Corona-Sequenzierung im Labor | picture alliance / Neumayr Fotog

Merkel mahnt zur Vorsicht "Schritt für Schritt" aus der Corona-Krise?

Stand: 18.06.2021 13:46 Uhr

Impfen, testen und vorsichtig sein - das ist das Credo der Bundesregierung in der Corona-Krise. Ein neuer Lockdown im Herbst wegen der Delta-Variante soll so verhindert werden.

Die Infektionszahlen in Deutschland gehen weiter zurück, die Bundesregierung warnt mit Blick auf die ansteckendere Delta-Variante und dem kommenden Herbst dennoch vor Leichtsinn. So sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel für einen vorsichtigen Kurs in der Corona-Krise aus. "Wir wollen nicht rein und raus aus den Kartoffeln", sagte Merkel bei der Nationalen Luftfahrtkonferenz im brandenburgischen Schönefeld.

Sie verwies auf Großbritannien, wo angekündigte Lockerungen verschoben wurden, weil sich dort die Delta-Variante des Virus ausbreitet. "Wir müssen einfach Schritt für Schritt und vorsichtig vorgehen", sagte Merkel.

Delta soll dominierende Variante werden

Gesundheitsminister Jens Spahn verwies ebenfalls auf die sich auch in Deutschland ausbreitende Mutante. Der Anteil der Delta-Variante an allen Infektionen beträgt aktuell gut sechs Prozent. Zwar sei das Niveau noch niedrig, aber sie verbreite sich schnell, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn. "Impfen, Vorsicht, testen. Damit kann es gelingen, die Infektionszahlen weiter runterzubringen und auch über den ganzen Sommer zu halten", so Spahn.

Die Frage sei nicht, ob Delta die dominante Variante werde, sondern wann und unter welchen Bedingungen. "Idealerweise unter Bedingungen mit hoher Impfquote und geringen Infektionszahlen", sagte der CDU-Politiker.

Spahn betonte, dass die Impfkampagne vorangehe. Mittlerweile seien mit 50,1 Prozent mehr als die Hälfte der Deutschen mindestens einmal geimpft. Das entspreche 41,5 Millionen Menschen. 29,6 Prozent hätten mit der Zweitimpfung mittlerweile den vollen Schutz. "Diese Zahlen machen zuversichtlich", so Spahn.

"Erfolge nicht leichtfertig verspielen"

Laut RKI-Chef Lothar Wieler wird die Delta-Mutante des Coronavirus spätestens im Herbst die dominierende Variante in Deutschland sein. Das RKI rechnet dann auch mit steigenden Infektionszahlen. Daher mahnte auch Wieler weiter zur Vorsicht: "Wir sind sehr froh und sehr dankbar darüber, wie sich die Zahlen entwickeln", sagt Wieler. Aber die Pandemie sei nicht vorbei. Deutschland dürfe seine Erfolge jetzt nicht leichtfertig verspielen. Insofern sei es wichtig, weiterhin nur "behutsam und kleinschrittig" zu öffnen.

Die Delta-Variante habe im Vereinigten Königreich mittlerweile einen Anteil von 90 Prozent. Vor allem junge Menschen infizierten sich, so der RKI-Chef. "Impfdaten aus Großbritannien zeigen zwar, dass die Impfungen von BioNTech und AstraZeneca sehr gut vor schweren Verläufen durch Delta schützen. Das gilt aber eben nur für vollständig Geimpfte. Bei einer unvollständigen Impfserie kann die Delta Variante weiter übertragen werden". Der Impfschutz könne bei Varianten, zum Beispiel bei Delta, auch geringer ausfallen. Und auch bei vollständig Geimpften kommen dann noch in seltenen Fällen einzelne schwere Krankheitsverläufe vor.

Maßnahmen beibehalten

Deshalb sei es wichtig, die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung beizubehalten - Abstand halten, Lüften, in Innenräumen Mund-Nase-Schutz tragen, gerade am Arbeitsplatz, in Bussen und Bahnen, situationsbedingt auch an Schulen.

"Wir müssen vorsichtig bleiben, bis alle ein Impfangebot haben", sagte auch Kanzleramtschef Helge Braun dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Das gehöre zur Fairness gegenüber jenen Menschen dazu, die noch nicht geimpft wurden, weil sie in keiner Priorisierungsgruppe waren und noch keine Gelegenheit zur Impfen hatten.

Bundesweite Inzidenz bei 10,3

Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 1076 Corona-Neuinfektionen. Das geht aus Zahlen vom Morgen hervor, nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 2440 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden nun den Angaben zufolge binnen 24 Stunden 91 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 102 Tote gewesen.

Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, wird nun mit 90.270 angegeben. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das RKI am Freitagmorgen mit bundesweit 10,3 an (Vortag: 11,6; Vorwoche: 18,6).

Mit Informationen von Sophie von der Tann, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juni 2021 um 12:00 Uhr.