Eine Patientin sitzt in einem Wartezimmer einer Zahnarztpraxis | dapd

Hausärzte kritisieren Impf-Verzögerung "Wir könnten schon deutlich weiter sein"

Stand: 11.03.2021 08:33 Uhr

Ab Mitte April soll auch in Arztpraxen geimpft werden - so empfehlen es die Gesundheitsminister der Länder. Dem Hausärzteverband geht das nicht schnell genug. Und es gibt bereits Zweifel, ob der anvisierte Impfbeginn eingehalten werden kann.

Der Deutsche Hausärzteverband hat die Verzögerung beim Start der Corona-Impfungen in den Praxen kritisiert. Jeder Tag zähle, auch weil im Sommer die Impfbereitschaft abflauen könne, sagte Verbandschef Ulrich Weigeldt der Nachrichtenagentur epd. "Warum bis zum April warten? Wir stehen bereit", sagte der Repräsentant von mehr als 30.000 Hausärztinnen und -ärzten.

Dass Bund und Länder die Hausärzte bei ihrer Impfstrategie gegen Corona über Monate nicht auf dem Schirm gehabt hätten, bezeichnete Weigeldt als "ein Versäumnis allererster Ordnung". Jetzt steuere die Politik zwar um, aber noch längst nicht schnell genug, rügte er: "Wir müssen endlich Fahrt aufnehmen beim Impfen."

Auch Zahnärztinnen und Zahnärzte signalisierten erneut ihre Bereitschaft, bei Test- und Impfmaßnahmen zu unterstützen. "Das Angebot gilt weiterhin", sagte der Vorsitzende der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), Wolfgang Eßer, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". Als approbierte Ärzte seien Zahnärzte grundsätzlich dazu befähigt, Impfungen durchzuführen. Gerade im Hinblick auf schnelle und flächendeckende Impfungen sei es wichtig, ausreichend Impf-Ärzte zu haben.

Impfbeginn in Praxen ab Mitte April

Die Gesundheitsministerinnen und -minister von Bund und Ländern hatten sich am Mittwoch auf die Empfehlung geeinigt, mit den Corona-Impfungen in den Hausarztpraxen ab Mitte April zu beginnen. Begründet wurde dies damit, dass noch nicht genügend Impfstoff für einen früheren Start zur Verfügung stehe. Zuvor war ein Impfstart in den Praxen Anfang April anvisiert worden. Eine endgültige Entscheidung ist das allerdings noch nicht - die liegt bei Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Länderchefs. Laut Regierungssprecher Steffen Seibert soll sie "zeitnah" erfolgen.

Der Beschluss ist für die Bundesländer nicht bindend. So kann es sein, dass einzelne Länder zum vereinbarten Zeitpunkt noch nicht routinemäßig in Arztpraxen impfen lassen. Die Voraussetzungen dafür will der Bund aber schaffen: Im April sollen die Anlieferungsstandorte der Länder voraussichtlich kontinuierlich mit 2,25 Millionen Impfdosen pro Woche beliefert werden.

Die seit Beginn der Impfkampagne aufgebauten Impfzentren sollen erhalten bleiben - bis mindestens Ende September will der Bund sie weiter finanzieren. Die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sollen zu Beginn vor allem "immobile Patientinnen und Patienten in der eigenen Häuslichkeit" sowie Personen mit Vorerkrankungen impfen.

Der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, meldete bereits Zweifel am angekündigten Termin für den Impfbeginn in Praxen an. Auf die Impfressourcen könne "wohl erst im Mai in Arztpraxen zurückgegriffen werden", sagte Gassen im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Es fehle an Impfstoff und die Regierung räume den Impfzentren weiterhin Priorität ein.

Impfpriorisierung bleibt umstritten

Der Chef des Hausärzteverbands, Weigeldt, plädierte zudem für einen flexibleren Umgang mit der umstrittenen Impfpriorisierung. Diese sollte eine Leitlinie zur Unterstützung von Ärztinnen und Ärzte sein, "aber ein starres Festhalten an ihr ist einfach nicht möglich", sagte er. In den Praxen kenne man die Patienten: "Wir wissen, wer wie alt ist, welche Erkrankungen hat und haben zumeist auch einen Überblick über die beruflichen Hintergründe. Springt einer ab, rufen wir den nächsten Berechtigten auf der Liste an. So einfach ist das."

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, hatte die Aufweichung der Impfprioritäten am Mittwoch scharf kritisiert. Zu befürchten seien schwere Erkrankungen und sogar Todesfälle, sagte Mertens dem Sender RTL. "Das Problem ist, dass es passieren kann, dass Menschen zurückbleiben, die wirklich ein sehr hohes Risiko für schwere Erkrankungen haben", so Mertens. Das sei das, "was wir eigentlich vermeiden wollen".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. März 2021 um 10:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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weingasi1 11.03.2021 • 14:50 Uhr

Am 11. März 2021 um 12:38 von Klaus.Guggenberger Geisterdiskuss

Es hat sich gezeigt, dass es auch in den IZ teilweise zu Bevorzugung von Personen, die lt. Prio-Liste noch nicht berechtigt waren, kam. ___ Die eingerichteten Impfzentren sind für die in Aussicht stehenden Dosen leistungsfähig genug ____ Das mag rein für das Impfen an sich zutreffen, allerdings ist es für viele Menschen, gerade im ländlichen Bereich in vielen Fällen sehr kompliziert und aufwändig, diese zu erreichen Vor allem für alte und vorerkrankte Menschen. Desweiteren ist das Anmelde- und Terminvergabeprocedere derart umständlich und kompliziert, dass man im Sinne von schneller und komplikatiosloser Verimpfung eine eventuelle Bevorteilung einiger, weniger dafür in Kauf nehmen würde. Nichts, aber auch garnichts ist schlimmer als die jetzige Kaum- bzw. Wenigimpfstrategie. Nicht wieder aller zerreden und überbürokratisieren sondern machen ! Impfen ! Nicht diskutieren ! Impfen !