Ferienhäuser an der Ostsee | picture alliance / imageBROKER

Vor Bund-Länder-Beratungen Norden wirbt für Urlaub an der Küste

Stand: 21.03.2021 18:07 Uhr

Uneinigkeit vor den Corona-Beratungen: Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen wollen ihren Bewohnern den Osterurlaub an der Küste ermöglichen. Vizekanzler Scholz warnt indes vor Lockerungen von Reisebeschränkungen.

Die drei Küstenländer Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig Holstein und Niedersachsen schlagen vor, trotz hoher Corona-Zahlen den Bürgerinnen und Bürgern auch hierzulande einen kontaktarmen Urlaub über Ostern zu ermöglichen. Zulässig sein soll dies aber nur innerhalb des eigenen Bundeslandes und in Selbstversorger-Einrichtungen mit eigenen sanitären Anlagen - also etwa in Ferienwohnungen, Ferienhäusern oder Wohnmobilen. Dies teilte die Sprecherin der niedersächsischen Landesregierung mit. Für den Vorschlag wollen die drei Länder bei der Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel werben.

Zur Begründung heißt es, ein Kurzurlaub in Deutschland sei nach den geltenden Regelungen nicht möglich. Doch stoße die Entscheidung der Bundesregierung, unter anderem Mallorca für Urlaubsreisen über Ostern zu öffnen, vor diesem Hintergrund bei vielen auf Unverständnis.

Ein Signal an die Tourismusbranche

Voraussetzung für einen solchen Urlaub im eigenen Land wäre dem Vorschlag zufolge ein negativer Antigen-Test kurz vor der Anreise. "Weitere Bedingungen wie Hygienekonzepte und Kapazitätsbeschränkungen wären auf Landesebene zu treffen", hieß es. Und für die angrenzenden Stadtstaaten Hamburg und Bremen wären "gesonderte Regelungen zu treffen".

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erklärte dazu: "Wir sind der Meinung, dass zu Ostern wenigstens Urlaub im eigenen Bundesland möglich sein sollte. Wer beispielsweise von Rostock nach Rügen fährt und mit seiner Familie die Ostertage in einem Ferienhaus verbringt, ist keinen zusätzlichen Ansteckungsgefahren ausgesetzt." Zugleich sei das auch ein Signal an die Branche, so die SPD-Politikerin, "dass wir den Tourismus Schritt für Schritt wieder hochfahren wollen".

Kritik an Mallorca-Entscheidung

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sagte: "Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die Bundesregierung einen Urlaub auf Mallorca für sicherer hält als ein Osterwochenende mit Testpflicht in einer Ferienwohnung an Nord- oder Ostsee." Klar sei jedoch, man müsse angesichts bundesweit steigender Infektionszahlen weiter vorsichtig und achtsam sein. "Deshalb setze ich mich für einen sicheren Urlaub nach klaren Regeln in der eigenen Region ein", sagte der CDU-Politiker.

Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil sagte, auch über Ostern müsse die Mobilität nach Möglichkeit begrenzt werden. Das gehe aber nicht ohne Verständnis und Unterstützung in der Bevölkerung. "Die Mallorca-Entscheidung der Bundesregierung erweist sich dabei in der Vermittlung als spürbarer Ballast. Mit unserem Vorschlag eröffnen wir in einem eng begrenzten Bereich eine Alternative für einen sicheren Urlaub in der Heimat", so der SPD-Politiker.

Scholz warnt vor Reisewelle zu Ostern

Zuvor hatte Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz angesichts des Infektionsgeschehens vor einer Reisewelle zu Ostern gewarnt. "Aus meiner Sicht sollte es zu Ostern besser keine große Reisewelle geben. Das können wir uns in der aktuellen Infektionslage einfach nicht leisten", sagte Scholz der "Bild am Sonntag". Sollten viele Menschen im großen Stil Osterurlaub machen, "gefährdet das den Sommerurlaub von uns allen".

Die Bürger rief der Vizekanzler dazu auf, auf Flüge in die Türkei oder nach Mallorca zu verzichten. "Mit einem solchen Urlaub geht man ein Risiko ein, und zwar nicht nur für sich selbst, sondern auch für alle anderen." Scholz sprach sich zudem für eine Testpflicht für alle Auslandsurlauber bei der Einreise nach Deutschland aus. Jeder solle bei seiner Rückkehr sicherstellen, dass er niemanden anstecke. "Dazu gehört für mich vor der Einreise nach Deutschland mindestens ein negativer Corona-Test. Das sollten wir miteinander verabreden."

Familienbesuche sollen möglich sein

Auch eine allgemeine, bundesweite Öffnung der Außengastronomie zu Ostern lehnte Scholz ab. "In Gegenden mit sehr niedriger Inzidenz mag das möglich sein, bundesweit halte ich das leider für unwahrscheinlich." Familienbesuche über die Feiertage sollen hingegen möglich sein. "Das haben wir zu Weihnachten möglich gemacht, das sollte zu Ostern wieder drin sein", sagte Scholz. Dafür sollte man die Möglichkeit der Schnelltests nutzen.

Ein weitgehend normales Leben stellte der Finanzminister für den Sommer in Aussicht. "Es gibt die berechtigte Hoffnung, die Pandemie im Sommer zu überwinden. Dann wird ein einigermaßen normales Leben mit nur noch wenigen Beschränkungen möglich sein", sagte Scholz. Alles spreche dafür, dass im Sommer ein Großteil der Deutschen geimpft sei. "Dann haben wir es geschafft. Und dann werden die Leute erstmal kräftig feiern."

Länder beraten am Montag über Vorgehen

Am Montag wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie beraten. Scholz ermahnte die Ministerpräsidenten, die zuletzt vereinbarte Notbremse zu ziehen, wenn dies nötig sei. "Es muss aufhören, dass hochrangige Politiker unter Druck die Nerven verlieren und hektisch Ankündigungen machen, die nichts mit den gerade gemeinsam vereinbarten Beschlüssen zu tun haben", sagte Scholz.

Die von Bund und Ländern vereinbarte "Notbremse" sieht vor, Öffnungen zurückzunehmen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region oder einem Land an drei aufeinander folgenden Tagen auf über 100 steigt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. März 2021 um 18:27 Uhr.