Chipkarten von Krankenkassen | dpa

Prognose der Schätzer Krankenkassen fehlen sieben Milliarden

Stand: 13.10.2021 19:51 Uhr

Den gesetzlichen Krankenkassen droht im kommenden Jahr ein Milliardenloch. Gesundheitsminister Spahn bekräftigte trotzdem die Zusage, die Beiträge der Versicherten stabil zu halten.

Die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland benötigen im kommenden Jahr einen Rekordzuschuss vom Bund. Wie der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) mitteilte, gibt es einen zusätzlichen Finanzbedarf von sieben Milliarden Euro. Dies habe der Schätzerkreis aus Experten von Bundesgesundheitsministerium, Bundesamt für Soziale Sicherung und GKV-Spitzenverband prognostiziert.

Das Gremium rechnet nach eigener Mitteilung mit Ausgaben für die Krankenkassen von rund 284 Milliarden Euro, nach voraussichtlich 272 Milliarden Euro in diesem Jahr. Da gesetzlich festgeschrieben wurde, dass die Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung im nächsten Jahr bei durchschnittlich 1,3 Prozent stabil gehalten werden sollen, muss die Lücke durch weiteres Geld vom Bund geschlossen werden.

Gesundheitsminister sagt stabile Beiträge zu

Der Bundeszuschuss fließt, wie auch die Krankenkassenbeiträge von Arbeitgebern und Arbeitnehmern, in den Gesundheitsfonds, aus dem Ausgaben der Kassen bestritten werden. Üblicherweise beträgt der Zuschuss 14,5 Milliarden Euro. Für das kommende Jahr waren bereits zusätzliche sieben Milliarden eingeplant. Mit weiteren sieben Milliarden würde der Zuschuss auf 28,5 Milliarden Euro anwachsen. Die Bundesregierung muss das per Verordnung auf den Weg bringen.

Gesundheitsminister Jens Spahn sagte: "Wir haben in den letzten drei Jahren viel investiert: in bessere Pflege, in schnellere Digitalisierung, in flächendeckende Versorgung - und vor allem auch in die Pandemiebewältigung. Das zahlt sich für die Patientinnen und Patienten aus. Aber das kostet, zumal nach einer Wirtschaftskrise."

Das Parlament habe die Zusage stabiler Beiträge ins Gesetz geschrieben. Zu dieser Sozialgarantie stehe man. "Daher werden wir nun zügig eine entsprechende Rechtsverordnung vorlegen und mit dem Bundesministerium für Finanzen abstimmen."

Kritik vom DGB

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) warf Spahn vor, die höheren Kosten selbst mit verursacht zu haben. "Seine teuren Reformen haben ein wachsendes Loch in die Finanzen der Krankenkassen gerissen", erklärte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel. "Das wieder zu stopfen, ist eine große Aufgabe für die nächste Bundesregierung. Auch deshalb ist jeder erneute Zugriff auf die Rücklagen der Mitglieder bei den Krankenkassen nicht nur ungerecht, sondern auch absolut unverantwortlich."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Oktober 2021 um 20:00 Uhr.