Karl Lauterbach | REUTERS

Corona-Pandemie Lauterbach rechnet mit Winterwelle

Stand: 24.11.2022 13:03 Uhr

Für eine Entwarnung in der Pandemie ist es nach Ansicht von Gesundheitsminister Lauterbach noch zu früh. Die Lockerungen mancher Bundesländer kritisierte er scharf. Der Virologe Drosten sieht Anzeichen für ein baldiges Ende der Pandemie. 

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet mit steigenden Corona-Infektionszahlen im Winter. "Ich glaube, dass wir noch einmal eine Winterwelle bekommen werden", sagte der SPD-Politiker im Bayerischen Rundfunk. Er verstehe daher die Eile der Bundesländer bei den Lockerungen nicht. "Jetzt gibt es hier einen Überbietungswettbewerb: Welches Land kann zuerst lockern? Das ist ein Stück weit populistisch." Zudem gefährde es diejenigen, die sich selbst nicht gut schützen könnten, sagte Lauterbach. Er verwies auf rund 1000 Menschen, die pro Woche mit dem Coronavirus sterben und eine unerwartet hohe Übersterblichkeit im Oktober.

Die Überlegung Bayerns und Schleswig-Holsteins, in wenigen Wochen die Maskenpflicht im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) abzuschaffen, kritisierte der Minister. Einer solchen "leichtsinnigen" Entscheidung werde man sich nicht anschließen. Mehrere Bundesländer haben zudem Isolationspflichten für Corona-Infizierte aufgehoben.

Bremen für Ende der Maskenpflicht im ÖPNV ab März

Für ein koordiniertes Ende der Maskenpflicht im ÖPNV tritt jetzt auch die Vorsitzende der Verkehrsminister, Bremens Senatorin Maike Schaefer (Grüne) ein. Sie sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Mein Ziel ist es, dass sich die Bundesländer hier auf ein einheitliches Vorgehen einigen." Für die kommende Sonderkonferenz der Ressortchefs habe Bremen daher den Antrag eingereicht, die Maskenpflicht im ÖPNV bundesweit zur Einführung des vorgesehenen "Deutschlandtickets" Anfang März abzuschaffen. Unter dem Vorbehalt, dass es die Pandemielage zulasse, so Schaefer.

Über die Maskenpflicht in Bussen und Bahnen des Nahverkehrs können die Länder selbst entscheiden. Für Fernzüge und Fernbusse ist hingegen laut Infektionsschutzgesetz bis zum 7. April 2023 eine FFP2-Maskenpflicht festgeschrieben.

Drosten: "Die Lage für das Virus wird prekär"

Zur weiteren Entwicklung der Corona-Pandemie zeigte sich der Virologe Christian Drosten in einigen Punkten optimistisch. Mit Blick auf die Dynamik der Infektionswellen in diesem Jahr, sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit": "Sie ist das Zeichen für das kommende Ende der Pandemie." Inzwischen reichen laut Drosten schon "kleine Einflussfaktoren wie eine Wetteränderung", um eine Welle anzuschieben oder brechen zu lassen. Eine Art Spätsommer Mitte Oktober habe die Zahlen sofort zum Sinken gebracht.

"Die Lage für das Virus wird prekär. Das ist gut. Es ist nicht mehr so, dass das Virus mit ein paar Mutationen das Spiel komplett drehen könnte" sagte Drosten der Zeitung. Kurzfristig rechne er auch nicht mit einer wirklich bösen Überraschung in Form einer gefährlicheren Variante von Sars-CoV-2. "Das Virus kann an vielen Stellen in seiner Evolution nicht mehr ohne Weiteres zurück." Es sei ein wenig festgefahren und optimiere gegenwärtig nur nach.

Der Verlauf des Winters hängt für den Virologen auch davon ab, welche Corona-Variante sich als nächstes durchsetzt: "Gerade nehmen gleich zwei Omikron-Varianten Anlauf: BF.7 und BQ.1.1." Sollte der Omikron-Abkömmling BQ.1.1 dominant werden, "könnte der Winter noch einmal schwierig werden", sagte Drosten. Er sehe aber auch die Möglichkeit einer sanften Winterwelle.

Inzidenz liegt bei 186,9

Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz mit 186,9 an. Am Vortag hatte der Wert der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 177,9 gelegen (Vorwoche: 199,2; Vormonat: 584). Allerdings liefern diese Angaben nur ein sehr unvollständiges Bild der Infektionszahlen. Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus - vor allem, weil bei weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen und Übermittlungsprobleme zur Verzerrung einzelner Tageswerte führen.

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI zuletzt 38.090 Corona-Neuinfektionen (Vorwoche: 33.306) und 163 Todesfälle (Vorwoche: 162) innerhalb eines Tages. Vergleiche der Daten sind auch hier wegen des Testverhaltens, Nachmeldungen und Übermittlungsproblemen nur eingeschränkt möglich. Generell schwankt die Zahl der registrierten Neuinfektionen und Todesfälle deutlich von Wochentag zu Wochentag, da insbesondere am Wochenende viele Bundesländer nicht ans RKI übermitteln und ihre Fälle im Wochenverlauf nachmelden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Oktober 2022 um 19:10 Uhr.