Ein Schild weist auf kostenlose Corona-Tests am Flughafen München hin.  | Bildquelle: dpa

Corona-Pandemie Große Nachfrage nach "Rückkehrer-Tests"

Stand: 02.08.2020 18:53 Uhr

Wer aus dem Urlaub zurückkehrt, kann sich seit diesem Wochenende kostenlos testen lassen. Nach Angaben mehrerer Teststationen wird das Angebot vielerorts angenommen. Das RKI zeigte sich trotz weniger Neuinfektionen beunruhigt.

Wer aus dem Urlaub im Ausland zurückkehrt, kann sich seit seit diesem Wochenende auf das Coronavirus testen lassen. Nach Angaben mehrerer Testzentren sind viele Reisende offen für das Angebot.

An bayerischen Stationen haben sich bislang insgesamt rund 18.000 Urlauber testen lassen, wie Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml mitteilte. Davon wurden 9261 Tests zwischen Donnerstag und Samstag an Autobahnraststätten durchgeführt, weitere 587 Tests meldeten die Hauptbahnhöfe in München und Nürnberg. Das Testzentrum am Münchner Flughafen verzeichnete seit seiner Eröffnung 7503 Tests. Weitere Tests wurden an den Airports in Nürnberg (656) und Memmingen (140) registriert.

Mehr Tests an Flughäfen

Am Flughafen Hannover sei die Zahl der Nutzer alleine am Samstag bereits um etwa 30 Prozent im Vergleich zu den Vortagen gestiegen, teilten die Betreiber mit. Aufgrund der aktualisierten Corona-Verordnung häufe sich die Nachfrage nach Tests auch von Menschen, die gar nicht mit dem Flugzeug gereist seien.

Auf dem Frankfurter Flughafen liegt die Zahl der täglichen Testungen nach Angaben der Betreiber inzwischen bei knapp 2000: "Wir verzeichnen kontinuierlich steigende Zahlen." Das kommerzielle Testzentrum an Deutschlands größtem Airport wurde bereits Ende Juni eröffnet, ein Zentrum für kostenlose Tests ist noch im Aufbau.

Auch an den Flughäfen Sachsens seien die Test-Angebote angenommen worden, hieß es aus dem Sozialministerium in Dresden.

RKI trotz weniger Neuinfektionen beunruhigt

Mit den Tests soll verhindert werden, dass sich das Coronavirus durch Reisende weiter ausbreitet. Die Zahl der registrierten Corona-Neuinfektionen ging am Sonntag zwar stark zurück - doch aus Sicht des Robert Koch-Instituts (RKI) ist dies kein Grund für Entwarnung.

Die Gesundheitsämter meldeten nach RKI-Angaben 240 neue Infektionen innerhalb eines Tages. Allerdings übermitteln an den Wochenenden nicht alle Gesundheitsämter ihre Daten. Am Samstag hatte die übermittelte Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden bei 955 gelegen. "Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden", mahnte das RKI.

Kosten werden übernommen

Die Kosten für die "Rückkehrer-Tests" werden übernommen - auch wenn die Reisenden keine Symptome zeigen. Bedingung ist aber, dass sie sich innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland untersuchen lassen.

Die Tests sollen etwa an Flughäfen, Bahnhöfen und anderen Reiseknotenpunkten, in Gesundheitsämtern oder Arztpraxen möglich sein. Teststellen soll man zudem unter der ärztlichen Servicenummer 116 117 erfragen können. Übernommen werden auch die Kosten für einen Wiederholungstest pro Person. Dass man ein Reiserückkehrer ist, kann man zum Beispiel durch einen Boarding-Pass, ein Ticket, eine Hotelrechnung oder andere Nachweise eines Auslandsaufenthalts belegen.

Kassen übernehmen vorerst die Kosten

Je nach Auslastung der Testzentren sollte das Ergebnis nach etwa 24 bis 48 Stunden vorliegen. Bezahlt werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenversicherungen - das Gesundheitsministerium hat aber bereits signalisiert, dass der Bund die Finanzierung am Ende über einen schon beschlossenen höheren Milliardenzuschuss an die Kassen übernimmt. Pro Test setzt die Verordnung vorerst 50,50 Euro für Laborleistungen an, für Ärzte ist eine pauschale Vergütung von 15 Euro vorgesehen.

An der Finanzierung auf Steuerzahlerkosten gibt es Kritik. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn argumentiert dagegen, dass niemand aus finanziellen Gründen darauf verzichten sollte. Unentdeckte Infektionen könnten teurer werden. Der Deutsche Hausärzteverband warnte vor erheblichem Aufwand bei der Umsetzung, wenn nun viele Reiserückkehrer mit einer 72-Stunden-Frist für Tests in die Praxen kommen.

Strengere Regeln für Reisende aus Risikogebieten

Strengere Regeln gelten schon für jene Reiserückkehrer, die in Risikogebieten mit hohen Infektionszahlen waren. Welche Länder das sind, steht auf einer Liste des Robert Koch-Instituts (RKI), auf die am Freitag auch die drei spanischen Regionen Aragón, Katalonien und Navarra kamen. Aus der EU steht zudem Luxemburg darauf.

Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss sich direkt für 14 Tage in häusliche Quarantäne begeben und beim Gesundheitsamt melden. Möglich ist auch, ein negatives Testergebnis vorzulegen, das höchstens 48 Stunden alt ist.

Testpflicht tritt kommende Woche in Kraft

Bald soll für Rückkehrer aus Risikogebieten auch eine Testpflicht greifen - eine von Spahn angekündigte Anordnung soll im Lauf der kommenden Woche in Kraft treten. Dann soll gelten: Wer aus einem Risikogebiet kommt, muss sich entweder innerhalb von 48 Stunden vor der Einreise testen lassen oder binnen 72 Stunden nach der Einreise.

Bis ein negatives Ergebnis da ist, muss man in Deutschland in häusliche Quarantäne. Nachgewiesen werden muss das Ergebnis binnen 72 Stunden beim Gesundheitsamt mit einer Testbescheinigung in deutscher oder englischer Sprache.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. August 2020 um 17:00 Uhr.

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