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Gesundheitsminister Lauterbach "Es wird ein schwerer Herbst werden"

Stand: 02.07.2022 09:02 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach blickt mit Sorge auf den Herbst. Wegen der Omikron-Subvariante BA.5 rechnet er mit stark steigenden Corona-Fallzahlen, sagte er im tagesthemen-Interview. Die Bedeutung des Sachverständigenrat-Gutachtens relativierte er.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat vor stark steigenden Corona-Infektionsfällen im Herbst gewarnt. "Ich glaube, dass wir mit der BA.5-Variante, die sich jetzt hier ausbreitet, große Schwierigkeiten bekommen werden", sagte Lauterbach im tagesthemen-Interview. Er rechne mit hohen Fallzahlen, die nachgelagert auch zu einer Überlastung der kritischen Infrastruktur führen könnten. "Es wird ein schwerer Herbst werden, wir müssen früh vorbereitet sein", sagte der SPD-Politiker.

Lauterbach kündigte in den tagesthemen an, dass im Herbst zwar mit angepassten Corona-Impfstoffen zu rechnen sei. Womöglich seien diese jedoch erst Ende Oktober verfügbar. "Bis dahin müssen wir wenigstens mit den Impfstoffen, dir wir haben, diejenigen impfen, die älter sind. Die können wir damit zuverlässig vor schwerer Krankheit schützen", sagte der Gesundheitsminister. Zugleich seien weitere Vorbereitungen notwendig. "Wir müssen jetzt wirklich Gas geben."

Beratungen mit Buschmann über weiteres Vorgehen

Nach der Vorlage des Evaluationsberichts des Sachverständigenrates der Bundesregierung zu bisherigen Pandemie-Maßnahmen hatten Lauterbach und Justizminister Marco Buschmann mit den Beratungen über das neue Infektionsschutzgesetz begonnen. Man habe bereits eineinhalb Stunden gesprochen, sagte Lauterbach. "Wir werden sehr schnell zu Regelungen kommen, die die Bürger im Herbst und im Winter besser schützen", so Lauterbach. "Die Leute wollen guten Schutz, sie verdienen guten Schutz. Und den müssen wir auch bieten."

Zugleich wies der Gesundheitsminister darauf hin, dass das vorgelegte Gutachten der Fachleute "ein Puzzlestück in einem größeren Puzzle" sei. Es gelte, weitere Expertenmeinungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen. "Das Gutachten ist keine Bibel, aus der zu zitieren ist", sagte Lauterbach.

"Haben damals nicht die perfekten Daten gehabt"

Die Expertinnen und Experten hatten Corona-Schutzmaßnahmen wie das Maskentragen als wirksam beurteilt, hinter andere Auflagen hingegen Fragezeichen gesetzt. Vor allem auch mangels ausreichender Daten seien keine sicheren Bewertungen möglich, hieß es.

Er blicke nicht zurück, was damals war, sagte Lauterbach. Aber: "Wir haben damals nicht die perfekten Daten gehabt." Im Kabinett habe man nun aber eine verbesserte Datenerfassung vereinbart. So solle künftig etwa festgehalten werden, welche Patientinnen und Patienten wegen einer Covid-Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert werden - und wer mit Covid-Erkrankung.

Zusätzlich sollen für Pflegeeinrichtungen bundesweite Mindeststandards zur Infektionsprävention und Hygiene ermöglicht werden. Lauterbach kündigte zudem Abwassermonitoring an, ein Schließen der Impflücken sowie einen schnelleren Einsatz von Covid-Arzneimitteln. "Das sind alles Dinge, dir wir heute schon im Kabinett beschlossen haben", sagte er.

RKI: Inzidenz liegt bei 696,5

Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Freitagmorgen mit 696,5 an. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI 98.669 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 89.336) innerhalb eines Tages. Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage.

Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem weil bei weitem nicht alle Infizierte einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 01. Juli 2022 um 21:45 Uhr.