Eine Schutzmaske hängt am Griff eines Koffers. | dpa

Urlaub in Corona-Zeiten Reiserückkehrer im Fokus

Stand: 23.07.2020 12:58 Uhr

Jeder darf Urlaub machen - trotz Corona. Aber was ist mit denen, die aus einem Risikogebiet zurückkommen? Die Gesundheitsminister diskutieren über Tests an Flughäfen. Die Bundesärztekammer ist dafür.

Von Lennart Seebald, ARD-Hauptstadtstudio

In einem Punkt sind sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern offenbar einig: Die Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten können zur Gefahr werden. Die bayrische Gesundheitsministerin Melanie Huml sieht Handlungsbedarf. Nach einer Schaltkonferenz mit ihren Ressortkollegen am Mittwoch, sagte sie im Bayerischen Rundfunk, man habe ein gemeinsames Ziel und das sei, ein besonderes Augenmerk auf die Reiserückkehrer zu richten. Wie das genau aussehen soll, darüber gibt es noch keine endgültige Einigung. Die soll erst morgen kommen, in einer weiteren Schalte. Aber vieles deutet auf Testzentren an deutschen Flughäfen hin.

Ärztekammer hält Testzentren für sinnvoll

Also jeder Reisende, der aus einem Corona-Hotspot kommt, muss sich noch direkt am Flughafen testen lassen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist dafür. Auf Twitter schrieb er, mit Tests an Flughäfen könne man alle Personen nachvollziehen, die mit Infizierten in Kontakt waren.

Lauterbach bekommt dabei Unterstützung aus der Ärzteschaft. Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer, sagte dem ARD-Hauptstadtstudio, gerade aus epidemiologischer Sicht seien solche Zentren sinnvoll. "Wenn man die Leute erst einreisen lässt und die dann wieder durch die Gegend fahren, vergeht natürlich Zeit, in der sie weiter ansteckend sein können", so Reinhardt. Deswegen sei es besser, sie direkt bei der Einreise zu testen. Und das auch verpflichtend. Im Rahmen des Infektionsschutzes habe man eine ganze Reihe von Freiheitsrechten eingeschränkt, so Reinhardt. Es gehe ja tatsächlich darum, die Bevölkerung zu schützen.

14-tägige Quarantäne schreckt ab

Mit der bisherigen Regelung müssen Menschen, die aus Risikogebieten einreisen, zwei Wochen in häusliche Quarantäne. Das halten aber nicht alle Rückkehrer ein. Susanne Johna, erste Vorsitzende des Marburger Bundes, nennt einen Grund dafür: die Quarantänezeit sei sehr lang. Deswegen melde sich nicht jeder, der aus einem Risikogebiet einreise, beim Gesundheitsamt. "Da kann man sich wirklich fragen, ob das sinnvoll ist, denn wir wissen, dass die meisten Infektionen fünf Tage nach Kontakt auftreten", so Johna.

Über die Quarantänevorgaben für Rückkehrer wollen die Gesundheitsministerinnen und -minister morgen in ihrer nächsten Schalte offenbar auch sprechen. Und wahrscheinlich wird es dann auch ums Geld gehen. Denn die Frage, wer mögliche Tests bei der Einreise bezahlen soll, ist noch völlig offen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 23. Juli 2020 um 06:16 Uhr.