Passanten gehen vor einem Corona-Testzentrum entlang. | dpa

Steigende Corona-Zahlen Zurück zu kostenlosen Tests?

Stand: 07.11.2021 06:54 Uhr

Die Abschaffung kostenloser Corona-Tests im Oktober war als Impfanreiz gedacht. Experten bezweifeln inzwischen aber die Wirksamkeit der Maßnahme und fordern ihre Rücknahme. Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt laut RKI auf 191,5.

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen mehren sich Stimmen, die eine Wiedereinführung kostenloser Testangebote fordern. Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Das Auslaufen der Kostenübernahme für Corona-Bürgertests hat augenscheinlich nicht dazu geführt, Impfunwillige zu einer Impfung zu motivieren." Bund und Länder sollten den Mut aufbringen, diese Fehlentscheidung schnell und konsequent zu korrigieren.

Gerade in der kalten Jahreszeit mit vielen Freizeitaktivitäten in Innenräumen brauche man wieder niedrigschwellige, kostenlose Testangebote, um die Weiterverbreitung des Virus zu bremsen. "Die Neuregelung muss jetzt schnell kommen, möglichst noch mit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes Mitte November", forderte Reinhardt. Am Samstag hatte Reinhardt außerdem für eine deutliche Ausweitung der 2G-Regel plädiert.

Kostenlose Tests - aber für wen?

Auch Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt forderte, schnell wieder kostenfreie Bürgertests zur Verfügung zu stellen. Gegenüber der Funke Mediengruppe nannte sie die Corona-Situation dramatisch und rief zum Handeln auf. Neben kostenlosen Tests sprach sie sich für eine Impfung als Zugangsvoraussetzung zu Pflegeheimen, mehr Schutz am Arbeitsplatz und strengere Regeln auch in der Freizeit aus: "Wir brauchen in den Ländern klare, verbindliche Regelungen für 2G im öffentlichen Leben", sagte sie.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst plädierte ebenfalls für kostenlose Corona-Tests - allerdings nur für Geimpfte und Genesene. "Die hohen Infektionszahlen unter Ungeimpften führen zu immer mehr Durchbrüchen auch bei den Geimpften", sagte der CDU-Politiker der "Bild am Sonntag". Kostenlose Schnelltests für Geimpfte und Genesene würden es auch für Menschen mit wenig Geld leichter machen, sich und andere zu schützen, ohne den Anreiz zum Impfen auszusetzen.

Für kostenlose Testangebote für alle Menschen hatten sich zuletzt unter anderem auch Grünen-Chef Robert Habeck, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der Deutsche Städtetag und der Handelsverband ausgesprochen.

Seit dem 11. Oktober sind Corona-Schnelltests in Deutschland nur noch in Ausnahmefällen kostenlos. Der Bund hat die Finanzierung eingestellt, viele Teststationen sind inzwischen geschlossen. Begründet wurde die Entscheidung damit, dass nun jeder die Möglichkeit habe, sich durch eine Impfung zu schützen. Gratis-Schnelltests gibt es seither nur noch für Menschen, die sich nicht impfen lassen können, darunter Kinder unter 12 Jahren, sowie übergangsweise für 12- bis 17-Jährige und Schwangere.

Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 191,5

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz ist indes erneut deutlich angestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tage-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche, am Morgen mit 191,5 an. Am Vortag hatte die Inzidenz bei 183,7 gelegen, vor einer Woche bei 149,4 (Vormonat: 62,6).

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 23.543 Corona-Neuinfektionen. Am Freitag hatte die Zahl der Neuinfektionen mit 37.120 einen Rekordwert seit Beginn der Pandemie erreicht. Vor einer Woche hatte der Wert bei 16.887 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 37 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 33 Todesfälle. Damit stieg die Zahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, auf 96.525. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.767.033 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden.

Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI zuletzt am Freitag mit 3,91 an (Donnerstag: 3,73). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. November 2021 um 10:00 Uhr.