Ein Mitarbeiter des Gesundheitswesens bereitet im Krankenhaus Severo Ochoa in Madrid eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von Pfizer/BioNTech vor. | dpa

Debatte über Auffrischungen Ärztepräsident kritisiert Drittimpfungen ohne Empfehlung

Stand: 02.09.2021 05:25 Uhr

Ärztepräsident Reinhardt hat kritisiert, dass Auffrischimpfungen ohne STIKO-Empfehlung angeboten werden. Es fehlten aussagekräftige Studien. So werde eine Erwartungshaltung geschürt, die viele Ärzte nicht bedienen wollten.

In der Debatte über Auffrischimpfungen hat Ärztepräsident Klaus Reinhardt kritisiert, dass diese ohne Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) angeboten werden. Zwar spreche theoretisch einiges dafür, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Nach bisherigem Kenntnisstand und Auffassung namhafter Experten ist sie aber für die meisten Geimpften nicht sofort nötig."

Insgesamt fehlten noch aussagekräftige Studien, ob, wann und für wen eine sogenannte Boosterimpfung nötig sei. "Da ist also von der Politik eine Erwartungshaltung bei den Patienten geschürt worden, die viele Ärztinnen und Ärzte ohne eine wissenschaftlich fundierte Impfempfehlung nicht bedienen wollen", sagte Reinhardt. Er nannte das Vorgehen einen Fehler von Bund und Ländern.

Laut Bericht zeitnahe Empfehlung angestrebt

Mehrere Bundesländer haben damit begonnen, Pflegebedürftigen, über 80-Jährigen und Menschen mit Immunschwäche die dritte Impfung anzubieten, wenn die letzte mindestens sechs Monate zurückliegt. Die STIKO plant eine Empfehlung zeitnah, wie ihr Chef Thomas Mertens der Deutschen Presse-Agentur gesagt hatte. Die Aufarbeitung der vorliegenden Daten sei in vollem Gange. Auf ein genaues Datum könne er sich aber noch nicht festlegen.

Bereits gestern hatte die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine Positionierung der STIKO gefordert. KBV-Chef Andreas Gassen sagte im rbb, er hoffe, dass die STIKO "relativ zeitnah" eine entsprechende Empfehlung formulieren werde. Das würde auch die Diskussion mit Patientinnen und Patienten vereinfachen.

Gassen: Pandemie wohl im Frühjahr vorbei

Der "Rheinischen Post" sagte Gassen nun auch, er rechne mit einem baldigen Ende der Corona-Pandemie. "Ich gehe davon aus, dass im Frühjahr 2022 Schluss sein wird mit Corona", sagte er. Diese Einschätzung werde auch von renommierten Wissenschaftlern geteilt. Bis zum Frühjahr werde die Impfquote weiter ansteigen und vor allem auch die Zahl der Genesenen mit Antikörpern zunehmen. "Einschränkungen werden dann wohl gänzlich unnötig werden."

Zwar würden die Infektionszahlen im Herbst noch einmal ansteigen. Dennoch sehe er "in der Ärzteschaft keine großen Sorgen, dass das Gesundheitssystem noch kollabieren könnte. Die Zahl schwerer Erkrankungen wird deutlich unter dem Niveau des letzten Winters bleiben", so Gassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2021 um 06:00 Uhr.