Ein Kunde geht in einem Supermarkt einkaufen und trägt dabei einen Mundschutz. Am heutigen Montag werden die ersten Corona-Auflagen schrittweise gelockert, in Sachsen gilt im Einzelhandel jedoch eine Maskenpflicht. | Bildquelle: dpa

Coronavirus in Deutschland Länder überprüfen Maskenpflicht in Geschäften

Stand: 05.07.2020 14:13 Uhr

Die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern rechnet damit, dass sie Anfang August die Maskenpflicht im Handel abschaffen kann. Andere Bundesländer wollen ebenfalls prüfen, ob sie die Regeln kippen - doch es gibt auch Widerspruch.

In der Debatte um weitere Corona-Lockerungen prüfen einige Bundesländer, ob die Maskenpflicht im Einzelhandel abgeschafft werden kann. "Wenn das Infektionsgeschehen so gering bleibt, sehe ich keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten", sagte der Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Harry Glawe, der "Welt am Sonntag" (WamS).

In Mecklenburg-Vorpommern sind die Infektionszahlen mit dem Coronavirus im bundesweiten Vergleich derzeit am niedrigsten.

Er gehe davon aus, dass das Kabinett in Schwerin in seiner Sitzung am 4. August das Ende der Maskenpflicht im Einzelhandel beschließen werde. "Ich kann die Ungeduld des Handels sehr gut nachvollziehen, die Maskenpflicht abzuschaffen", sagte der CDU-Politiker. Die Abstandsregel werde aber grundsätzlich bleiben.

Einheitliche Regelung für Norddeutschland angestrebt

Glawe kündigte auch Gespräche mit seinen Kollegen in Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein an. "Wir versuchen, für alle norddeutschen Bundesländer eine einheitliche Regelung hinzubekommen. Noch lieber wäre mir ein bundesweites Ende der Maskenpflicht im Handel", sagte er.

Sachsen prüft ebenfalls eine Abschaffung. "Wir schauen uns gerade an, ob wir beim Einkaufen auf die Maskenpflicht verzichten können", sagte Sozialministerin Petra Köpping der "WamS".

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sprach sich dafür aus, die Pflicht in eine Empfehlung umzuwandeln. "Die Maskenpflicht signalisiert eine Gefahr, die es angesichts der regelmäßigen Abstände in großen Teilen des Einzelhandels nicht gibt", sagte der CDU-Politiker.

Deutlicher Widerspruch kommt dagegen von Althusmanns Koalitionspartner. SPD-Ministerpräsident Stephan Weil mahnt weiter zur Vorsicht. "Gerade der Herbst wird nach Prognose vieler Wissenschaftler eine Bewährungsprobe für den Infektionsschutz werden", hieß es aus der Staatskanzlei. "Wir dürfen uns deswegen nicht vorschnell in Sicherheit wiegen wegen geringer Infektionszahlen im Sommer. Aus gutem Grund haben Bund und Länder erst vor Kurzen an den bestehenden Regelungen insbesondere auch zur Maskenpflicht festgehalten. Einstweilen werden wir dabei bleiben müssen."

Keine Masken, wo Abstände eingehalten werden können?

Sachsen-Anhalts Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne hält eine Änderung mittelfristig für denkbar. "Wir müssen darüber diskutieren, ob die Maskenpflicht im Handel dort zurückgenommen werden kann, wo es möglich ist, Abstand zu halten", sagte die SPD-Politikerin dem Blatt.

In Schleswig-Holstein will die Landesregierung "die aktuelle Lage Anfang August bewerten und auf das Infektionsgeschehen angepasste Maßnahmen umsetzen", teilte das Gesundheitsministerium in Kiel mit. Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt will das Thema nach eigenen Angaben im Senat diskutieren.

In Deutschland lag die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen in den vergangenen Tagen landesweit jeweils bei rund 500 oder darunter.

Lauterbach warnt vor Ende der Maskenpflicht

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte davor, die Maskenpflicht abzuschaffen. "Die Maskenpflicht im Handel ist eines der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen das Coronavirus", sagte der Bundestagsabgeordnete der "Rheinischen Post". Er bezeichnete es als "völlig falsches Signal", diese Pflicht jetzt aufzuheben.

"Wenn es keine Maskenpflicht im Handel mehr gibt, kontaminieren Infizierte auch die Ware, und Kunden wie Beschäftigte werden durch die Aerosole stark gefährdet", sagte er. Wenn eine Landesregierung die Maskenpflicht abschaffe, "experimentiert sie mit der Gesundheit der Menschen und erhöht das Risiko für eine zweite Infektionswelle in Deutschland", warnte Lauterbach.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juli 2020 um 14:00 Uhr.

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