Pressekonferenz von Markus Söder | Bildquelle: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/Shutt

Corona-Tests für alle Bayerns Weg - bislang ein Alleingang

Stand: 30.06.2020 15:14 Uhr

Bayern hat beschlossen, worüber anderswo noch diskutiert wird: den flächendeckenden Corona-Test für alle. Ministerpräsident Söder verteidigte seine Strategie erneut - und bekommt aus einem Bundesland Unterstützung.

Ungeachtet vieler kritischer Stimmen hat die bayerische Staatsregierung Corona-Tests für die gesamte Bevölkerung ab Juli beschlossen. Das Testkonzept laute "schneller, kostenlos und für jedermann", sagte Ministerpräsident Markus Söder nach einer Kabinettssitzung. Er kündigte an, dazu die Kapazitäten von aktuell 20.000 auf 30.000 Tests pro Tag zu erhöhen. Der Freistaat übernimmt die Kosten in all den Fällen, in denen nicht ohnehin Krankenkassen in der Pflicht sind. Man stelle dafür aufs Jahr gerechnet 200 Millionen Euro bereit, sagte Söder.

Kritik an der bayerischen Strategie wies der CSU-Politiker erneut zurück. Angesichts einer erwarteten zweiten Welle der Pandemie seien die Massentests ein entscheidendes Instrument zum Messen der Wasserstände. Die Kosten könnten kein Argument sein. Man dürfe nicht auf Kosten der Sicherheit der Bürger sparen. "Testen ist auch Vorbeugung", betonte er und fügte hinzu: "Der letzte, der Testen grundsätzlich hinterfragt hat, war Präsident Donald Trump."

Berlin versteht Bayern

Sympathien für die Entscheidung in München zeigte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. "Ich glaube, wir werden auch sehr bald diesen bayerischen Weg einschlagen", sagte er am Montagabend im Fernsehsender ntv. Wenn ein Bundesland so anfange und viele andere "schon eine Teststrategie haben, dann wird das eine Welle", sagte der SPD-Politiker weiter.

Dann würden die Tests auch günstiger, sagte Müller. Bald werde es für "viele Menschen ganz unproblematisch sein, sich testen lassen zu können". Berlin mache die Tests bislang schrittweise. Er gehe aber davon aus, dass sich bald alle Menschen testen lassen können.

"Wir machen, was wir für richtig halten"

Dagegen wird Nordrhein-Westfalen zunächst keine flächendeckenden Corona-Tests nach bayerischem Vorbild einführen. Ministerpräsident Armin Laschet sagte: "Ich will das nicht bewerten, was die bayerischen Kollegen machen. Wir machen, was wir für Nordrhein-Westfalen richtig halten. Mir ist vor allem wichtig, dass wir es da, wo es brennt, verpflichtend machen." Laschet nannte als Beispiel die Fleischindustrie, wo ab dem 1. Juli Beschäftigte in NRW mindestens zwei Mal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden müssen.

Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow gibt sich skeptisch gegenüber dem bayerischen Vorstoß. "Ein einfacher einzelner Test alleine nützt gar nichts", sagte er dem MDR. Dies schaffe "tatsächlich auch falsche Sicherheitsgefühle".

Das sieht man in Baden-Württemberg ähnlich. Die Landesregierung distanzierte sich von Tests für alle Bürger. "Eine prophylaktische flächendeckende Testung ist nicht automatisch erfolgversprechend", erklärte Gesundheitsminister Manne Lucha. Allerdings beschloss Baden-Württemberg eine erweiterte Teststrategie, die eine regelmäßige Testung von Beschäftigten in Krankenhäusern und der Pflege vorsieht. Die Tests sollen aber gezielt vorgenommen werden.

Bayern hatte am Wochenende angekündigt, dass sich zeitnah jeder Bürger auch ohne Symptome auf das Coronavirus testen lassen kann. Kritik an dem Vorstoß kam auch von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, der ein systematisches Vorgehen anmahnte.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. Juni 2020 um 14:41 Uhr.

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