhen. Bei hoher Durchimpfung der Bevölkerung gibt es sehr viel mehr milde Verläufe - die müssen nicht ins Krankenhaus, aber viele Ungeimpfte erkranken nach wie vor schwer.

Laut RKI sind bundesweit mittlerweile mindestens 66,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Etwa 69,2 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten.

Kommt Impfung für jüngere Kinder?

Noch darf in Deutschland erst ab einem Alter von zwölf Jahren geimpft werden. "Wir hoffen darauf, dass in den nächsten Wochen eine europäische Zulassung des BioNTech-Impfstoffs für die Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen kommt, die dann auch in Deutschland übernommen wird", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, Jörg Dötsch, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte zuvor angekündigt, über die Zulassung der Impfungen für diese Altersgruppe noch vor Weihnachten eine Entscheidung fällen zu wollen.

Dötsch betonte, dass die Impfungen für jüngere Kinder damit aus seiner Sicht genügend abgesichert wären. Eine Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission könne auch nachträglich erfolgen. In den USA empfahl der Impfausschuss der Arzneimittelbehörde FDA bereits die Impfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren. In China werden schon Kinder ab drei Jahren geimpft.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Oktober 2021 um 08:00 Uhr.

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Moderation 28.10.2021 • 14:33 Uhr

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