Jens Spahn | HENNING SCHACHT/POOL/EPA-EFE/Shu

Teil-Lockdown wegen Corona Spahn fordert "nationale Kraftanstrengung"

Stand: 02.11.2020 07:41 Uhr

Gesundheitsminister Spahn hat eindringlich dafür geworben, die neuen Regeln im Kampf gegen das Coronavirus umzusetzen. Auch Bayerns Ministerpräsident Söder betonte, das Reduzieren von Kontakten sei das einzige Konzept gegen das Virus.

Seit heute gilt der bundesweite Teil-Lockdown, der die rasante Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland bremsen soll. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rief die Bürger angesichts der Pandemie eindringlich zur deutlichen Reduzierung ihrer Kontakte auf.

Um angemessen mit der "Jahrhundertsituation" der Corona-Pandemie umzugehen, sei eine "nationale Kraftanstrengung im November" nötig, sagte Spahn im ZDF. Damit Kitas und Schulen offen bleiben könnten, müssten die Kontakte anderweitig "umso mehr" verringert werden. Spahn zeigte sich zuversichtlich, dass wie durch die Maßnahmen im Frühling auch durch die Einschränkungen im November die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus deutlich verlangsamt werden könne.

"Ganz ohne staatliche Maßnahmen geht es nicht"

Von Vorteil sei, dass mittlerweile mehr über den Erreger und seine Verbreitung bekannt sei. "Wir können mit jedem Monat besser mit diesem Virus umgehen", sagte Spahn. Die vergangenen Wochen mit den hohen Zahlen der Neuinfektionen in Deutschland hätten aber auch gezeigt, dass es ganz ohne staatliche Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nicht gehe, betonte der Gesundheitsminister. So habe sich die Zahl der Covid-19-Patienten, die mit Mitteln der Intensivmedizin betreut werden, in Deutschland in den vergangenen zwei Wochen verdreifacht.

Kanzleramtsminister Helge Braun zeigte sich zudem skeptisch, dass schon in kurzer Zeit wieder Maßnahmen des nun geltenden Teil-Lockdowns zurückgenommen werden können. "Ich halte es nicht für wahrscheinlich, dass wir in zwei Wochen schon Maßnahmen lockern können", sagte der CDU-Politiker in der ARD-Sendung "Anne Will". Doch gehe er insgesamt fest davon aus, "dass sich das Infektionsgeschehen mit den Maßnahmen, die wir jetzt beschlossen haben, wirklich deutlich bremst". Der Gesamterfolg hänge aber vom Willen jedes Einzelnen ab. Den Geist, der im März geherrscht habe, brauche man auch in diesem Winter wieder.

Söder sieht keine Alternative

Angesichts der Kritik aus Teilen der Wirtschaft verteidigte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder die neuen Maßnahmen. "Die Alternative wäre, es laufen zu lassen", sagte der CSU-Chef bei "Anne Will". Das würde aber einen enormen Anstieg der Infektionen bedeuten. Die Folge seien überfüllte Krankenhäuser und am Ende auch hohe Todeszahlen. "Es gibt auf der ganzen Welt kein anderes Konzept als das Reduzieren von Kontakten, um auf Corona zu reagieren", so Söder. "Wenn es ein besseres, leichteres gäbe, würden wir es ja sofort anwenden." Hinzu komme, dass der jetzige Lockdown milder sei als im Frühjahr und in anderen europäischen Ländern.

Brinkhaus schließt Verlängerung nicht aus

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus schließt nicht aus, dass die neuen Maßnahmen über den November hinaus verlängert werden. Die kommenden vier Wochen nannte er im Bericht aus Berlin entscheidend dafür, die neue Ausbreitungswelle des Virus zu brechen. "Danach müssen wir weitersehen. Garantien kann niemand abgeben", fügte der CDU-Politiker hinzu. 

Ab heute müssen bundesweit Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen weitestgehend schließen. Auch für persönliche Treffen gelten strengere Regeln: In den meisten Bundesländern dürfen nur noch zwei Haushalte zusammenkommen - teils gilt das sogar für Treffen im privaten Raum.

Der Tourismusexperte der FDP-Bundestagsfraktion, Marcel Klinge, kritisierte die Schließung von Gaststätten und Hotels. "Mit der pauschalen Schließung der Gastronomie und dem Verbot von Übernachtungen im Inland wurde der Super-GAU für alle Anbieter von touristischen Leistungen wahr", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Die neuen Corona-Hilfen von Finanzminister Olaf Scholz seien "nichts anderes als Schweigegeld", damit die betroffenen Unternehmen die neuen scharfen Regel mittragen.

Über dieses Thema berichtete das Erste "Bericht aus Berlin" am 01. November 2020 um 18:05 Uhr.

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Moderation 02.11.2020 • 12:20 Uhr

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