Autos stehen an einer Drive-in-Schnellteststation in der Warteschlange in Dachau, Bayern. | dpa

Coronavirus-Pandemie Inzidenz steigt auf mehr als 1200

Stand: 01.02.2022 05:21 Uhr

Erneut hat die Sieben-Tage-Inzidenz einen Höchststand erreicht. Der Wert stieg nach RKI-Angaben auf 1206,2. Die Gesundheitsämter meldeten 162.613 Neuinfektionen. Es mehren sich Stimmen nach einer Verschiebung der Impfpflicht in der Pflege.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat einen weiteren Höchstwert erreicht. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) liegt sie nun bundesweit bei 1206,2. Am Vortag hatte der Wert bei 1176,8 gelegen, vor einer Woche bei 894,3. Die Inzidenz beziffert die Zahl der neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner im Zeitraum von sieben Tagen.

Wie das RKI unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, lag die Zahl der registrierten Neuinfektionen binnen 24 Stunden bei 162.613 - nach 78.318 am Vortag und 126.955 in der Vorwoche. Es wurden weitere 188 Todesfälle verzeichnet. Damit stieg die Gesamtzahl der registrierten Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus auf 117.974.

Viele Fälle wohl nicht erfasst

Experten gehen von einer hohen und weiter steigenden Zahl von Fällen aus, die in den RKI-Daten nicht erfasst sind, unter anderem, weil Testkapazitäten und Gesundheitsämter vielerorts am Limit sind. Zudem melden einige Städte und Kreise seit Tagen Probleme bei der Übermittlung der Corona-Fallzahlen.

Derzeit muss das RKI die morgendlichen Zahlen für den aktuellen und die vorangegangen Tage dementsprechend regelmäßig nachträglich zum Teil sehr deutlich nach oben korrigieren.

Fast zehn Millionen Infektionen

Seit Pandemie-Beginn verzeichneten die Gesundheitsämter nach Angaben des RKI insgesamt 9.978.146 Infektionsfälle. Die Zahl der genesenen Menschen in Deutschland beziffert das RKI auf rund 7.705.000.

Als entscheidenden Maßstab für eine Verschärfung oder Lockerung der Corona-Maßnahmen hatten Bund und Länder im November die sogenannte Hospitalisierungs-Inzidenz festgelegt. Dieser Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wegen einer Corona-Infektion im Krankenhaus liegen. Nach RKI-Angaben lag die Hospitalisierungs-Inzidenz bundesweit zuletzt bei 4,64.

Patientenschützer fordern Aufschub der Impfpflicht

Derweil werden die Forderungen nach einer Verschiebung der Corona-Impfpflicht für Beschäftigte von Kliniken und Pflegeheimen lauter. "Die Impfpflicht für medizinisch-pflegerische Berufe darf nicht mit der Brechstange eingeführt werden", sagte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Nachrichtenagentur dpa. Gesundheitsminister Karl Lauterbach müsse die Sorgen vor Ort ernst nehmen. "Gesundheitsämter, Ordnungsbehörden und Arbeitgeber sehen sich nicht in der Lage, das Mammutwerk bis zum 15. März ohne schwere Verwerfungen durchzusetzen", sagte Brysch.

Lauterbach müsse wissen, dass die Versorgung von bis zu 200.000 Pflegebedürftigen und Kranken in Gefahr sei. "Ein Aufschub ist dringend geboten."

Das von Bundestag und Bundesrat beschlossene Gesetz legt fest, dass Beschäftigte in Einrichtungen mit schutzbedürftigen Menschen wie Pflegeheimen und Kliniken bis 15. März nachweisen müssen, dass sie gegen Corona geimpft oder vor einer Infektion genesen sind - oder ein Attest vorlegen, dass sie nicht geimpft werden können. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen die Gesundheitsämter informieren, wenn dies nicht geschieht.

Ämter sehen sich mit Kontrolle überfordert

Die Gesundheitsämter sehen sich mit der Kontrolle jedoch überfordert. Man rechne damit, dass im Schnitt bei fünf bis zehn Prozent der Mitarbeiter kein eindeutiger Nachweis oder kein vollständiger Impfschutz vorliege und eine Meldung an das Gesundheitsamt erfolge, sagte Elke Bruns-Philipps, die stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, der "Rheinischen Post". "Das ist eine erhebliche Belastung mit der Prüfung jedes Einzelfalls, wie es jetzt vorgesehen ist, die die Gesundheitsämter nicht zeitnah bewältigen können", sagte sie. "Es ist grundsätzlich ein Verfahren mit erneuter Fristsetzung des Gesundheitsamtes zur Vorlage von Impfdokumenten und einer Anhörung vorgesehen."

Die Beschäftigten dürfen zunächst einmal weiterarbeiten. Das Gesundheitsamt entscheide "über das weitere Vorgehen und die zu ergreifenden Maßnahmen im Rahmen seines Ermessens", sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums dem "Business Insider".

DKG-Chef für Fristverlängerung

Der Vorstandschef der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Gerald Gaß, regte eine Fristverlängerung an. "Wir unterstützen die einrichtungsbezogene Impflicht. Allerdings sind wesentliche Fragen der weiteren Umsetzung noch ungeklärt, und deshalb kann es notwendig sein, Fristen im Verfahren anzupassen", sagte er der "Rheinischen Post".

Wenn das Gesundheitsamt für einen Ungeimpften ein Betretungsverbot für den Arbeitsplatz ausspreche, werde der Betroffene von der Arbeit freigestellt, selbstverständlich ohne Lohnfortzahlung. Aber: "Sollte bei Einzelnen die Erstimpfung bereits vorliegen, können die weiteren Impfungen schnell nachgeholt werden. In diesen Fällen können wir uns pragmatische Lösungen, wie zum Beispiel eine Fristverlängerung vorstellen, um die Mitarbeitenden zu halten."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau im ARD-Morgenmagazin am 01. Februar 2022 um 05:30 Uhr.