Fahrgäste auf einem U-Bahnsteig mit Mundschutz | dpa

Maskenpflicht in Kraft Ab sofort nur noch "mit"

Stand: 27.04.2020 11:16 Uhr

Jetzt helfen weder Zweifel noch Ausreden - seit heute an gilt fast bundesweit eine Maskenpflicht. Erste Stichproben zeigen: Die Vorschrift wird angenommen. Die Debatte über Ausmaß und Sinn aber läuft weiter.

Draußen nur mit Mund-Nase-Schutz: In allen Bundesländern außer Schleswig-Holstein ist mit dem heutigen Tag eine Maskenpflicht in Kraft getreten. Die Vorschrift unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland, gilt zumeist aber in Geschäften und dem öffentlichen Nahverkehr.

Eine nicht repräsentative Stichprobe am Stuttgarter Hauptbahnhof zeigte, dass die meisten Bürger der Vorschrift Folge leisteten. Stefan Keilbach, Sprecher der Stuttgarter Polizei, sagte im ARD-Morgenmagazin, rund 90 Prozent hielten sich an die neue Regel, bei allen übrigen genüge ein "kleiner Fingerzeig". Keilbach lobte die Stuttgarter, sagte aber auch, dass an Bahnhöfen im Freien die Maskenpflicht stärker beachtet werden könnte.

Scheuer denkt an Ausweitung

Möglicherweise sind die jetzigen Vorschriften nur ein erster Schritt. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sagte, er plädiere für eine Schutzmasken-Pflicht auch im öffentlichen Fernverkehr. Das wolle er für die Gespräche der Bundesregierung mit den Ministerpräsidenten in dieser Woche vorschlagen, erklärte der CSU-Politiker.

Aus seiner Sicht wäre es ein "Systembruch", im Fernverkehr eine andere Regel zu haben als im Nahverkehr, betonte der Minister. Wichtig sei, dass im Bahnverkehr etwa in Italien und Frankreich nicht andere Regeln gelten als in Deutschland, sagte Scheuer.

Fahrgäste mit Mundschutz in der Berliner U-Bahn umarmt sich | dpa

Das mit Mundschutz klappt bei diesen Zwei schon mal ganz gut. Ob das auch für die soziale Distanz gilt, können nur sie allein beurteilen. Bild: dpa

Montgomery spricht von "Versagen"

Weltärztepräsident Frank-Ulrich Montgomery erneuerte seine Kritik an der Maskenpflicht und warf der Bundesregierung Versagen vor. Sie habe es nicht geschafft, medizinische Schutzmasken des Typs FFP2 frühzeitig in hinreichendem Umfang zu beschaffen. Die FFP2-Masken seien jedoch die Lösung, die die Politik jetzt liefern müsse.

Montgomery hatte schon zuvor bemängelt, dass einfache Masken Viren nicht abhalten und diese sich bei unsachgemäßer Nutzung dort sogar anreichern können. Eine gesetzliche Pflicht für nicht funktionierende Masken sei "ein Armutszeugnis eines Staates", sagte er dem "Deutschlandfunk".

Die Bundesländer hatten sich in den vergangenen Wochen nach und nach zur Einführung einer Maskenpflicht entschlossen. Beginn und Ausmaß gingen jedoch auseinander. So verzichtet Berlin auf eine entsprechende Vorgabe für den Einzelhandel. In Schleswig-Holstein tritt eine Vorschrift erst am Mittwoch in Kraft. Auch bei den Bußgeldern gibt es Unterschiede.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 27. April 2020 um 06:07 Uhr.