Ein Hinweisschild mit der Aufschrift "Eintritt nach 2G Regel geimpft oder genesen" steht am Eingang eines schuhgeschäfts in Norderstedt | dpa

Corona-Pandemie Forderung nach härteren Maßnahmen

Stand: 05.12.2021 07:59 Uhr

Die erst am Donnerstag beschlossenen schärferen Corona-Auflagen gehen einigen nicht weit genug: So will Unionsfraktionschef Brinkhaus noch strengere Maßnahmen nicht ausschließen. Unterdessen sank die Inzidenz erneut leicht.

Angesichts der anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen geht die Diskussion darüber weiter, ob die von der Politik beschlossenen Maßnahmen zum Gegensteuern in der Pandemie ausreichen. So forderte Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus eine weitere Verschärfung der Maßnahmen. "In Gebieten mit hohen Inzidenzen muss man auch über befristete Kontaktbeschränkungen für Geimpfte nachdenken", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

In den Schulen müsse es natürlich das Bestreben der Schulminister sein, mit Maskenpflicht, Tests und Lüftung sie so lange wie möglich offenzuhalten. "Es darf aber für Regionen mit sehr hohen Inzidenzen keine Tabus geben." Er befürchte, dass die jüngsten Beschlüsse von Bund und Ländern nicht reichten, um die Welle zu brechen.

Wissing rät von Reisen zu Weihnachten ab

Der designierte Bundesverkehrsminister Volker Wissing riet dazu, an Weihnachten zu Hause zu bleiben und auf Reisen zu verzichten. "Der Winter 2021 wird dramatischer als der Winter 2020. Wir dürfen Corona nicht auf die leichte Schulter nehmen", sagte der FDP-Politiker der "Bild am Sonntag". "Kontaktbeschränkungen auch im privaten Bereich sind wichtig, um die Pandemie zu bekämpfen. In der aktuellen Situation scheint es sinnvoller, Weihnachten im kleinen Kreis zu Hause zu verbringen und keine größeren Reisen durchs Land zu planen."

Bund und Länder hatten am Donnerstag Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte beschlossen und für Freizeitveranstaltungen und Geschäfte festgelegt, dass nur noch Geimpfte und Genesene (2G) Zutritt bekommen.

Angestrebt wird auch eine allgemeine Impfpflicht, obwohl die Bundesregierung eine solche lange ausgeschlossen hatte. Der voraussichtliche neue Kanzler Olaf Scholz hat angekündigt, dass der Bundestag darüber ohne Fraktionszwang abstimmen soll. Nach Angaben von Regierungssprecher Steffen Seibert könnte dies Anfang kommenden Jahres der Fall sein. Sie könnte dann im Februar der März wirksam werden. Vorher soll der Deutsche Ethikrat befragt werden.

Inzidenz bei 439,2

Unterdessen ist die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz wieder leicht gesunken. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche mit 439,2 an. Am Samstag hatte er noch bei 442,7 gelegen - vor einer Woche bei 446,7. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI innerhalb von 24 Stunden 42.055 weitere Neuinfektionen. Vor genau einer Woche waren es 44.401 Ansteckungen. Zudem gab es 94 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus.

Bei der Bewertung des Infektionsgeschehens ist zu bedenken, dass Experten derzeit von einer merklichen Untererfassung ausgehen. Gesundheitsämter und Kliniken kommen demnach mit der Meldung von Fällen zumindest in einzelnen Regionen nicht mehr hinterher. Auch dem RKI fällt die Beurteilung der Lage schwer.

Der gebremste Anstieg der Sieben-Tage-Inzidenz könne "einerseits ein erster Hinweis auf eine sich leicht abschwächende Dynamik im Transmissionsgeschehen aufgrund der deutlich intensivierten Maßnahmen zur Kontaktreduzierung sein", hieß es im RKI-Wochenbericht von Donnerstag. Allerdings könnte die Entwicklung "regional auch auf die zunehmend überlasteten Kapazitäten im Öffentlichen Gesundheitsdienst und die erschöpften Laborkapazitäten zurückzuführen sein".

Über dieses Thema berichtet die tagesschau am 05. Dezember 2021 um 08:55 Uhr.