Eine Kassiererin an der Kasse beim Netto Marken-Discount | Bildquelle: picture alliance/dpa

Handel und Corona-Krise Es ist genug für alle da

Stand: 15.03.2020 17:01 Uhr

Im Netz kursieren die Bilder von leeren Supermarktregalen. Doch die Sorge vor Versorgungslücken sei unbegründet, versichert der Lebensmittelhandel. Lieferketten funktionierten, das Horten von Vorräten sei unnötig.

Supermärkte und Lebensmittelläden verzeichnen seit Ausbruch der Corona-Krise eine steigende Nachfrage. Sogenannte Hamsterkäufe sind nach Aussage des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) jedoch unnötig.

Es gebe kein Nachschubproblem, betonte Christian Böttcher, Sprecher des Verbands: "Die Logistikketten arbeiten unter Volllast, aber sie funktionieren." Die Darstellung von Engpässen, die sich vor allem durch Fotos und Videos von leeren Regalen im Netz verbreitet, entspräche "nicht der Wahrheit". Teils könnten die Regale aber gar nicht so schnell wieder aufgefüllt werden, wie die Ware verkauft werde.

Märkte bleiben wie gewohnt geöffnet

Zudem versicherte er, die Märkte würden wie gewohnt an sechs Tagen in der Woche geöffnet bleiben. Darum rief Böttcher Kunden dazu auf, ihre Einkäufe wenn möglich auch unter der Woche und nicht nur am Freitag oder Samstag zu erledigen.

Um die Versorgung zu sichern, sei an diesem Sonntag auch erstmals das Fahrverbot für Lkw aufgehoben worden, fügte Böttcher hinzu. So könnten Märkte schneller beliefert werden.

Vorräte "mit Augenmaß" auffüllen

Auch die Regierung hatte versichert, dass die Sorge vor Versorgungslücken unbegründet sei. Bundesernährungsministerin Julia Klöckner rief daher die Menschen dazu auf, ihre Vorräte "mit Bedacht, Augenmaß und umsichtig aufzustocken":

"Gerade mit Blick auf die jetzige Situation ist nicht nur die Solidarität der Verbraucher untereinander gefragt, sondern auch Maß und Mitte."

Grenzen für Lkw-Verkehr weiter geöffnet

Auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte auf Twitter betont, es gebe keinen Grund zur Sorge, die Versorgung könne nicht mehr gewährleistet sein. Ein Risiko sah er in einer möglichen Grenzschließung Polens für Lkw-Fahrer. Die würden dann auf deutschen Straßen fehlen. Polen hatte am Freitag angekündigt, seine Grenzen zu schließen. Der Warenverkehr ist davon aber ausgenommen.

"Im schlimmsten Fall", betonte Scheuer, könne auch die Bundeswehr herangezogen werden, um "die Versorgung aufzufangen". "Aber soweit sind wir noch nicht."

Auch die nun von der Bundesregierung beschlossene Schließung der eigenen Grenzen zu Frankreich, Österreich und der Schweiz hat nach Angaben der "Bild"-Zeitung nicht nur den Zweck, die Ausbreitung des Coronavirus möglichst einzudämmen: Sie könne auch verhindern, dass Bürger aus den Nachbarstaaten in Deutschland einkaufen, weil es in ihrem Land zu Versorgungslücken gekommen sei.

Heftige Umsatzeinbußen für Gastronomie und Hotels

Experten des Unternehmensberaters Boston Consulting Group schätzen, dass die Märkte bundesweit noch über Wochen mit einem dauerhaften Umsatzplus von bis zu 15 Prozent rechnen können. Allerdings ändere sich die Nachfrage: Waren zuerst Hygiene- und Drogerieartikel besonders gefragt, folgten darauf lang haltbare Lebensmittel wie Nudeln und Reis. Doch auch frische Produkte würden in der Nachfrage steigen, da die Menschen weniger auswärts essen, sondern vor allem zu Hause kochen.

Dieser Trend sorgt bei Restaurants und Bars bereits für starke Gewinneinbußen, auch Hotels verzeichnen einen deutlichen Rückgang der Besucherzahlen. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga spricht schon jetzt davon, dass "Umsatzeinbußen im nie gekannten Ausmaß" erreicht würden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. März 2020 um 17:00 Uhr.

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