Ein Mann lässt sich im Nachtclub KitKatClub auf Corona testen | CLEMENS BILAN/EPA-EFE/Shuttersto

Corona-Schnelltests in Clubs Testen statt Tanzen

Stand: 07.12.2020 16:41 Uhr

In der Zwangspause gehen Clubs und Gaststätten vielerorts neue Wege: etwa als Corona-Schnelltestzentrum. Ein Besuch in Berlin und in München.

Von Iris Marx, RBB, und Moritz Steinbacher, BR

"Kommt nackt und seid wild", heißt es in dem Instagram-Post des Kitkat-Clubs, der für seine textilreduzierten Partys über Berlin hinaus bekannt ist. Doch dieses Mal meint es der Fetisch-Club mit dieser Aufforderung nicht ganz so ernst. Direkt im Anschluss heißt es denn auch: "Bitte nicht". Mit Party hat es nämlich wenig zu tun, was hier geboten wird. Es sind Corona-Schnelltests, die von einem Arzt durchgeführt werden und in 25 Minuten Sicherheit darüber liefern sollen, ob sich der Getestete infiziert hat. 

24,90 Euro kostet es. "Da es aktuell in Berlin fast nicht möglich ist, an einen Corona-Schnelltest zu kommen, bieten wir im Club die Möglichkeit an", begründen die Betreiber ihre Initiative.  

Menschen stehen vor dem Nachtclub KitKatClub in Berlin Schlange, um einen Corona-Test zu machen. | dpa

Schlange stehen für den Coronatest: Im Berliner Kitkat-Club werden Schnelltests angeboten. Bild: dpa

Zusammenarbeit mit Gesundheitsamt

Im Falle eines positiven Tests, solle man sich sofort in Quarantäne begeben und sich mit einem Arzt in Verbindung setzen, der mit Hilfe des als etwas zuverlässiger geltenden PCR-Test das Ergebnis überprüft. Die Meldung an das Gesundheitsamt sei dabei obligatorisch.

Die Sicherheitsstandards entsprechen im "Kitkat" denen anderer Testzentren. "Das ist auch zwingende Voraussetzung", mahnt die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD) gegenüber tagesschau.de. "Wir sehen, dass diese Stellen gerade an sehr vielen Orten entstehen, ob Club oder sogar ein Kiosk in Frankfurt. Hier muss sichergestellt sein, dass es keinen Wildwuchs gibt und sich die Betreiber nicht nur an dem berechtigten Interesse der Menschen bereichern." Die Preise für die Tests schwanken stark zwischen 24,90 und 49 Euro allein in Berlin.

Keine neue Einnahmequelle

Mehrere Clubs in Berlin haben angekündigt, dem "Kitkat-Beispiel" zu folgen. "Es geht aber ganz klar nicht darum, während des Lockdowns sich eine neue Einnahmequelle zu erschließen", widerspricht Lutz Leichsenring, Sprecher der Berliner Clubkommission der Befürchtung des BVÖGD. "Die Menschen sollen sich wieder freier bewegen können", so der Club-Sprecher. "Mit vielen Testzentren in der Stadt können irgendwann vielleicht Restaurant- und Barbesuche wieder möglich werden."

Corona-Test statt Leberkäse

Doch nicht nur in der Hauptstadt, auch im Süden der Republik geht man neue Wege. Etwa die Traditionsgaststätte "Altes Hackerhaus" in der Münchner Fußgängerzone. In dem wegen des Lockdowns geschlossenen Wirtshaus werden statt Schweinswürstchen und Leberkäse nun Corona-Schnelltests angeboten.

Für 45 Euro kann man sich dort vom ärztlichen Leiter, Alexander Auer, einen Abstrich machen lassen - bayerische Gaumenfreuden der anderen Art. Innerhalb von 15 Minuten bekommt man das Ergebnis. Die Testgenauigkeit liegt laut Hersteller bei 96 Prozent, sagt Auer.

Ein Schild mit der Aufschrift "Corona Schnelltest/ Ärztlicher Befund in 15 Min/ 45 EUR" | BR

Empfehlung des Hauses: Schnelltest. In der Traditionsgaststätte "Altes Hackerhaus" in München werden Corona-Tests angeboten. Bild: BR

Rein kommen, Abstrich machen, draußen warten

Die Idee für das Schnelltestzentrum bekam Auer durch seinen Freundeskreis. Viele hatten Fragen rund um Corona, das Infektionsrisiko und Schnelltests. Über die Konditionen wurde sich Auer mit "Hackerhaus"-Wirt Lorenz Stiftl schnell einig. Auer mietete die wegen Corona geschlossene Gaststätte.

Von den Räumen der für rund 500 Gäste Platz bietenden Gaststätte braucht der Arzt aber nur den Eingangsbereich. Wer sich testen lassen will, kommt kurz herein, macht den Abstrich und wartet draußen auf das Ergebnis. Das Schnelltestzentrum in der Gaststätte wird gut angenommen. Immer wieder kommen Menschen aus der Fußgängerzone in die Gaststätte, fragen nach Terminen.

Das gleiche Konzept bietet übrigens auch ein Münchner Nachtclub an. Dort wo vor Corona gefeiert wurde, wird nun getestet.  "Hackherhaus"-Wirt Stiftl hofft, dass durch viele kleine Testzentren die Corona-Infektionen schneller erkannt werden und so der Inzidenzwert rasch sinkt. Doch diese Hoffnung scheint noch weit entfernt.

Über dieses Thema berichtete rbb 88,8 am 04. Dezember 2020 um 06:50 Uhr.