Eine Spritze mit Corona-Impfstoff | dpa

Corona-Impfung "Mix and Match" wohl sehr wirksam

Stand: 09.06.2021 15:13 Uhr

Die Ständige Impfkommission empfiehlt unter 60-Jährigen, die das AstraZeneca-Vakzin bekommen haben, für die zweite Impfung BioNTech/Pfizer. Erste Daten zur Wirksamkeit sind vielversprechend.

Von Franziska Ehrenfeld, SWR

Beim "Mix and Match"-Verfahren wird nach einer Erstimpfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff die zweite Dosis von BionNTech/Pfizer verabreicht. Das soll laut ersten Erkenntnissen sehr wirksam sein. Diese Kombination bietet möglicherweise den bisher besten Schutz gegen Covid-19. Inzwischen weisen darauf mehrere Studien hin. Allerdings sind sie vergleichsweise klein und noch nicht von unabhängigen Forschenden gegengeprüft worden.

Laut vorläufigen Erkenntnissen der Berliner Charité sei die Immunantwort nach "Mix and Match"-Impfungen mit der nach zweifacher BioNTech-/Pfizer-Impfung vergleichbar, aber tatsächlich sogar etwas höher. An der Studie nahmen 340 Mitarbeitende aus dem Gesundheitswesen teil. Vorläufige Ergebnisse einer spanischen Studie des Gesundheitsinstituts Carlos III mit knapp 700 erwachsenen Probandinnen und Probanden bis 59 Jahren zeigen ebenfalls, dass das Antikörperniveau nach "Mix and Match" höher ist als nach zwei Dosen der AstraZeneca- oder BioNTech-/Pfizer-Impfstoffe.

Universität des Saarlandess: Zehnmal höheres Antikörperniveau

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt offenbar auch eine Studie der Universität des Saarlandes. Demnach sei die Immunantwort nach "Mix and Match"-Impfungen sogar deutlich stärker als nach zwei AstraZeneca-Impfungen. Im Vergleich zur reinen BioNTech-Impfung sei die Wirksamkeit geringfügig höher. Eine kombinierte Impfung habe zehnmal mehr Antikörper hervorgerufen als eine reine AstraZeneca-Impfung. Auch bei der Bildung der sogenannten T-Zellen schnitt der Impfstoff-Mix am besten ab. T-Zellen sind ein ebenfalls wichtiger Teil der Immunabwehr. T-Gedächtniszellen können sich Krankheitserreger "merken", T-Killerzellen greifen infizierte Zellen an.

Die vorläufigen Daten beruhen allerdings auf nur 250 Freiwilligen und sind bisher weder wissenschaftlich gegengeprüft, noch veröffentlicht. Die Immunologie-Professorin Martina Sester von der Universität des Saarlandes ist optimistisch:

Wir sind der Meinung, dass man, wenn noch weitere Forscherteams zu ähnlichen Ergebnissen kommen, intensiv über eine Kombination von Vektor- und mRNA-Impfstoffen nachdenken sollte.

Auch Ulmer Studie zeigt vielversprechende Daten

In Deutschland laufen gerade mehrere Studien zu diesem Thema. Die ebenfalls noch nicht überprüften Ergebnisse einer Ulmer Untersuchung stützen die saarländischen Erkenntnisse. Die Studie mit 26 freiwilligen jungen Erwachsenen kam zu dem Ergebnis, dass die neutralisierende Aktivität der Antikörper nach "Mix and Match" fast viermal so hoch war wie nach einer doppelten BioNTech-Impfung. Auch gegen die Varianten Beta und Delta, die zuerst in Südafrika beziehungsweise Indien entdeckt worden waren, soll die Impfstoff-Kombination gut wirken.

Dass die Kombination zweier Corona-Impfstoffe die Immunantwort sogar erhöhen könnte, haben Forschende schon länger vermutet. Das sogenannte heterologe Prime-Boosting hat nämlich auch schon in der Ebola- und HIV-Forschung Erfolge gezeigt.

Keine Hinweise auf stärkere Nebenwirkungen

Im Februar hatte in Großbritannien die sogenannte "Com-COV-Studie" begonnen. Sie untersucht die Auswirkungen einer Kombination von Covid-19-Impfstoffen. Ergebnisse zur Wirksamkeit gibt es hier zwar noch nicht, aber bereits im Mai wurden erste Daten zur Sicherheit in der renommierten Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht. Demnach sei die Mischung der Impfstoffe von AstraZeneca und BioNTech/Pfizer sicher.

Es gab aber Hinweise darauf, dass die Nebenwirkungen nach der zweiten Impfung mit einem anderen Impfstoff stärker sind, als wenn beide Male das gleiche Mittel verabreicht wurde. Die "Mix and Match"-Geimpften meldeten zum Beispiel deutlich öfter Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Fieber und Schüttelfrost nach der zweiten Impfung. Ins Krankenhaus musste deshalb aber offenbar niemand.

Die neuesten Ergebnisse aus Spanien, Berlin, dem Saarland und Ulm weisen aber auf keine erhöhten Nebenwirkungen hin. Laut der spanischen Studie ähnelten die Nebenwirkungen denen nach Impfungen mit zwei Impfdosen des gleichen Herstellers. Das öffentliche Forschungsinstitut schreibt außerdem: "Keine der Nebenwirkungen führte zu einer zusätzlichen medizinischen Behandlung oder einem Krankenhausaufenthalt."

STIKO-Empfehlung für "Mix and Match" schon seit April

Das Mittel des schwedisch-britischen Arzneimittelkonzerns AstraZeneca hatte bei jüngeren Menschen vereinzelt schwerwiegende Thrombosen verursacht. Das "Mix and Match"-Verfahren wird deshalb von der STIKO seit dem 1. April für alle unter 60-Jährigen empfohlen, die ihre Erstimpfung mit dem AstraZeneca-Impfstoff erhalten haben.

Allerdings gab es dazu bisher kaum wissenschaftliche Daten. Die STIKO-Empfehlung beruhte auf der Einschätzung von Expertinnen und Experten und war letztlich eine Abwägung aus Chancen und Risiken.

Über dieses Thema berichtete NDR 1 Niedersachsen am 04. Juni 2021 um 16:00 Uhr.