In Greiz stehen sich Polizisten und Teilnehmer eines so genannten Spaziergangs gegen die Corona-Maßnahmen gegenüber. | dpa

Bundesweite Corona-Proteste Ausschreitungen und verletzte Polizisten

Stand: 12.12.2021 11:53 Uhr

Bei Protesten von Impfgegnern ist es am Samstag zu gewalttätigen Zwischenfällen gekommen. In Greiz in Thüringen wurden 14 Beamte verletzt. Auch in Reutlingen in Baden-Württemberg setzte die Polizei bei Krawallen Schlagstöcke und Pfefferspray ein.

Bei Protesten gegen die Corona-Politik sind im thüringischen Greiz 14 Polizisten verletzt worden. Nach Angaben der Polizei hatten sich dort nach Aufrufen in sozialen Medien am Samstag bis zu 1000 Menschen versammelt. An einer Brücke im Stadtgebiet formierten sie sich zu einem Aufzug, den die Einsatzkräfte stoppten. Protestierende versuchten, die Polizeikette zu durchbrechen. Daraufhin setzten die Beamten Pfefferspray ein. Die Polizei war mit einem Großaufgebot und einem Wasserwerfer im Einsatz.

Polizei leitet 91 Verfahren ein

In auf Twitter verbreiteten Videosequenzen war zu sehen, wie Protestierende mit den Einsatzkräften rangelten, um die Absperrung zu durchbrechen. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur dpa berichtete von einer aggressiven Stimmung. Demnach seien Böller gezündet worden, ein Polizist sei mit einer Flasche beworfen und am Fuß getroffen worden. Auch eine Thermoskanne sei in Richtung der Einsatzkräfte geflogen.

Zwei der verletzten Polizisten seien vorübergehend nicht mehr dienstfähig, hieß es von der Polizei. Eine verletzte Beamtin wurde im Krankenhaus behandelt. Die Polizei stellte die Identität von 207 Protestteilnehmern fest, sprach 108 Platzverweise aus und leitete 44 Strafverfahren sowie 47 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein.

Reutlingen: Krawalle bei Protesten

Auch in Baden-Württemberg haben am Samstag in mehreren Städten größere Gruppen gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. In Reutlingen kam es laut örtlichem Polizeipräsidium zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Demnach seien bis zu 1500 Menschen zu einer Kundgebung gekommen, die zuvor abgesagt worden war. Weil die Demonstrierenden keinen Versammlungsleiter benannten und keine Masken trugen, habe das Amt für Öffentliche Ordnung den Zug aufgelöst.

Anschließend zündeten Teilnehmer Pyrotechnik und Fackeln, so die Polizei. Einige Personen hätten versucht, mit Gewalt die Polizeikette zu durchbrechen. Die Beamten hätten Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt. Mit weiterer Verstärkung sei es dann gelungen, die Demonstranten in einem Park festzuhalten. Wegen tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte, Beleidigung und versuchter Körperverletzung seien Strafverfahren eingeleitet und etwa 100 Platzverweise erteilt worden.

Einzelne Auseinandersetzungen in Stuttgart

In Stuttgart meldete die Polizei einzelne Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Gegendemonstranten am Rande einer genehmigten Menschenkette mit mehreren hundert Personen. Gegner der Corona-Maßnahmen hatten dort zu einer Menschenkette aufgerufen. Die Sicherheitskräfte mussten vielfach auf die Maskenpflicht hinweisen. Die Beamtinnen und Beamten leiteten nach eigenen Angaben einzelne Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Insgesamt werde derzeit gegen zwölf Personen ermittelt, weil sie sich nicht an die Versammlungsauflagen hielten, hieß es.

Bremen: Polizei verhindert "Querdenker"-Aufmärsche

In der Bremer Innenstadt hat die Polizei am Samstag größere Zusammenkünfte und Versammlungen der "Querdenker" verhindert. Rund 100 Personen der Szene hätten sich in kleinen Gruppen zu sogenannten Spaziergängen in der Altstadt versammelt, um gegen die Corona-Maßnahmen zu protestieren, teilte die Polizeit mit. Dabei gerieten sie in den Fokus von Teilnehmenden eine angemeldeten Kundgebung von Impfbefürwortern, die sich mit rund 170 Menschen versammelt hatten. Die Einsatzkräfte verhinderten ein Aufeinandertreffen.

Auch in anderen Städten hatten sogenannte Querdenker und ähnliche Gruppierungen zu Demonstrationen gegen die deutsche Impfkampagne und die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie aufgerufen. Meist hatten die Kundgebungen eine überschaubare Größenordnung, oftmals kamen nur einige Dutzend Teilnehmer zusammen. Es gab aber auch einzelne größere Proteste, so etwa in Hamburg. Dort kamen einige tausend Menschen zusammen. Oft wurden Kundgebungen von Gegendemonstrationen begleitet.

Faeser warnt vor Radikalisierung

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit Blick auf die Proteste, Rechtsextremisten und Reichsbürger versuchten, die Bewegung zu durchsetzen, um ihre eigenen Ziele zu verfolgen. Leider grenzten sich die bürgerlichen Demonstrationsteilnehmenden davon zu wenig ab.

Zugleich warnte Faser vor einer weiteren Radikalisierung der "Querdenker"-Bewegung: Die Gewaltbereitschaft nehme zu, die "Querdenker" würden radikaler. Das Bundesamt für Verfassungsschutz habe die Beobachtung aller extremistischen Teile der Bewegung jetzt noch einmal deutlich intensiviert: "Wir haben diese Leute genau im Blick."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 12. Dezember 2021 um 12:00 Uhr.