In einem Klassenraum einer Grundschule in Niedersachsen sind die Stühle hochgestellt.  | dpa

Vor Corona-Gipfel Lehrerverbände erwägen Distanzunterricht

Stand: 21.12.2021 11:54 Uhr

Im Kampf gegen die Omikron-Variante des Coronavirus haben Lehrerverbände die Verlängerung der Weihnachtsferien und erneuten Distanzunterricht ins Spiel gebracht. Auch Politiker wollen keinen Schritt von vornherein ausschließen.

Angesichts der sich ausbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus schließen Lehrerverbände eine Verlängerung der Weihnachtsferien oder die kurzzeitige Wiedereinführung des Distanzunterrichts nicht aus.

"Distanzunterricht für eine begrenzte Zeit nach den Weihnachtsferien kann eine Möglichkeit sein, die Verbreitung der Omikron-Variante zu erschweren", sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das müsse aber eine Ausnahme bleiben, die allein der aktuellen Situation geschuldet sei. Weiterhin gelte, dass vorrangig zusätzliche Personalkapazitäten bereitgestellt werden müssten.

"Brauchen ein einheitliches Vorgehen"

Eine ähnliche Haltung nimmt der Deutsche Lehrerverband ein. "Wenn die Infektionszahlen aufgrund von Omikron in den Weihnachtsferien massiv nach oben gehen, dürfen Ferienverlängerungen beziehungsweise erneuter Distanzunterricht nicht ausgeschlossen werden", sagte Präsident Heinz-Peter Meidinger. "Solch ein Schritt sollte aber nicht isoliert erfolgen, sondern nur im Verbund mit einem allgemeinen Lockdown oder weitergehenden gesellschaftlichen Kontaktbeschränkungen."

Es sei falsch, Schulen bei einem größeren Maßnahmenkatalog komplett auszunehmen, weil dort demnächst eine hochansteckende Virusvariante auf eine Vielzahl von Kontakten treffe. "Wir brauchen ein einheitliches Vorgehen von Bund und Ländern orientiert an Parametern wie altersabhängigen Inzidenzen und Landesimpfquoten", forderte er vor dem Corona-Gipfel.

Bei dem Treffen will die Ministerpräsidentenrunde weitere Kontaktbeschränkungen beschließen, um die Ausbreitung von Omikron zu verlangsamen. Ein Lockdown wie in den vorherigen Corona-Wellen ist nach Angaben mehrerer Regierungsvertreter vorerst nicht geplant.

Bildungsministerin gegen Schulschließungen

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger will neue flächendeckende Schulschließungen dagegen "unbedingt vermeiden". Kinder und Jugendliche hätten schon bisher eine große Last in der Corona-Pandemie getragen. "Die Lernrückstände dürfen nicht noch zunehmen", sagte die FDP-Politikerin. "Solange wir noch ins Fußballstadion gehen können, darf keine Schule schließen."

Ähnlich sieht das auch Bundesjustizminister Marco Buschmann. "Schulschließungen können nur Ultima Ratio sein", sagte er der Funke Mediengruppe. Allerdings empfehle es sich angesichts der dynamischen Lage aber nicht, "ein Instrument ein für alle Mal auszuschließen, so Buschmann.

Er verwies auf die Booster-Kampagne der Ampel-Regierung. Mit mehr als einer Million Impfungen täglich sei sie "die erfolgreichste Impfaktion in Europa". Zugleich räumte der Justizminister ein, dass Omikron neue Belastungen für die Krankenhäuser bringe und viele Mitarbeiter der kritischen Infrastruktur gleichzeitig krank werden könnten.

Söder fordert klares Signal für Impfpflicht

Auch Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek warnte davor, auf bestimmte Maßnahmenverschärfungen von vornherein zu verzichten. "Im Moment ausschließen kann man, wenn man ehrlich ist, auf Dauer noch gar nichts", sagte der CSU-Politiker im Deutschlandfunk. Niemand wisse, was mit der befürchteten Omikron-Welle noch alles auf Deutschland zukomme.

"Dieses Virus hat eine große Wucht", so Holetschek weiter. Dennoch halte er nichts davon, Vorratsbeschlüsse zu fällen. Für den Bund und die Länder sei es immer möglich, kurzfristig zusammenzukommen und über weitere Instrumente zur Eindämmung der Pandemie zu beraten.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder lenkte den Blick dagegen erneut auf die Impfungen. "Wir bräuchten jetzt dringend auch ein rasches Signal für die Impfpflicht", sagte Söder im ARD-Morgenmagazin. Wenn der Expertenrat von einer dramatischen Lage spreche, zugleich aber vor allem nur über neue Kontaktbeschränkungen gesprochen werde, passe dies nicht zusammen. Bund und Länder müssten heute Klarheit schaffen, was wirklich nötig sei, einer neuen Corona-Welle durch die Omikron-Variante zu begegnen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Dezember 2021 um 09:00 Uhr und 12:00 Uhr.