Überklebtes Maskenpflicht-Schild in München | dpa

Stetig sinkende Corona-Fallzahlen Kommt jetzt das Ende der Maskenpflicht?

Stand: 14.06.2021 12:49 Uhr

Die Corona-Lage entspannt sich zusehends - umso lauter wird die Debatte über weitere Lockerungen. Im Fokus ist besonders die Maskenpflicht. Gesundheitsminister Spahn und SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach plädieren für ein schrittweises Ende.

549 Corona-Neuinfektionen binnen 24 Stunden, die Inzidenz sinkt stetig und die Impfquote steigt: Deutschland hat die dritte Welle hinter sich gelassen, und mit den sinkenden Fallzahlen steigt das Verlangen nach einem Ende der Beschränkungen. Auch der Sinn des Mund-Nasen-Schutzes wird zunehmend hinterfragt.

So hatte Bundesjustizministerin Christine Lambrecht die Länder am Wochenende dazu aufgerufen, die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Maskenpflicht zu klären. Besonders für Schüler, die Masken stundenlang im Unterricht tragen müssen, sei dies eine Belastung, hatte sie der "Bild am Sonntag" gesagt. Von FDP und AfD kamen Forderungen nach einer kompletten Aufhebung. FDP-Vize Wolfgang Kubicki sieht die juristischen Voraussetzungen für nicht mehr gegeben. Wer an der Maskenpflicht festhalten möchte, müsse dafür die gesetzliche Grundlage schaffen, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt halten Lockerungen draußen für möglich, nicht aber in Innenräumen. "Ich kann mir gut vorstellen, dass wir die Maskenpflicht da, wo sie überhaupt noch besteht draußen, entfallen lassen", sagte Dobrindt im ZDF. Für Innenräume rate er zur Vorsicht.

Lauterbach für Lockerungen im Außenbereich

Lauterbach sagte im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF, im Außenbereich - etwa in Fußgängerzonen - wo Abstände eingehalten werden können, könne auf Masken verzichtet werden. Anders sei die Lage in Innenräumen - hier sei eine Maskenpflicht nach wie vor sinnvoll. Erst wenn 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung vollständig geimpft seien, könne auf Masken in Innenräumen verzichtet werden. Ausnahmen müsse es weiter geben - etwa bei Großveranstaltungen im Innenbereich.

Der SPD-Politiker sprach sich im Gegensatz zu seiner Parteikollegin Lambrecht dagegen aus, die Maskenpflicht auch an den Schulen fallen zu lassen. Zum jetzigen Zeitpunkt und mit Blick auf die im Durchschnitt noch zweistellige Inzidenz würde er die Maskenpflicht kurz vor dem Beginn der Sommerferien beibehalten.

In diesem Punkt hat Lauterbach den Lehrerverband auf seiner Seite. Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger sagte der dpa, er rate insbesondere während des Unterrichts zu "größtmöglicher Vorsicht". Maskenpflicht und auch regelmäßige Tests sollten im auslaufenden Schuljahr bleiben. Es gebe aber noch immer erhöhte Infektionszahlen in der Gruppe der Kinder und Jugendlichen, die bisher kaum geimpft seien. "Auch rund 50 Prozent aller Lehrkräfte verfügen noch nicht über einen vollständigen Impfschutz."

Spahn für stufenweise Lockerung der Maskenpflicht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn brachte eine stufenweise Aufhebung der generellen Maskenpflicht ins Gespräch. Den Zeitungen der Funke Mediengruppe sagte er, in einem ersten Schritt könne die Maskenpflicht draußen grundsätzlich entfallen. In Regionen mit sehr niedriger Inzidenz und einer hohen Impfquote könne die Pflicht nach und nach auch drinnen entfallen. "Als Empfehlung bleibt in jedem Fall eine einfache Regel: im Zweifel mit Maske - besonders beim Reisen und bei Treffen in Innenräumen", betonte der CDU-Politiker.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil zeigte sich ebenfalls offen für Lockerungen im Freien, mahnte aber auch zur Vorsicht. "Wir sollten nicht den Eindruck vermitteln, die Pandemie sei vorbei", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Das Virus sei weiterhin auch in Deutschland präsent. In geschlossenen Räumen und vor allem im öffentlichen Personen-Nahverkehr dürfe die Aufhebung der Maskenpflicht als letztes in Betracht kommen.

Ähnlich äußerte sich auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Die Maskenpflicht habe sehr gute Dienste geleistet, so der CSU-Chef. Gerade in Innenbereichen müsse man vorsichtig bleiben. Dazu gehörten auch Schulen. In Außenbereichen sei dagegen viel mehr möglich. Vorsicht sei aber trotz zuletzt deutlich gefallener Infektionszahlen weiter angebracht, betonte Söder.

549 neue Fälle - weniger als 1000 Neuinfektionen

Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Zahl der Neuinfektionen bis zum frühen Morgen mit 549 an. Erstmals seit mehr als acht Monaten meldeten die Gesundheitsämter somit weniger als 1000 Neuinfektionen binnen eines Tages an das RKI. Nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen sind möglich - an Wochenenden wird weniger getestet und übermittelt. Zuletzt war die Zahl der Neuinfektionen pro Tag am 21. September mit 922 dreistellig. Vor einer Woche hatte der Wert bei 1117 Ansteckungen gelegen.

Sieben-Tage-Inzidenz bei 16,6

Die Sieben-Tage-Inzidenz - also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche - gab das RKI mit bundesweit 16,6 an (Vortag: 17,3). Vor einer Woche lag sie bei 24,3. Der Wert ist ein wesentlicher Maßstab für die Verschärfung oder Lockerung von Corona-Auflagen.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.715.518 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte aber deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden zehn neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 22 Tote.

Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.580.600 an. Die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 89.844 angegeben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juni 2021 um 09:00 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
BILD.DirEinDuHättestEineMeinung 14.06.2021 • 14:29 Uhr

...ttestEineMeinung @14. Juni 2021 um 12:57 von 0_Panik

Glauben sie eigentlich selbst, was sie da verzapfen? Natürlich kann eine Maskenpflicht auch für Geimpfte bestehen. Nicht nur, weil die trotzdem ansteckend sein könnten, sondern vor allem weil die ständige Kontrolle der Impfausweise etc. einen viel stärkeren Eingriff ein mehrere Grundrechte darstellt. Sie können sich ja gerne in die Strassenbahn stellen und sich von jedem, der ohne Maske einsteigt, die entprechenden Papiere zeigen lassen... Wir anderen machen derweil schon mal mit sinnvollen Ansätzen weiter...