Ein leeres Rednerpult steht auf einer vom Dauerregen überfluteten Bühne in München.  | Bildquelle: dpa

Proteste gegen Corona-Regeln Weniger Demo-Teilnehmer als erwartet

Stand: 24.05.2020 06:18 Uhr

Nach den Protesten an den vergangenen Wochenenden waren auch für gestern deutschlandweit Demonstrationen von Kritikern der Corona-Regeln angemeldet worden. Bei schlechtem Wetter kamen vielerorts aber weniger Menschen als erwartet.

In vielen deutschen Städten sind wieder Kritiker der in der Corona-Pandemie verhängten Einschränkungen auf die Straße gegangen. Die Proteste verliefen größtenteils friedlich. Fast überall jedoch demonstrierten deutlich weniger Menschen als angemeldet.

In Stuttgart waren etwa mehrere Kundgebungen angemeldet, die Teilnehmerzahlen waren im Vergleich zu den Vorwochen jedoch "recht überschaubar", wie ein Polizeisprecher sagte. Einige Kundgebungen fanden bei strömendem Regen demnach gar nicht statt. Am vorherigen Wochenende hatte sich der bundesweit größte Protest in Stuttgart versammelt. Heute darf die AfD trotz eines ursprünglichen Verbots in der baden-württembergischen Landeshauptstadt gegen die Corona-Beschränkungen demonstrieren.

Angeführt von dem parteilosen Landtagsabgeordneten Heinrich Fiechtner und AfD-Landtagsabgeordneten Stefan Räpple nehmen Menschen an einer Demonstration gegen Corona-Beschränkungen teil. | Bildquelle: dpa
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In strömendem Regen waren nur wenige Menschen in Stuttgart gegen die Corona-Beschränkungen auf der Straße.

Die in Bayern angekündigten Demonstrationen gegen die Corona-Politik fielen buchstäblich ins Wasser. In München wurde laut Polizei keine der vier ursprünglich angemeldeten Kundgebungen zu Ende gebracht. Die größte Veranstaltung auf der Theresienwiese wurde bei ebenfalls schlechtem Wetter kurz vor Beginn vom Veranstalter abgesagt. Bis zu 1000 Menschen waren zu der Demo erwartet worden. Auch in Nürnberg seien statt der angekündigten 500 Personen bei regnerischem Wetter nur einzelne "Versprengte" zu sehen gewesen, sagte ein Polizeisprecher.

Kundgebung an Berliner Siegessäule abgebrochen

In Berlin war die Polizei mit rund 1100 Beamten im Einsatz, um Demonstrationen zu begleiten - sie hatte sich auf zahlreiche Proteste gegen die Corona-Einschränkungen sowie auf Gegendemonstrationen eingestellt. Im Vorfeld waren mehr als 30 Kundgebungen angemeldet, teilte die Polizei mit. 

Eine Kundgebung an der Siegessäule unter dem Motto "Heimat und Weltfrieden" sei vom Veranstalter selbst vorzeitig beendet worden, nachdem sich die Teilnehmer nicht an die Vorgaben gehalten hatten, teilte die Polizei mit. Erlaubt waren nur 50 Teilnehmer, es seien aber wohl annähernd 100 gewesen. Daraufhin hätten Teilnehmer ihren Unmut bekundet, es sei zu Rangeleien und "einigen freiheitsbeschränkenden Maßnahmen" seitens der Polizei gekommen. Laut dem Berliner Bündnis gegen Rechts sind auf den Veranstaltungen gegen die Corona-Verordnungen eindeutig auch rechte Gruppierungen, Parteien und Organisationen vertreten.

Vegan-Koch Hildmann kurzzeitig festgenommen

Auf dem Weg zu einer Kundgebung am Kanzleramt wurde der bekannte Vegan-Koch Attila Hildmann festgenommen. Ihm würden Verstöße gegen das Versammlungs- und das Infektionsschutzgesetz vorgeworfen, sagte eine Polizeisprecherin. Hildmann war zuletzt mit der Verbreitung von Verschwörungstheorien in der Corona-Krise aufgefallen.

Nach Polizeiangaben hatte sich am Lustgarten eine große Menschenmenge um den Koch versammelt. Es sei der Eindruck entstanden, er wolle mit diesen losgehen - es sei aber nicht gestattet, einen Aufzug durchzuführen. Die Beamten hätten ihn darauf hingewiesen und Maßnahmen angekündigt. Hildmann sei aber wieder entlassen worden. Einsatzkräfte hätten ihn dann zu dem Ort geleitet, an dem er eine Kundgebung abhielt.

Menschenkette in Köln

In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen gingen ebenfalls Demonstranten auf die Straße - auch hier versammelten sich dabei nach Polizeiangaben meist deutlich weniger Demonstranten als von den Demo-Anmeldern erwartet. In Düsseldorf nahmen in der Spitze etwa 70 Menschen an einem Protestzug teil, wie ein Polizeisprecher sagte. Rund 300 Teilnehmer waren angemeldet worden.

In Essen kamen rund 360 der ursprünglich 1000 angemeldeten Teilnehmer zu einer Demonstration auf einem Messeparkplatz gegenüber vom Flughafen Essen/Mülheim zusammen. In Köln versammelten sich etwa 250 Demonstranten auf der Deutzer Werft auf der Rheinbrücke zu einer Menschenkette. In Aachen hatten Teilnehmer zwei Veranstaltungen in der Innenstadt angemeldet, an denen sich nach Polizeiangaben knapp 130 Menschen beteiligten. An einer Kundgebung in Gummersbach beteiligten sich nach Polizeiangaben etwa 60 Menschen. Es gab demnach keine Störungen oder Verstöße gegen die Corona-Schutzmaßnahmen.

Gegendemonstrationen in Hamburg aufgelöst

In Hamburg versammelten sich unter anderem mehrere hundert Gegner der Corona-Maßnahmen vor dem Michel. Dort seien mehrere Teilnehmer von der Polizei ermahnt worden, weil sie ohne Mund-Nasen-Schutz unterwegs gewesen seien, sagte eine Sprecherin.

Wegen einer nicht genehmigten Gegendemonstration mit 120 Teilnehmern drohte die Polizei den Einsatz von Wasserwerfern an. Die Versammlung sei dann mit "Wasserregen" aufgelöst worden, sagte eine Polizeisprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Nach einem Flaschenwurf auf einen Polizisten wurde ein Demonstrant festgenommen. Auch kleinere nicht angemeldete Gegenaktionen seien aufgelöst worden. Insgesamt sprach die Polizei am Nachmittag von einer unübersichtlichen, aber ruhigen Lage.

Friedliche Proteste auch in anderen Bundesländern

Auch in Hessen gingen in mehreren Städten Menschen aus Protest gegen die Einschränkungen auf die Straße. Bei einer Demonstration in Frankfurt unter dem Motto "Hände weg vom Grundgesetz" zählte die Polizei mehrere Hundert Teilnehmer. Es habe auch einen Protest gegen diese Veranstaltung gegeben, der etwas kleiner gewesen sei.

In Hannover kamen der Polizei zufolge bis zum Nachmittag rund 130 Kritiker zusammen. Etwa 30 Menschen hätten sich spontan zu einer Gegendemonstration versammelt. Rund 170 Menschen gingen einer Polizeisprecherin zufolge in Bremen unter dem Motto "Unsere im Grundgesetz verbrieften Grundrechte" auf die Straße. Knapp 150 Menschen demonstrierten dagegen. Der Sprecherin zufolge blieb es dabei friedlich.

In Erfurt demonstrierten rund 40 Menschen friedlich gegen Einschränkungen von Grundrechten im Zuge der Pandemie. Eine Gegenkundgebung lockte etwa 50 Teilnehmer an.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Mai 2020 um 20:00 Uhr.

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