Corona-Test an der Autobahn | dpa

Verzögerte Testergebnisse Söder sagt Reise wegen Corona-Panne ab

Stand: 12.08.2020 21:48 Uhr

Aufgrund verzögerter Testergebnisse in Bayern wissen Hunderte Reiserückkehrer noch nichts von ihrer Infektion. Die Kritik an den bayerischen Behörden ist groß, Ministerpräsident Söder sagte eine geplante Reise ab.

Wegen der Panne bei den Ergebnissen von Corona-Tests hat der bayerische Ministerpräsident Markus Söder eine Reise an die Nordsee abgesagt. "Bayern geht vor", schrieb Söder auf Twitter, er müsse seinen geplanten Besuch an der Nordsee leider absagen.

Zuvor hatte die bayerische Staatsregierung erklärt, dass die Verzögerungen bei der Übermittlung von Corona-Testergebnissen in Bayern deutlich größere Ausmaße hätten, als bisher bekannt: 44.000 Reiserückkehrer, die im Ausland im Urlaub waren, warten nach Tests an bayerischen Autobahnen noch auf ihre Ergebnisse, darunter auch 900 nachweislich positiv getestete Personen.

Händische Übertragung sorgt für Probleme

Wie viele davon aus Bayern und wie viele aus dem übrigen Bundesgebiet kommen, könne man derzeit nicht sagen, räumte Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml ein. Der Zeitverzug ärgere sie massiv, sie bedauere das sehr. Es gebe ein Problem bei der Übermittlung, "da gibt es nichts schönzureden". Rund 85.000 dieser Tests wurden demnach bislang gemacht. Die Infizierten sollten ihr Ergebnis nun aber bis Donnerstag bekommen.

Grund für die Verzögerungen seien vor allem Probleme bei der händischen Übertragung von Daten und eine unerwartet hohe Nutzung des Angebots, erklärte der Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Andreas Zapf. Manche Formulare von Getesteten seien unvollständig oder schwer leserlich ausgefüllt, zudem müssen sie mit den Codes von Rachenabstrichen abgeglichen werden.

"Eklatantes Regierungsversagen"

Die bayerische Opposition kritisierte die Panne bei den Tests scharf. Grünen-Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann sprach von "eklatantem Regierungsversagen". "Das ist eine Schocknachricht für Deutschland und kratzt am Nimbus des selbstgefälligen Krisenmanagers Söder." FDP-Fraktionschef Martin Hagen twitterte: "Söders Inszenierung als Corona-Musterschüler bekommt zunehmend Risse."

Seit Ende Juli hatte die bayerische Landesregierung Teststationen an den Hauptbahnhöfen München und Nürnberg sowie an den Autobahnraststätten Hochfelln-Nord, Inntal-Ost und Donautal-Ost einrichten lassen.

Außerdem können sich Reisende bei der Ankunft an den Flughäfen München und Nürnberg testen lassen, seit Anfang August in Memmingen. Zunächst war das Angebot freiwillig. Für Urlauber aus Risikogebieten greift nun eine bundesweite Testpflicht.