Spaziergänger an der Hamburger Außenalster | AFP

Coronavirus in Deutschland Lockdown lockern - möglichst einheitlich

Stand: 13.04.2020 10:06 Uhr

Wie sollen die Beschränkungen aufgehoben werden? Für CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer ist wichtig, dass die Bundesländer einheitlich vorgehen. Sie verweist auf die Entwicklung der Zahlen über Ostern. Neue Daten des RKI machen da Hoffnung.

Die Debatte um eine Lockerung der Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Krise hält an. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer fordert dabei bundesweit ein abgestimmtes Vorgehen.

"Es ist wichtig, dass wir möglichst einheitliche Regelungen haben. Alles andere wirft zusätzliche Fragen auf", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Es gebe auch innerhalb der Ministerpräsidentenkonferenz die feste Vereinbarung, "gemeinsam mit der Bundesregierung ein gutes Gesamtpaket auch vorstellen zu können, mit dem man möglicherweise - das hängt von der Entwicklung der Zahlen über Ostern ab - erste Schritte gehen kann".

Baumärkte und Reiseverkehr

Entscheidend für das weitere Vorgehen werde vor allem die Frage sein: "Wirken die Maßnahmen nachhaltig, die wir jetzt ergriffen haben" und seien überhaupt erste Schritte der Lockerung möglich. Sie kritisierte, in einem Bundesland seien Baumärkte geöffnet gewesen, in einem angrenzenden Land aber geschlossen. "Da wundert es nicht, dass es sofort einen regen Reiseverkehr dorthin gibt", sagte sie.

"Gerade deswegen haben die Länder ein eigenes Interesse daran, möglichst koordiniert vorzugehen." Alle Ministerpräsidenten hätten bei der jüngsten Schalte mit Merkel deutlich gemacht, dass sie diese Frage gut miteinander koordinieren wollten.

Wie die CDU-Vorsitzende dringt auch der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans auf ein abgestimmtes Handeln von Bund und Ländern. In den Zeitungen der Funke Mediengruppe forderte der CDU-Politiker einen "Masterplan für den Umgang mit dem Coronavirus in den nächsten Wochen und Monaten". Das Virus werde uns noch das ganze Jahr beschäftigen. "Es geht nicht um Rückkehr zur Normalität, sondern wie eine neue Normalität aussehen wird."

"Wir brauchen eine Hygieneoffensive"

Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, plädierte für eine Politik der kleinen Schritte. "Natürlich kann man Schritt für Schritt zu Lockerungen kommen. Die müssen aber sehr abgewogen sein und man muss tatsächlich auch in der Lage sein, dass man damit deutlich macht: Wir brauchen eine neue Hygieneoffensive", sagte sie in den tagesthemen.

Wichtig seien überschaubare, gut kontrollierbare Einzelmaßnahmen und ein verstärkter Blick auf das Thema Hygiene: Bei Lockerungen der derzeitigen Regelungen müsse man "doppelt darauf schauen", dass Standards eingehalten würden.

Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet stimmte die Bevölkerung seines Bundeslandes in einer Ansprache auf "viele kleine, vorsichtige Schritte" ein. "Je mehr wir alle Geduld, Disziplin und Gemeinsinn aufbringen, desto leichter gelingt die Rückkehr ins Leben", sagte der CDU-Politiker in seiner Rede.

Am Mittwoch will Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise beraten. Dann soll auch entschieden werden, ob die Kontakteinschränkungen gelockert werden können. Merkel hat erklärt, ein wichtiger Anhaltspunkt werde ein Gutachten der Forschergemeinschaft Leopoldina sein.

"Bremsung muss aufrechterhalten werden"

Nach Überzeugung des Kieler Virologen Helmut Fickenscher gibt es für eine Entwarnung bisher keinen Grund. "Würde man die Schutzmaßnahmen aufheben, hätten wir höchstwahrscheinlich in kurzer Zeit volle Krankenhäuser", sagte der Leiter des Instituts für Infektionsmedizin der Universität Kiel der Deutschen Presse-Agentur.

Dann könnten wegen Überlastung nicht einmal mehr simple Unfälle angemessen behandelt werden. "Die Bremsung muss aufrechterhalten werden", sagte Fickenscher, der auch Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) ist. Dass die Zahl der Infektionen nicht mehr so stark steigt, sei schlicht die Folge der strengen Schutzmaßnahmen.

Eine Diskussion über Anpassungen in kleinen Schritten sei jetzt ganz wesentlich, sagte Fickenscher. "Eine Exitdebatte muss ständig geführt werden, damit man die jeweiligen Argumente verstehen kann." Dabei spielten so viele Faktoren eine Rolle, dass man mit jeder Entscheidung auch aufs Glatteis geraten könne. Viele schwere Fehler seien denkbar. "Wenn man jetzt zum Beispiel sofort alle Schulen wieder komplett öffnen würde, hielte ich das für einen großen Fehler", sagte Fickenscher.

Mehr als die Hälfte wieder genesen

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist mehr als die Hälfte der mit dem Coronavirus infizierten Menschen wieder genesen. Nach den am Montag veröffentlichten Zahlen haben sich 123.016 Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt - 2537 mehr als einen Tag zuvor.

Wieder gesund sind demnach 64.300 Menschen, das ist ein Anstieg binnen 24 Stunden von mehr als 4000. Die Zahl der Patienten, die im Zusammenhang mit einer Coronavirus-Infektion gestorben sind, stieg um 126 auf 2799. Nach den RKI-Daten sank die Zahl der Neuinfektionen und die der Todesfälle den dritten Tag in Folge. Allerdings wurden an Wochenenden häufig Fälle mit zeitlicher Verzögerung gemeldet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. April 2020 um 09:55 Uhr.