In einem Testzentrum im Kreis Gütersloh nehmen Mitarbeiter Speichelproben von zwei Menschen, die in einem Auto sitzen. | Bildquelle: DAVID HECKER/EPA-EFE/Shutterstoc

Tests im Kreis Gütersloh 75 Corona-Fälle ohne Bezug zu Tönnies

Stand: 28.06.2020 13:35 Uhr

Bei Tönnies im Kreis Gütersloh hatten sich mehr als 1500 Mitarbeiter mit Corona infiziert. Nun gibt es nach Angaben des Kreises auch außerhalb der Belegschaft einen "merklichen" Anstieg neuer Fälle: 75 Tests fielen positiv aus.

Nach dem massiven Corona-Ausbruch in einem Betrieb der Fleischfirma Tönnies im Kreis Gütersloh war nicht nur die Belegschaft im großen Stil getestet worden, auch viele Bewohner des Kreises machten freiwillig einen Corona-Test. Anfangs hieß es, außerhalb der Belegschaft gebe es nur sehr wenige neue Fälle. Doch dieses Bild ändert sich nun.

Die Zahl nachgewiesener Corona-Infektionen in der Bevölkerung ohne direkten Bezug zur Tönnies-Belegschaft sei "merklich" gestiegen, teilte der Kreis am Samstagabend mit. Binnen einer Woche - vom 20. bis 26. Juni - wurden demnach 75 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet, die keinen Bezug zum Unternehmen haben.

Kreis verweist auf vermutete hohe Dunkelziffer

Wenige Stunden zuvor hatte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann nach dem Besuch eines Testzentrums in Gütersloh davon berichtet, dass bei rund 4100 Tests in der Allgemeinbevölkerung nur neun Infektionen nachgewiesen worden seien. Dabei nannte er allerdings keinen Zeitraum für diese Daten. Ein Ministeriumssprecher verwies darauf, dass den Kreisen häufig früher Daten vorliegen als auf Landesebene.

Nach Angaben des Kreises, ist die Zunahme vermutlich durch die starke Ausweitung der Tests unter anderen in den sechs Diagnosezentren bedingt. Ein Sprecher des Kreises verwies auf Nachfrage auf die Dunkelziffer bei den Infektionen, die auch bei Corona vermutet wird. Ein gutes Zeichen sei, dass es keinen Anstieg der an Covid-19 Erkrankten gebe.

Im Kreis Warendorf sehen die Behörden keine Anzeichen für eine Ausbreitung des Virus unter der übrigen Bevölkerung. "Der bisherige Trend zeigt, dass das Virus nicht auf die allgemeine Bevölkerung übergesprungen ist", erklärte Landrat Olaf Gericke. Nach Angaben des Kreises waren nur zwei der insgesamt 4491 Corona-Tests positiv, die bis Samstagnachmittag in den Testzentren Oelde und Ahlen sowie bei Ärzten ausgewertet worden.

Künftig zwei Tests pro Woche und Mitarbeiter vorgeschrieben

In dem Tönnies-Werk hatten sich mehr als 1500 Mitarbeiter infiziert. Zuvor war es bereits in anderen Schlachtbetrieben zu größeren Infektionsherden gekommen. Um künftig schneller ein Bild von der Situation in den Schlachthöfen zu bekommen, muss künftig in NRW die gesamte Belegschaft mindestens zweimal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden. Das schreibt eine neue Allgemeinverfügung des Landesarbeitsministeriums vor. Die Vorgaben gelten vom 1. Juli an für Schlachthöfe, Zerlegebetriebe und überwiegend fleischverarbeitende Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Mitarbeiter direkt bei dem Unternehmen angestellt oder über Werkverträge beschäftigt sind. Die Betriebe werden nach Angaben des Ministeriums zudem verpflichtet, die Namen und Wohn- oder Aufenthaltsadressen sämtlicher auf dem Betriebsgelände anwesenden Personen zu erheben und für vier Wochen aufzubewahren, um sie gegebenenfalls den Behörden vorlegen zu können.

Bereits im Mai hatte es beim Schlachtbetrieb Westfleisch im münsterländischen Coesfeld ebenfalls einen Corona-Ausbruch mit rund 300 positiv getesteten Schlachthof-Mitarbeitern gegeben.

Durch den Ausbruch bei Tönnies gelten für rund 640.000 Menschen im Kreis Gütersloh und dem benachbarten Kreis Warendorf derzeit verschärfte Corona-Auflagen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Juni 2020 um 10:00 Uhr.

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