Ein Leuchtschild über einer Autobahn zeigt den Hinweistext an: "Rückreise aus Risikogebiet - Quarantäne!" | dpa

Kampf gegen Coronavirus Gesundheitspolitiker für kürzere Quarantäne

Stand: 04.09.2020 11:54 Uhr

Fraktionsübergreifend haben Gesundheitspolitiker für die Verkürzung der Quarantäne von Menschen mit Verdacht auf eine Corona-Infektion plädiert. Dabei geht es auch um die Akzeptanz in der Bevölkerung.

Gesundheitspolitiker aus mehreren Fraktionen haben sich dafür ausgesprochen, die Quarantänezeit bei Corona-Verdachtsfällen zu verkürzen. "Ich halte es für sehr sinnvoll, die Quarantänezeit auf fünf Tage zu begrenzen", sagte der SPD-Abgeordnete Karl Lauterbach der Zeitung "Die Welt". "Wir wissen, dass die allermeisten Menschen fünf Tage nach Beginn der Symptome nicht mehr ansteckend sind, auch wenn der PCR-Test noch ein positives Ergebnis ausweist."

Politiker verwechseln "Quarantäne" und "Isolation"

Einige Politiker bezogen sich dabei auf den Berliner Virologen Christian Drosten - und hatten dessen Aussagen offenbar missverstanden. Zwar hatte sich Drosten für eine Verkürzung ausgesprochen, bezog sich dabei aber auf die Dauer der Isolation und nicht der Quarantäne - ein entscheidender Unterschied.

Unter Quarantäne werden Menschen gestellt, die Kontakt zu Infizierten hatten. Dadurch soll vermieden werden, dass diese während der Inkubationszeit ungewollt andere Personen infizieren. Denn unklar ist in dieser Zeit, ob sie sich selbst infiziert haben. Die Quarantäne dauert derzeit 14 Tage.

Isoliert werden dagegen nachgewiesenermaßen infizierte Menschen, die das Virus ausscheiden. Drosten regt nun an, unter bestimmten Bedingungen die Dauer der Isolation von derzeit zehn auf fünf Tage zu verkürzen. Er regte zudem an, die fünf Tage nicht für Tests zu "verschwenden", sondern erst nach Ablauf dieser Zeit zu testen, ob die Betroffenen infiziert waren und noch infektiös sind.

"Damit entzieht man Corona-Leugnern den Boden"

Die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Christine Aschenberg-Dugnus, sprach sich für eine lediglich fünftägige Quarantäne aus. Damit erhöhe man die Akzeptanz in der Bevölkerung und entziehe "zugleich den Verschwörungstheoretikern und Corona-Leugnern den Boden", sagte sie der "Welt".

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche sagte: "Für die breite Masse der Bevölkerung kann es sinnvoll sein, bei Verdacht auf einen Kontakt mit einer infizierten Person zunächst in eine verkürzte Quarantäne zu gehen und diese mit einem negativen Test abzuschließen."

Bund und Länder wollen über Verkürzung beraten

Der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Detlev Spangenberg, sieht durch Drostens Aussage die Meinung der AfD bestätigt, "dass die bisherigen Maßnahmen überhastet und nicht ausgewogen angesetzt wurden".

Die gesundheitspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Karin Maag, verwies auf eine Prüfung zu dem Thema: Bund und Länder hätten das Bundesgesundheitsministerium und das Robert Koch-Institut damit beauftragt, "die vorhandene Studienlage zur Quarantäne auszuwerten - und dann im Austausch mit den europäischen Partnern einen Bericht vorzulegen".

Auf dieser Basis soll dann entschieden werden, ob die Quarantänezeit tatsächlich verkürzt wird.

Einheitliche Regeln in Europa?

Wenn es nach Gesundheitsminister Jens Spahn geht, sollten die Regeln für die Quarantäne europaweit einheitlich sein. Heute berät er in einer Videokonferenz mit seinen Amtskollegen über das Thema. Auch die Frage nach Tests und die Beschaffung von Impfstoffen sollen besprochen werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. September 2020 um 08:05 Uhr.