Flugzeug der Luftwaffe | Bildquelle: dpa

Coronavirus Falscher Verdacht im Ministerjet

Stand: 29.02.2020 18:16 Uhr

Im Regierungsflieger von Entwicklungsminister Müller gab es bei der Rückkehr aus Indien und Bangladesch kurzzeitig einen Coronavirus-Verdacht. Wenig später stellte sich das Ganze als Missverständnis heraus.

Von Georg Schwarte, ARD-Hauptstadtstudio

Freitagabend, 18.05 Uhr an Bord der Luftwaffenmaschine "German Airforce 648". Ein Learjet der Bundeswehr mit 15 Reisenden, unter ihnen der Bundesminister für Entwicklung, Gerd Müller, und auch drei Journalisten, die den Minister auf seiner Reise nach Bangladesch und Indien begleiteten.

In 30 Minuten soll das Flugzeug in München landen, als das Ministerhandy klingelt. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbarer ruft Minister Müller an und teilt ihm offenbar mit, dass einer der Piloten, die diese Maschine am Montag nach Bangladesch geflogen hatten, positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Alle an Bord würden in München von Virologen empfangen. Ein Corona-Schnelltest werde durchgeführt, möglicherweise häusliche Quarantäne notwendig werden. Die Kanzlerin sei informiert, dass Minister Müller betroffen sei. 

Corona-Schnelltest für alle Passagiere geplant

30 Minuten später: Die "Global 6000" steht auf der Landebahn in München, drei Amtsärzte betreten das Flugzeug: "Ich hoffe, Sie alle sind vorbereitet worden, dass wir jetzt dieses Flugzeug betreten", so der Amtsarzt der Bundeswehr.

Gerd Müller | Bildquelle: dpa
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Entwicklungsminister Müller war selbst sehr überrascht von den Maßnahmen.

Minister Müller bringt es auf den Punkt: Niemand sei bisher umfassend informiert, sagt er. Der Amtsarzt der Bundeswehr Süd teilt dann allen Passagieren erneut mit, dass der Pilot, der das Flugzeug vor fünf Tagen am Montag nach Bangladesch geflogen habe, dort ausgetauscht worden sei und nach seiner Rückkehr positiv auf das Coronavirus getestet worden sei. Derzeit liege er im Bundeswehrkrankenhaus Koblenz.

Kurze Verwirrung an Bord. Denn der Pilot, der die drei Besatzungsmitglieder und elf Passagiere nach Bangladesch flog, wurde nie ausgetauscht, war stets derselbe. Der Minister hält telefonisch Rücksprache mit der Verteidigungsministerin. Der Amtsarzt der Bundeswehr übergibt an den Amtsarzt der Taskforce Infektiologie der Landesregierung München.

Fehlerhafte Information führte zum Verdacht

Nach 15 Minuten steht fest: Die Bundeswehr hat Ministerin Kramp Karrenbauer ganz offenbar falsche Informationen mitgeteilt. Es gab keinen Pilotentausch. Minister Müller verlangt, mit dem Experten des Bundeswehrkrankenhauses Koblenz zu sprechen, will anschließend eine klare Aussage der Amtsärzte an Bord, ob ein Corona-Schnelltest notwendig und möglicherweise auch auf freiwilliger Basis sinnvoll sei. Beide Amtsärzte verneinen das auch auf mehrfache Rückfrage des Ministers: Es bestehe kein Anfangsverdacht, keine Infektionsgefahr. Es habe offenbar keinen Kontakt mit einem infizierten Piloten gegeben.

Auch die Meldung, der Co-Pilot dieser Maschine habe über eine weitere Kontaktperson mittelbar mit einem tatsächlich infizierten Flugbegleiter der Bundeswehr Kontakt gehabt, bestätigt sich nicht. Eine Stunde später dürfen der Entwicklungsminister und die übrigen Passagiere das Flugzeug in München verlassen - kein Coronaverdacht.

Allgemeines Aufatmen - aber auch allgemeine Verwunderung über die fehlerhafte Informationskette der Bundeswehr in aufgeregten Corona-Zeiten. Minister Müller will nun aufklären lassen, wie es zu den Falschinformationen über den angeblich mit dem Coronavirus infizierten Piloten kommen konnte.

Coronaverdacht im Ministerjet - Verwirrung um Minister Müller
Georg Schwarte, ARD Berlin
29.02.2020 17:20 Uhr

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