Menschen in der Kölner Innenstadt. | dpa

Corona-Infektionen Virologe unterstützt Ende der Isolationspflicht

Stand: 12.11.2022 15:54 Uhr

Vier Bundesländer wollen Schluss machen mit der Isolationspflicht für Corona-Infizierte. Der Virologe Schmidt-Chanasit findet das vertretbar. Kritiker warnen allerdings davor, Covid-19 zu verharmlosen.

Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit hält es für akzeptabel, die Isolationspflicht für Corona-Infizierte aufzuheben - wie es in einigen Bundesländern geplant ist. "Ich finde diesen Vorschlag der vier Bundesländer aus medizinischer Sicht nachvollziehbar. Er ist in der aktuellen Pandemiesituation auch vertretbar", sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

In Einrichtungen, in denen es eine größere Gefahr gebe - wie Krankenhäuser oder Altenheime - habe man gute Hygienekonzepte und Fachkräfte, die verhinderten, dass es zu einem problematischen Infektionsgeschehen komme, sagte Schmidt-Chanasit. "Aber eine allgemeine Regelung für alle Bereiche ist in dieser aktuellen Situation nicht mehr angebracht und sorgt ja auch für problematische Einschränkungen in dem Bereich der kritischen Infrastruktur."

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek sprach von Vor- und Nachteilen. "Es gibt politische und gesellschaftliche Argumente dafür und dagegen", schrieb sie bei Twitter. Covid-19 sei aber nicht "nur ein Schnupfen."

Vier Bundesländer hatten sich darauf verständigt, die Isolationspflicht für Corona-Infizierte ab dem 16. November abzuschaffen. Es handelt sich um Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Schleswig-Holstein, wie das baden-württembergische Gesundheitsministerium in Stuttgart mitteilte.

In diesen Ländern sollten "zeitnah" neue Regelungen in Kraft treten, die Details würden derzeit ausgearbeitet. Die generelle Isolationspflicht für positiv getestete Personen soll demnach aufgehoben werden. "An deren Stelle werden die Länder angepasst verpflichtende Schutzmaßnahmen wie eine begrenzte Maskenpflicht positiv getesteter Personen sowie dringende Empfehlungen einführen", heißt es in der Mitteilung aus Stuttgart.

Wieder mehr Eigenverantwortung

"Wir läuten eine neue Phase im Umgang mit der Pandemie ein", erklärte Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne). "Es ist Zeit, den Menschen wieder mehr Eigenverantwortung zu übertragen."

Die Bundesländer berufen sich den Stuttgarter Angaben zufolge "unter anderem auf Erfahrungen aus Nachbarländern wie Österreich, wo es seit Sommer 2022 absonderungsersetzende Schutzmaßnahmen gibt". Aus diesen Ländern seien keine negativen Erkenntnisse bekannt. "Zurückgehende Infektionszahlen, eine wirksame Schutzimpfung, eine Basisimmunität innerhalb der Bevölkerung von mehr als 90 Prozent, in der Regel keine schweren Krankheitsverläufe sowie wirksame antivirale Medikamente rechtfertigen aus Sicht der Länder, diesen Schritt zeitnah zu gehen."

Der Mitteilung zufolge verständigten sich die Länder auf gemeinsame Empfehlungen als Grundlage für ihre neuen Regelungen. Diese sehen etwa vor, dass positiv Getestete außerhalb ihrer eigenen Wohnung eine Maske tragen müssen - außer im Freien, wenn ein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. Vorgesehen ist demnach auch, dass positiv Getestete medizinische und pflegerische Einrichtungen nicht als Besucher betreten dürfen.

Kritik von Patientenschützern

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach kritisierte die Ankündigung der vier Bundesländer. Er halte das für einen Fehler. Es würde zu einem Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen in ganz Deutschland führen. Es gebe auch keinen medizinischen Grund, auf die Isolationspflicht zu verzichten, so der SPD-Politiker.

Auch die Deutsche Stiftung Patientenschutz sprach sich gegen die Abschaffung aus. Die Isolationspflicht verhindere die ungehinderte Ausbreitung des Virus, so Vorstand Eugen Brysch. So werde Leiden und Sterben verhindert. Es sei chaotisch, wenn jetzt in jedem Bundesland in dieser zentralen Frage unterschiedliche Regelungen gelten sollten.

RKI: Ende der Selbstisolation nach Negativtest

Die vier Bundesländer, die nun gemeinsam die Aufhebung der Isolationspflicht angekündigt haben, hatten Lauterbach Ende September in einem gemeinsamen Schreiben aufgefordert, dafür zu sorgen, dass das Robert Koch-Institut (RKI) seine Isolationsempfehlungen für Corona-Infizierte ändert. Lauterbach wies das damals umgehend zurück.

Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) erklärte, dass die Länder sich über die RKI-Empfehlung hinwegsetzen können.

Das RKI empfiehlt den Ländern, für Infizierte fünf Tage Isolation anzuordnen. Angeraten wird eine dringende Empfehlung, die Selbstisolation danach erst dann zu beenden, wenn ein (Selbst-)Test negativ ausfällt. Beschäftigte des Gesundheits- und Pflegewesens sollen zudem 48 Stunden vor der Testabnahme symptomfrei gewesen sei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. November 2022 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.