Kundin mit Mundschutz wird in Supermarkt von Verkäuferin mit Mundschutz bedient. | Bildquelle: dpa

Kritik an Corona-Maßnahme Trügerische Sicherheit durch Masken?

Stand: 23.04.2020 13:20 Uhr

Alle Bundesländer haben eine Maskenpflicht beschlossen - die Debatte über den Sinn der Maßnahme ist damit aber nicht vorbei. Ärzte kritisieren die Vorschrift und warnen vor trügerischer und geringerer Sicherheit.

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hat die ab kommender Woche in ganz Deutschland im Kampf gegen das Coronavirus geltende Maskenpflicht scharf kritisiert. Wer eine Maske trage, werde durch ein trügerisches Sicherheitsgefühl dazu verleitet, den "allein entscheidenden Mindestabstand" zu vergessen, sagte Montgomery der "Rheinischen Post". Auch könnten die Masken bei unsachgemäßem Gebrauch gefährlich werden, warnte der Vorsitzende des Weltärztebundes.

Frank Ulrich Montgomery auf dem Podium des Deutschen Ärztetags in Münster. | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX
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Montgomery befürchtet, dass sich durch die Maskenpflicht "ein trügerisches Sicherheitsgefühl" verbreitet. (Archiv)

Im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen werde die Gesichtshaut berührt, schneller sei eine Infektion kaum möglich. Er trage zwar selber "aus Höflichkeit und Solidarität" eine Maske, halte aber eine gesetzliche Pflicht für "falsch".

Montgomery kritisierte auch, dass Landesregierungen das Tragen einfacher Masken wie auch die Verwendung von Schals oder Tüchern für den Atemschutz als ausreichend bezeichnen. Eine Pflicht zum Tragen von Schals oder Tüchern vor dem Gesicht sei "lächerlich". Er hob zugleich hervor, dass "echt wirksame Masken" derzeit noch für das medizinische Personal, Pflegekräfte und unmittelbar Gefährdete gebraucht würden.

Warnung vor einer Vorschrift für Kinder

Der Kinder- und Jugendarztpräsident Thomas Fischbach warnte zugleich vor einer Maskenpflicht für Kindergartenkinder zur Eindämmung der Corona-Pandemie. "Es mag auch jüngere Kinder geben, die einen Mund-Nasen-Schutz akzeptieren, doch die allermeisten werden das eher als Spielzeug betrachten, daran herumhantieren und damit die Infektionsgefahr eher noch verstärken", sagte Fischbach den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es sei deswegen unklug, sollten einige Bundesländer das Maskentragen in öffentlichen Bereichen sogar für Kleinkinder vorschreiben

Fischbach sagte weiter, eine Maskenpflicht sei aus entwicklungspsychologischer Sicht erst vom Grundschulalter an sinnvoll. Grundschüler seien meistens schon in der Lage, mit Masken vernünftig umzugehen.

Debatte mit vielen Wendungen

Das Tragen von Schutzmasken in öffentlichen Bereichen wird künftig in ganz Deutschland Pflicht sein. Das gilt in den meisten Bundesländern für das Fahren in Bus und Bahnen sowie für das Einkaufen in Geschäften. Am Mittwoch hatten auch Brandenburg, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und das Saarland entsprechende Regelungen angekündigt. Die übrigen zehn Bundesländer hatten schon zuvor solche Regelungen beschlossen oder verkündet. Der Starttermin für die Vorschrift differiert aber.

Den Beschlüssen war eine wochenlange Debatte über den Sinn einer solchen Maßnahme vorausgegangen. Ursprünglich hatte das Robert Koch-Institut eine solche allgemeine Vorschrift nicht für notwendig erachtet und, wie die Weltgesundheitsorganisation und viele andere Ärzte und Politiker auch, die Ansicht vertreten, dass nur medizinische Masken einen wirksamen Schutz gewährleisten. Anfang April änderte das Institut seine Haltung und erklärt nun, auch eine einfache Schutzmaske könne das Risiko verringern, eine andere Person anzustecken. Zugleich könne das Tragen solcher Masken gesundheitsbewusstes Verhalten unterstützen.

Dieser Beitrag lief am 23. April 2020 um 01;00 Uhr auf NDR Info.

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