Eine Intensivpflegerin ist im Schutzkleidung auf einer Covid-19 Intensivstation.

Coronavirus-Pandemie Weniger neue Fälle, viele Tote

Stand: 26.01.2021 08:47 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen sinkt weiter, die Todeszahlen verharren jedoch auf hohem Niveau. Gesundheitsminister Spahn ist dennoch vorsichtig optimistisch - und schließt Lockerungen zu gegebener Zeit nicht mehr aus.

Die deutschen Gesundheitsämter haben dem Robert Koch-Institut (RKI) 6408 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages gemeldet. Außerdem wurden 903 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet, wie das RKI bekannt gab.

Vor einer Woche hatte das RKI 11.369 Neuinfektionen und 989 neue Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Allerdings enthielten diese beiden Werte Nachmeldungen aus Rheinland-Pfalz. Der Höchststand von 1244 Todesfällen innerhalb eines Tages war am 14. Januar erreicht worden. Bei den binnen 24 Stunden registrierten Neuinfektionen war mit 33.777 am 18. Dezember der höchste Wert gemeldet worden.

Sieben-Tage-Inzidenz bei 107,6

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner - die Sieben-Tage-Inzidenz - lag laut RKI im Bundesdurchschnitt bei 107,6. Ihr bisheriger Höchststand war am 22. Dezember mit 197,6 erreicht worden. Der Wert geht seit Wochen zurück, liegt aber immer noch deutlich über dem von der Bundesregierung gesetzten Ziel von unter 50.

Seit Beginn der Pandemie zählte das RKI 2.148.077 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte noch deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder mit einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 52.990. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 1.844.000 an.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht bei 0,95 (Vortag 1,01). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 95 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter eins, flaut das Infektionsgeschehen ab.

"Gutes Zeichen, dass unsere Anstrengungen Erfolge zeigen"

Angesichts rückläufiger Infektionszahlen werden die Forderungen nach einem Ausstiegsszenario aus dem Corona-Lockdown lauter. Es sei "ermutigend" und ein "gutes Zeichen, dass unsere Anstrengungen Erfolge zeigen", sagte der Gesundheitsminister Jens Spahn im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. Gleichwohl hänge die Frage einer Lockerung der Beschränkungen jedoch an zahlreichen Faktoren. Es gebe mehrere Aspekte, die berücksichtigt werden müssten bei der Entscheidung, "ob und wie es mit den Maßnahmen weitergeht", sagte Spahn. So müssten die Zahl der Patienten weiter sinken und insgesamt die Fallzahlen in eine Größenordnung gebracht werden, bei der die Gesundheitsämter gut Kontakte nachverfolgen könnten. Zudem müsse es gelingen, alle Personen, die in Quarantäne müssten, auch tatsächlich in Quarantäne zu bringen und dies auch zu kontrollieren, "damit da nicht neue Ausbruchsherde entstehen".

Wenn sich der Trend fortsetze und es gelinge, die Infektionszahlen so weit zu senken, dass die Gesundheitsämter bei der Kontaktverfolgung nachkämen, könne "unter diesen neuen Aspekten entschieden werden, ob und wie es mit den neuen Maßnahmen" nach dem 14. Februar weitergehe, so der Gesundheitsminister. Die Bundesregierung habe stets betont, dass Kitas und Schulen als letztes geschlossen würden, sagte Spahn. Daher sei für ihn klar, dass in diesem Bereich auch als erstes gelockert werden müsse.

Exit-Strategie aus dem Lockdown gefordert

Auf klare Perspektiven für eine Lockerung der Corona-Beschränkungen dringt der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Nötig sei eine "abgestufte Exit-Strategie aus dem Lockdown", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Infektionszahlen seien zwar noch zu hoch, aber sie gingen zurück. Deshalb sei die Politik gefordert, klarzumachen, ab welchen Werten welche Lockerungen gelten sollten. Das werde regional unterschiedlich sein. Im Vordergrund müssten auch nach Ansicht Landsbergs aber überall die Perspektiven für Kitas und Grundschulen stehen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt erklärt, dass nach dem Lockdown zuerst Schulen und Kitas wieder geöffnet werden müssten. Zugleich warb sie aber trotz der sinkenden Corona-Zahlen eindringlich für den längeren Lockdown, der bisher bis zum 14. Februar befristet ist. Man dürfe nicht warten, bis sich neue, besonders ansteckende Varianten des Coronavirus ausbreiteten. "Dann wäre es zu spät, um eine dritte Welle der Pandemie und gegebenenfalls eine noch heftigere als jemals zuvor zu verhindern", warnte sie.

Baerbock: Öffnungsdiskussion ist verfehlt

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock ist dagegen, die derzeitigen Corona-Maßnahmen frühzeitig wieder zu lockern. "Ich halte es nicht für sehr sinnvoll, angesichts dessen, dass wir die Zahlen gerade mal ein bisschen runter bekommen konnten, jetzt sofort wieder darüber gesprochen wird, was wir lockern können", sagte sie im SWR. Die Situation sei nach wie vor schwierig - auch angesichts der neu aufgetretenen Virus-Mutationen. Viele Krankenhäuser seien am Limit. Diskussionen über Öffnungen hielte Baerbock derzeit daher für verfehlt. Wichtig sei es jetzt, dass Schnelltests, Impfdosen und FFP2-Masken überall verfügbar seien.

Dass die Bundesländer im Umgang mit Schulöffnungen differenziert vorgingen, vor allem für Schülerinnen und Schüler unterer Klassen, sei richtig, so die Grünen-Vorsitzende. Allerdings müssten die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder dafür sorgen, dass die Sicherheit an den Schulen erhöht werde. "Schnelltests gerade für Lehrkräfte und Kinder wären dafür ein absolut richtiger Schritt", sagte Baerbock. Zudem sei es wichtig, dass überall Online-Unterricht möglich sei, wenn man in den Wechselunterricht gehe. Ein Fünftel der Kinder sei davon seit Wochen abgeschnitten, so die Grünen-Politikerin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. Januar 2021 um 09:00 Uhr.

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