Karl Lauterbach | AFP

Gesundheitsminister Lauterbach "Lockerungen würden die Welle verlängern"

Stand: 08.02.2022 11:26 Uhr

Gesundheitsminister Lauterbach hält Lockerungen angesichts steigender Infektionszahlen für verfrüht. Vor Ostern könne es jedoch deutliche Öffnungen geben. Den Kurs von Bayerns Ministerpräsidenten Söder kritisierte er scharf.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat in der Debatte über Lockerungen in der Corona-Pandemie erneut vor einer schnellen Aufhebung von Maßnahmen gewarnt. Die Lage sei noch nicht wirklich unter Kontrolle, sagte der SPD-Politiker auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit RKI-Präsident Lothar Wieler. Eine "funktionierende, erfolgreiche Strategie" ohne Not zu gefährden, könne nicht das Ziel sein, so Lauterbach.

Lockerungen der Corona-Einschränkungen würden die Welle nur verlängern. Der Gesundheitsminister wies auf steigende Fallzahlen hin, auf viele ungeimpfte Ältere und eine in Europa vergleichsweise "sehr alte Bevölkerung" in Deutschland. "Wir können breite Lockerungen, wie sie derzeit diskutiert werden zum jetzigen Zeitpunkt nicht vertreten." Es könne zwar deutlich vor Ostern Öffnungen geben, aber noch seien sie verfrüht.

Zu den PCR-Tests sagte Lauterbach, dass die Kontingente doch ausreichen, um bestätigende PCR-Tests für alle anzubieten, die einen positiven Antigen-Test vorlegen können.

Deutliche Kritik an Bayerns Ministerpräsident Söder

Lauterbach kritisierte zudem die Entscheidung Bayerns zur Aussetzung der Impfpflicht für die Pflegebranche scharf. Ministerpräsident Markus Söder habe mit der Aussetzung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht ein "gefährliches Signal" gesetzt. Söder vermittle den Eindruck, "der Protest gegen die einrichtungsbezogene Impfpflicht auf der Straße ist wichtiger als der Schutz der Menschen, die hilflos auf eine gute Versorgung warten", sagte Lauterbach.

Zudem sei es "schwer zu vermitteln", wenn ein Ministerpräsident einfach sage, dass geltende Gesetze in seinem Land nicht umgesetzt würden. Er hoffe darauf, dass der Bund mit den Ländern doch noch eine Lösung für die Umsetzung der Impfpflicht finde.

Dass medizinisches Personal eine Corona-Impfung ablehne, kritisierte Lauterbach als nicht vertretbar. "Es kann nicht angehen, dass die Mitarbeiter in diesen Einrichtungen sagen: Wir akzeptieren den westlichen Wissensstand nicht, ich glaube nicht an die Impfung." Dies sei "für medizinisches Personal keine wirklich vertretbare Position", sagte Lauterbach.

"Wir stehen vor einem Wendepunkt"

"Tatsächlich stehen wir vor einem Wendepunkt", sagte RKI-Chef Wieler. "Ich bin optimistisch, dass wir die Omikron-Welle bald überstanden haben, auch wenn der Höhepunkt der Welle noch nicht erreicht ist", sagte Wieler. "Wir sind bislang vergleichsweise gut durch diesen Sturm gesteuert." Im Vergleich zur Vorgängervariante Delta erkranke bei Omikron ein geringerer Anteil von Infizierten schwer. Es gebe zwar einen Anstieg bei den Krankenhausaufnahmen, dieser sei aber vergleichsweise gering.

Für Entwarnung ist es laut RKI-Chef aber zu früh: Bisher infizierten sich vor allem Jüngere, bei den Älteren stiegen die Inzidenzen erst allmählich. Sorge bereite weiterhin die hohe Zahl an Ungeimpften bei Menschen über 60 Jahren. Wieler rief zum Verlangsamen der Ansteckungen auf, um gefährdete Gruppen und die kritische Infrastruktur zu schützen. "In wenigen Wochen haben wir die Omikron-Welle überstanden. Bleiben wir ruhig und achtsam und aufmerksam. Und dann können wir uns entspannt auf Ostern freuen", sagte er.

Wieler, der wegen der Änderung des Genesenenstatus in der Kritik steht, bekam von Lauterbach demonstrativ den Rücken gestärkt. "Herr Wieler hat mein volles Vertrauen", sagte der SPD-Politiker.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. Februar 2022 um 11:00 Uhr.