Die bemalte Fensterfront einer Kita | dpa

Corona in Kitas und Schulen "Kinder sind keine Infektionstreiber"

Stand: 16.10.2020 14:28 Uhr

In Kitas herrscht momentan keine besondere Infektionsgefahr - das zeigt eine Studie, die Familienministerin Giffey vorgestellt hat. Auch Schulen haben sich bislang nicht als Infektionsherde erwiesen.

Bundesweit steigen die Infektionszahlen - zu vorbeugenden Schließungen von Kindertagesstätten wie im Frühjahr sieht Bundesfamilienministerin Franziska Giffey dennoch derzeit keinen Grund. "Kinder sind keine Infektionsherde, Kinder sind keine Infektionstreiber", sagte die SPD-Politikerin.

Gemeinsam mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn stellte Giffey in Berlin den Zwischenbericht einer Untersuchung vor. Laut der "Corona-Kita-Studie" wiesen seit Mitte März relativ konstant rund zehn Prozent der beteiligten Kitas und Tagespflegestellen mindestens einen Verdachtsfall für Corona auf. Höchstens ein Prozent an Einrichtungen hatte mit einem tatsächlichen Infektionsfall zu tun. Weniger als ein Prozent der Einrichtungen berichteten, dass sie seit dem Frühjahr infektionsbedingt schließen mussten.

An das Robert Koch-Institut, das auch an der Studie beteiligt ist, wurden bis Ende September 79 Ausbrüche in Kindergärten und Horten übermittelt. Insgesamt wurden 381 Covid-19-Fälle registriert. Ein Viertel der erkrankten Kinder war jünger als fünf Jahre, mit 64 Prozent waren mehr als die Hälfte Jugendliche über 15 Jahre, die in Schulhorte gehen.

Kita-Betreuung "systemrelevant"

Spahn sagte, die Ergebnisse der Untersuchung bestätigten die bisherigen Erfahrungen: "Es läuft sehr gut in den Kitas." Einschränkungen im Kita- und Schulbetrieb müssten daher "das allerletzte Mittel" sein - auch in Regionen, wo die Infektionszahlen derzeit stark steigen, betonte der Gesundheitsminister.

Auch Giffey betonte, der Regelbetrieb solle aufrechterhalten und flächendeckende Schließungen "möglichst vermieden" werden. Die Kita-Betreuung sei "systemrelevant, nicht nur für die betroffenen Kinder und deren Eltern, sondern auch für die Wirtschaft. Die Kitas hätten sich auch gut an Corona-Regelungen angepasst.

Auch Schulen treiben Pandemie nicht voran

Auch die Schulen erwiesen sich nach einer Umfrage des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) bei den Kultusministerien der Länder bislang nicht als Infektionsherde. Es habe nur relativ wenige Corona-Infektionen und Quarantäne-Maßnahmen gegeben: In diesem Schuljahr hätten bis zum Start der Herbstferien durchschnittlich 98 Prozent aller Schülerinnen und Schüler an Präsenzunterricht teilnehmen können.

"Von außen hereingetragen"

"Wir haben die Beobachtung gemacht, dass es kein verstärktes oder im Vergleich zur übrigen Gesellschaft erhöhtes Infektionsgeschehen an Schulen oder Kitas gibt", sagte die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot dem RND. "Infektionen finden ganz überwiegend außerhalb der Schulen und Kitas statt und werden von außen hereingetragen", so die SPD-Politikerin.

Ähnlich hatte sich vor gut zwei Wochen der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit in den tagesthemen geäußert. "Alles deutet darauf hin, dass Schulen und Kitas nicht die Haupt-Infektionsherde sind", sagte er. "Das sind sehr gute Nachrichten, die uns in den Maßnahmen, die wir getroffen haben, bestärken."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Oktober 2020 um 11:15 Uhr.