Jens Spahn | EPA

Debatte über Ende der Corona-Maßnahmen Spahn hofft auf "Impf-Ruck"

Stand: 07.07.2021 09:16 Uhr

Gesundheitsminister Spahn macht die Aufhebung der Corona-Beschränkungen von einer hohen Impfquote abhängig. Die Maskenpflicht werde es noch eine Weile brauchen. Ähnlich sieht das Justizministerin Lambrecht.

In der Debatte um die Aufhebung der Corona-Maßnahmen hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn für Vorsicht plädiert. Mit Blick auf Herbst und Winter werde es weiterhin eine Maskenpflicht in Innenräumen brauchen, so der CDU-Politiker im ARD-Morgenmagazin.

Spahn betonte allerdings: "Geimpft sein macht einen Unterschied." Wer viel machen wolle, etwa ins Stadion oder auf Partys gehen und die Familie besuchen, solle sich impfen lassen. "Da, wo nicht ausreichend geimpft ist, in den Bevölkerungsgruppen wird es sehr sehr viele Infektionen geben", so der Gesundheitsminister. Er hoffe, dass im Sommer ein "Impf-Ruck" durch Deutschland gehe. Die "Basis-Maßnahmen", also AHA-Regeln und die Maskenpflicht, würden aber noch "eine Weile" beibehalten.

Lambrecht: Geringer Eingriff in Grundrechte

Auch Justizministerin Christine Lambrecht lehnte eine Aufhebung der Maskenpflicht in Innenräumen vorerst ab. "Auch eine Impfung bietet keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Weitergabe des Virus, wie sich zuletzt an der Ausbreitung der Delta-Variante in einigen Ländern gezeigt hat", sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Einige Vorsichtsmaßnahmen bleiben daher vorerst auch für geimpfte Personen sinnvoll, wie zum Beispiel das Tragen einer Maske in Innenräumen."

Diese grundlegenden Hygienemaßnahmen greifen aus Sicht der Justizministerin nur in relativ geringem Umfang in die Grundrechte ein. "Es wäre auch kaum praktikabel, zum Beispiel im öffentlichen Nahverkehr oder im Supermarkt zwischen geimpften und ungeimpften Personen zu unterscheiden", sagte Lambrecht.

Maas für baldiges Ende der Einschränkungen

Am Dienstag hatte sich Bundesaußenminister Heiko Maas für eine Aufhebung aller Corona-Einschränkungen ausgesprochen - sobald alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot bekommen haben. Damit sei im Laufe des Augusts zu rechnen, sagte Maas der "Süddeutschen Zeitung". Er sehe rechtlich und politisch keine Rechtfertigung mehr für "irgendeine Einschränkung", wenn alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot haben.

Ankündigungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Spahn stützen den Vorstoß: Merkel hatte versprochen, dass alle Menschen in Deutschland bis zum 21. September ein Impfangebot erhalten sollen. Inzwischen geht Spahn davon aus, dass das bereits Ende Juli der Fall sein kann.

Schon Anfang Juni hatte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, das Ende aller Corona-Maßnahmen für vollständig Geimpfte gefordert.

Lauterbach erinnert an Ziel der Herdenimmunität

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erinnerte in den Funke-Zeitungen daran, ab welcher Impfquote eine Herdenimmunität erreicht wird: "Schaffen wir es, 85 Prozent der Erwachsenen zu impfen, oder schaffen wir das nicht? Davon wird viel abhängen. Wenn wir es nicht schaffen, dann wird die Abschaffung der Maskenpflicht nicht funktionieren", so Lauterbach. Experten gehen davon aus, dass solche Impfquoten nur dann möglich sind, wenn auch Kinder und Jugendliche flächendeckend geimpft werden.

Gesundheitsminister Spahn sagte im Deutschlandfunk, bei den Älteren gebe es eine hohe Bereitschaft, so dass bei den über 60-Jährigen eine Impfquote von 90 Prozent bald erreicht werde. Bei den Zwölf- bis 59-Jährigen müsse dagegen noch geworben werden, um eine Quote von 85 Prozent zu erreichen. Ihnen müssten niedrigschwellige Impfangebote gemacht werden, etwa auf dem Marktplatz, dem Sportplatz oder neben Moscheen und Kirchen. Eine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gibt es in Deutschland nicht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen. 

In Deutschland sind laut Daten des Robert Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums (Stand: 06. Juli) derzeit 39,3 Prozent der Menschen vollständig und 56,8 Prozent mindestens einmal gegen das Coronavirus geimpft. Die höchste Impfquote unter den Bundesländern verzeichnet Bremen mit 65,5 Prozent mindestens einmal Geimpften. In Sachsen liegt die Quote mit 48,5 Prozent am niedrigsten. Von den 12- bis 18-Jährigen sind laut Gesundheitsminister Spahn bundesweit knapp zehn Prozent mindestens einmal geimpft.

Über dieses Thema berichtete das ARD-Morgenmagazin am 07. Juli 2021 um 08:14 Uhr.