Leere Südtribüne im Signal Iduna Park in Dortmund. | picture alliance / nordphoto

Coronavirus Bundesliga bald vor leeren Rängen?

Stand: 09.03.2020 13:42 Uhr

Die Empfehlung von Gesundheitsminister Spahn, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern wegen des Coronavirus abzusagen, trifft auch den Sport. In NRW drohen Geisterspiele. Die Fußball-Bundesliga will am Spielplan festhalten.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus stehen in Deutschland Absagen von Großveranstaltungen bevor. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kündigte am Sonntagabend im Bericht aus Berlin an, der Empfehlung von Gesundheitsminister Jens Spahn nachkommen zu wollen, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern im bevölkerungsreichsten Bundesland "und anderswo" abzusagen. "Großveranstaltungen haben natürlich die Neigung, dass da viel übertragen wird."

"In Wahrheit wie eine Anordnung"

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) fügte in der ARD-Sendung Anne Will hinzu, das Land werde Spahns Empfehlung umsetzen - "und zwar morgen oder jetzt, vollkommen klar".

Davon betroffen ist auch die Fußball-Bundesliga. Zwar sollen wohl keine Partien gestrichen werden, aber die Spiele könnten ohne Publikum im Stadion stattfinden. Das gilt nach Laumanns Worten für das Bundesliga-Derby Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln am Mittwoch. "Ob sie ohne Publikum spielen oder ob sie gar nicht spielen, das muss schon der Verein entscheiden, nicht ich", sagte Laumann.

Laumann sagte, bei der Bundesliga sei es auch wichtig, dass man nicht einzelne Vereine bestrafe, sondern dass man dies in der Gesamtheit sehe. "Wenn wir jetzt ganz klar sagen, wir wollen in Nordrhein-Westfalen keine Veranstaltungen mehr (mit) über 1000 Menschen zulassen, dann ist das eine Empfehlung des Landesgesundheitsministers an die unteren Gesundheitsbehörden." Diese müssten entscheiden. Er sei aber sicher, dass es nun eine einheitliche Umsetzung gebe. "In Wahrheit ist es wie eine Anordnung."

Für Spahn ist es das oberste Ziel, die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen. "Denn je langsamer sich das Virus verbreitet, desto besser kann unser Gesundheitssystem damit umgehen", sagte er. Auch der Chef des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, schloss sich Spahns Empfehlung an und sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: "Man kann nicht Fußballspiele mit 35.000 Besuchern stattfinden lassen, als wäre nichts geschehen."

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann | dpa

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann empfiehlt den lokalen Behörden, Bundesligaspiele nur ohne Publikum zuzulassen. Bild: dpa

Bundesliga will an Spielplan festhalten

Trotz möglicher Geisterspiele ohne Publikum will die Bundesliga ihre Saison wie geplant bis Mitte Mai zu Ende bringen. "Nur so erhalten Clubs und DFL trotz schwieriger Umstände für die kommende Spielzeit Planungssicherheit", sagte der Geschäftsführer der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert. Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe müssten in beiden Spielklassen ermittelt werden.

Seifert bat darum, einen "angemessenen Weg zu finden zwischen berechtigter Vorsorge und übertriebener Vorsicht". Das DFL-Präsidium werde sich beraten und die Clubs der Bundesliga und 2. Liga kurzfristig zu einer Krisensitzung einladen. Einen Alleingang einzelner Clubs dürfte es nicht geben. Die Clubs würden sich mit den zuständigen Behörden an den jeweiligen Standorten wie bisher eng hinsichtlich des Ablaufs weiterer Spieltage abstimmen, sagte Seifert. Es sei "eine schwierige Situation", fügte Seifert an. Die Gesundheit habe oberste Priorität.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer bezeichnete mögliche Spiele der Fußball-Bundesliga ohne Publikum als vertretbare Maßnahme. Es sei immer gesagt worden, dass Maßnahmen angepasst würden, sagte Kramp-Karrenbauer im gemeinsamen "Morgenmagazin" von ARD und ZDF. "Und deswegen ist es richtig zu sagen, auch mit Blick auf das, was in Europa passiert: Wir müssen Großveranstaltungen anders in den Blick nehmen." Sie insofern setze "auf das Einsehen der einzelnen Vereine und aber auch derjenigen Stellen, die es dann anordnen müssen".

Kritik an unklarer Linie

Während der Mannschaftsarzt des FC Bayern München, Roland Schmidt, mögliche Geisterspiele ebenfalls als ein Mittel ansieht, das sinnvoll sein könne, kritisierte der Sportchef des 1. FC Köln, Horst Heldt, den bisher uneinheitlichen Kurs. "Ich finde den Umgang mit dem Coronavirus konsequent inkonsequent", sagte Heldt. "Manche Spiele finden statt, andere nicht. Ich würde mir wünschen, dass es eine klare Ansage gibt." Heldt bezog sich auf die Champions League, in der das Spiel von Borussia Dortmund bei Paris Saint-Germain am Mittwoch ohne Zuschauer stattfinden wird, das von RB Leipzig am Dienstag gegen Tottenham Hotspur aber mit.

Innerhalb der Liga tausche man sich ständig aus. "Es gibt eine Telefonkonferenz nach der anderen", berichtete Heldt: "Aber wir Vereine sind da nur Entscheidungsempfänger." Die Stadt Köln sieht in der Frage nach Fußballspielen vor leeren Rängen zunächst den Veranstalter am Zug. Die Verantwortlichen seien nicht nur aufgerufen, sondern auch verpflichtet, das Gesundheitsrisiko einzuschätzen. Auch wenn die örtlichen Behörden theoretisch befugt wären, ein solches Geisterspiel anzuordnen, sagte eine Sprecherin.

Das Spitzenspiel der italienischen Serie A zwischen Inter Mailand und Juventus Turin fand vor leeren Rängen statt. | AP

In der Serie A sind Geisterspiele bereits an der Tagesordnung. Bis zum 3. April werden in Italien alle Sportveranstaltungen ohne Zuschauer ausgetragen. Auch das Spitzenspiel zwischen Juventus Turin und Inter Mailand fand am Sonntag vor leeren Rängen statt. Es wird bereits über eine komplette Absage der Meisterschaft diskutiert. Bild: AP

Behörden vor Ort entscheiden

Im Falle einer Gefährdung von Spielern und Zuschauern können nur die lokalen Gesundheitsbehörden über Spielabsagen oder den Ausschluss des Publikums entscheiden, weil dabei neben Aspekten der Infektionsvorbeugung auch solche des gesamten öffentlichen Lebens zu berücksichtigen sind. Eine solche Entscheidung würde den gastgebenden Verein praktisch das Heimrecht kosten und diesen zugleich um Einnahmen aus dem Ticketverkauf bringen. Sollte es dazu kommen, würden neben den beteiligten Mannschaften nur noch Betreuer, Ballkinder, Arena-Personal und Journalisten dabei sein.

Von den von Spahn angemahnten Absagen könnten auch Spiele in den höchsten Spielklassen im Fußball, Handball, Eishockey, Basketball und Volleyball betroffen sein. Bislang hatten Ligaverbände und Vereine stets auf die Zuständigkeit der Behörden verwiesen und Absagen oder Spiele vor leeren Stadien und Hallen bislang vermieden.

So fand am Samstag auch das Bundesligaspiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund in unmittelbarer Nähe zu dem am meisten vom Virus betroffenen Kreis Heinsberg statt. 53.877 Zuschauer waren im Stadion. 550 Menschen aus dem Kreis Heinsberg machten vom Angebot der Gladbacher Gebrauch, sich den Ticketpreis erstatten zu lassen und nicht zum Spiel zu kommen.

Über dieses Thema berichtete Bericht aus Berlin im Ersten am 08. März 2020 um 18:30 Uhr.