Ein Fläschchen steht vor dem Text "Omicron (B.1.1.529): SARS-CoV-2" | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Labortests zu Impfstoffen Deutlich schwächere Wirkung gegen Omikron

Stand: 08.12.2021 13:46 Uhr

Laut der deutschen Virologin Ciesek wirken aktuelle Corona-Impfstoffe deutlich schwächer gegen die Omikron-Variante. Das zeigten erste Studien. Der Impfstoffhersteller BioNTech/Pfizer kam zu einem ähnlichen Ergebnis.

Erste Labortests zur Wirkung von Corona-Impfstoffen gegen Omikron deuten auf eine schwächere Abwehrreaktion hin. Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt veröffentlichte auf Twitter erste Ergebnisse der Studie, die eine deutlich reduzierte Antikörper-Antwort auf die neue Variante zeigt.

"Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", schrieb Ciesek dazu. Bereits am Vortag hatten südafrikanische Experten ähnliche Daten vorgelegt, wonach die Antikörperantwort bei Geimpften gegen Omikron schwächer ausfällt.

Immunantwort um das 37-Fache reduziert

Ciesek wies aber auch daraufhin, dass aus ihrer Auswertung nicht herauszulesen ist, ob Geimpfte bei Omikron vor einem schweren Verlauf geschützt sind. Denn die Immunantwort beruht nicht nur auf Antikörpern, sondern beispielsweise auch auf T-Zellen.

Den Angaben von Ciesek zufolge ist die Antikörperantwort gegen Omikron um das bis zu 37-Fache reduziert im Vergleich zur Delta-Variante - auch bei Menschen mit Auffrischimpfung gibt es eine Reduktion. Die Daten sind bislang nicht von Fachkollegen begutachtet und nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht worden.

Der Virologe Christian Drosten lobte die Erhebung Cieseks als "wichtige Daten" und hob erneut die Notwendigkeit einer Booster-Impfung hervor. "Sieht nicht gut aus für zweimal Geimpfte. Dritte Dosis erforderlich", schrieb Drosten auf Twitter.

BioNTech/Pfizer bestätigen geringere Wirksamkeit

Ähnliche Beobachtungen zur Wirksamkeit gegen Omikron teilen auch die Impfstoffhersteller BioNTech und Pfizer. Vorläufige Laborstudien zeigten, dass nach zwei Impfdosen deutlich weniger Neutralisierungstiter gegen Omikron vorhanden seien, teilten die beiden Unternehmen mit. Demnach konnten aber drei Dosen des Impfstoffs die Variante neutralisieren. Die Daten zeigten auch, das eine Dritte Dosis die neutralisierenden Antikörpertiter im Vergleich zu zwei Dosen um das 25-fache erhöhe.

Um die Wirkung eines Impfstoff gegen eine bestimmte Variante von Sars-CoV-2 zu untersuchen, machen Forscher in der Regel sogenannte Neutralisationstests. Es wird geschaut, wie viele Antikörper ein Geimpfter im Blut hat, die sich an die Virusvariante binden können und sie damit ausschalten. Der tatsächliche Schutz von Geimpften kann damit aber nicht bestimmt werden, dafür braucht es klinische Studien mit Tausenden Probanden oder Auswertungen des laufenden Infektionsgeschehens.

Afrikanische Studie mit ähnlichem Ergebnis

Forscher des Africa Health Research Institute in Südafrika hatten am Dienstag vorläufige Daten zur Wirksamkeit des BioNTech/Pfizer-Vakzins gegen Omikron veröffentlicht. Die Ergebnisse legen einer Mitteilung zufolge nahe, dass die Virusvariante der Antikörperantwort von zweifach Geimpften entkommt. Bei Geimpften, die zusätzlich infiziert waren, war demnach aber eine beträchtliche Antikörperantwort messbar. Auch diese Ergebnisse sind noch nicht in einem Fachjournal veröffentlicht.