Menschen warten im Corona-Impfzentrum auf dem Messegelände auf ihre Impfung | dpa

Corona-Pandemie Ist die Herdenimmunität erreichbar?

Stand: 06.07.2021 07:55 Uhr

Um die Pandemie einzudämmen, müssten 85 Prozent der Deutschen geimpft werden. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, hält diese Herdenimmunität für "kurzfristig nicht erreichbar". Immunologen sehen die Lösung in der Impfung von Kindern.

Nach Ansicht des Vorsitzenden des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, ist eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus "kurzfristig nicht erreichbar". Der Anteil der Geimpften und Genesenen müsste nach neuen Rechenmodellen bei rund 85 Prozent liegen, sagte Montgomery den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Das Robert Koch-Institut (RKI) schlüsselt diese Zahlen noch etwas genauer auf. Angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante des Coronavirus sollten mindestens 85 Prozent der 12- bis 59-Jährigen und 90 Prozent der Senioren ab 60 Jahren vollständig geimpft sein.

"Bei rechtzeitigem Erreichen dieser Impfquote scheint eine ausgeprägte vierten Welle im kommenden Herbst/Winter unwahrscheinlich", heißt es in der RKI-Analyse vom Montag.

Was ist Herdenimmunität?

Die Herdenimmunität bezeichnet den indirekten Effekt einer Impfung, der auftritt, wenn ein gewisser Anteil der Bevölkerung geimpft ist und dadurch die Übertragung des Erregers so reduziert wird, dass auch Ungeimpfte ein niedrigeres Risiko haben sich zu infzieren. Dieser Fall tritt dann ein, wenn Impfstoffe nicht nur das Auftreten der vom Erreger verursachten Erkrankung verhindern, sondern auch die Infektion mit dem Erreger bzw. seine Übertragung. Die Herdenimmunität setzt jedoch nicht abrupt ab einem gewissen Schwellenwert ein, sondern steigt mit steigenden Impfquoten in der Intensität.

Montgomery: "Müssen Impfskeptiker überzeugen"

"Die Ergebnisse zeigen, dass unter den getroffenen Annahmen, insbesondere einer zunehmenden Dominanz der Delta-Variante, die Impfkampagne mit hoher Intensität weitergeführt werden sollte", heißt es im RKI-Papier weiter.

Das Institut ist vorsichtig optimistisch, dass die angestrebten Impfziele auch tatsächlich erreicht werden können. So sei in einer aktuellen Befragung von Bürgern eine Impfbereitschaft ermittelt worden, die die "im Modell identifizierten Zielimpfquoten erreichbar erscheinen lassen".

Weltärztebund-Vorsitzender Montgomery formuliert es skeptischer: "Die zehn Prozent, die sich ums Verrecken nicht impfen lassen wollen, werden ihre Immunität erreichen, indem sie eine Erkrankung durchmachen." Das werde dann geschehen, "wenn wir alle Vorsichtsmaßnahmen fallen lassen". Der Schlüssel zum Erfolg gegen das Virus sei eine möglichst hohe Durchimpfung der Bevölkerung, sagte Montgomery. Dafür müssten die Impfskeptiker überzeugt und Anreize gesetzt werden, damit sich mehr Menschen impfen lassen.

Impfung von Kindern wichtig

Das allein wird laut der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGFI) allerdings nicht ausreichen. Das DGFI geht davon aus, dass eine Herdenimmunität gegen das Coronavirus ohne die Impfung von Kindern und Jugendlichen nicht erreichbar ist. Mit der Delta-Variante habe sich die Situation verschärft, so DGFI-Vizepräsident Reinhold Förster. "Sie ist deutlich ansteckender. Sie betrifft sehr stark Jugendliche und Kinder. Solange diese Gruppe gar nicht oder wenig geimpft ist, werden wir keine Herdenimmunität bekommen."

Kein Impfstoff für Kinder unter 12 Jahren zugelassen

Allerdings hat die Ständige Impfkommission (STIKO) vorerst keine generelle Impfempfehlung für Kinder ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas. Unabhängig davon sind Impfungen aber als individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärztinnen und Ärzten möglich. Für Kinder unter 12 Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff.

Offiziellen Angaben zufolge haben zuletzt 56,5 Prozent der Menschen in Deutschland eine erste Impfdosis erhalten, 38,9 Prozent sind vollständig geimpft.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 06. Juli 2021 um 05:38 Uhr.

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KOMMENTARE

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Altaria 06.07.2021 • 09:56 Uhr

Kann man

bitte aufhören diesen Unsinn zu diskutieren. Kinder haben kein Risiko also gibt es keinen Grund zu impfen. Alle Impfstoffe zur Zeit gegen Corona sind wesentlich schlechter in der Veträglichkeit als die Impfstoffe welche bei den verschiedenen Us den Kindern gespritzt werden. Ich werde sicher nicht meine Kinder mit einem so neuen und unverträglichen Impfstoff impfen. Als wenn Impfung die einzige Lösung wäre. Ich hoffe nur die Inder sagen sich von der gekauften WHO los. Das ist der größte Scam seit langem... https://www.newindianexpress.com/opinions/2021/jun/30/how-to-prevent-a-t... https://covid19criticalcare.com/wp-content/uploads/2021/05/The-Drug-that...